Anleger blicken mit Spannung auf die erste Rede des neuen US-Notenbankchefs Kevin Warsh beim Notenbanker-Treffen. Was wird er zur Geldpolitik sagen? An der Wall Street sorgte derweil Nvidia für Rückenwind.
Die Finanzmärkte blicken heute gespannt nach Jackson Hole in den USA. Bei dem wichtigen Treffen der internationalen Notenbanker steht die erste Rede des neuen US-Notenbankchefs Kevin Warsh im Mittelpunkt. Die Anleger erhoffen sich Hinweise darauf, wie die US-Notenbank angesichts der weiterhin erhöhten Inflation ihren künftigen Zinskurs ausrichten will.
Für die Börsen ist das auch relevant, weil hohe Zinsen vor allem wachstumsstarke Technologieunternehmen unter Druck setzen können. Eine zurückhaltende Tonlage Warshs könnte die Aktienmärkte daher weiter stützen. Sollte er dagegen auf die weiterhin über dem Ziel der US-Notenbank Fed liegende Inflation hinweisen und einen vorsichtigen Kurs signalisieren, könnte dies die jüngste Rally bremsen.
Positiver DAX-Start erwartet
Für den DAX wird heute ein freundlicher Auftakt erwartet. Der Broker IG rechnet mit einem Plus zur Eröffnung. Der deutsche Leitindex hatte den Handel am Donnerstag bei 26.366 Punkten beendet und damit weiterhin nahe seinem Rekordhoch von 26.573 Punkten gelegen. Auf Tagessicht gewann der DAX 0,3 Prozent.
Für gute Stimmung sorgen derzeit vor allem die Technologiewerte in den USA. Das zeigte sich auch an den Börsen dort.
Der Nasdaq 100 gewann am Donnerstag 1,6 Prozent auf 26.541 Stellen. Der S&P 500 stieg um 0,7 Prozent auf 7.731 Zähler. Der Dow Jones hatte sich mit einem Plus von 0,2 Prozent bei 53.569 Punkten aus dem Handel verabschiedet.
Nvidia-Aktie legte kräftig zu
Den entscheidenden Impuls lieferte Nvidia. Der Chipkonzern meldete dank der anhaltend hohen Nachfrage nach Rechenleistung für Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz erneut kräftiges Wachstum und stellte auch für das laufende Quartal einen Umsatz über den Erwartungen in Aussicht. Die Aktie sprang daraufhin um fast neun Prozent nach oben.
Das könnte auch für die europäischen Technologiewerte weiter Rückenwind bedeuten. Nvidia gilt als wichtiger Gradmesser für die Entwicklung des KI-Sektors, der in den vergangenen Monaten maßgeblich zur Stärke der internationalen Aktienmärkte beigetragen hat. Zugleich warnte der Konzern vor möglichen Engpässen bei Speicherkomponenten.
„Die Ergebnisse von Nvidia zeigen, dass dem KI-Boom die Nachfrage nicht ausgeht“, sagte Lale Akoner, Strategin beim Broker eToro. Allerdings werde es teurer und kapitalintensiver, dieses Wachstum zu liefern.
Auch andere Software-Papiere profitierten
Auch Software-Werte, die zuletzt unter der Sorge über eine Verdrängung durch KI-Anwendungen gelitten hatten, legten zu. So schossen die Aktien von Salesforce um mehr als 20 Prozent in die Höhe.
Eine Prognoseerhöhung beflügelte ebenfalls die Aktien des Cybersicherheitsspezialisten CrowdStrike, die um rund 20 Prozent kletterten. Das linderte die Sorgen, dass fortschrittliche KI-Tools die traditionelle Softwarebranche umwälzen könnten.
Keine feste Richtung in Asien
Die asiatischen Börsen haben am Freitag vor der mit Spannung erwarteten Rede des US-Notenbankchefs keine einheitliche Richtung gefunden, tendierten aber überwiegend fester. In Tokio legte der 225 Werte umfassende Nikkei-Index um 0,8 Prozent auf 66.683 Punkte zu- Der breiter gefasste Topix notierte 0,9 Prozent höher bei 4.152 Zählern. Die Börse Shanghai gewann 0,1 Prozent auf 3.962 Stellen.
Ölpreise bleiben Unsicherheitsfaktor
Auch die Ölpreise bleiben im Blick. Brent und WTI legten am Donnerstag zwar leicht zu, liegen in dieser Woche aber rund fünf Prozent im Minus. Die Lage rund um die für den weltweiten Öltransport wichtige Straße von Hormus bleibt angespannt.
Iran und Oman arbeiten einem iranischen Insider zufolge an den Details eines Abkommens zur Kontrolle der Straße von Hormus. Die wichtige Meerenge ist für den weltweiten Transport von Öl und anderen Gütern von großer Bedeutung. Entsprechend genau verfolgen die Märkte die weitere Entwicklung.
