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Startseite»Politik»Chinas militärische Aufrüstung: Anlage in der Wüste wirft Fragen auf
Politik

Chinas militärische Aufrüstung: Anlage in der Wüste wirft Fragen auf

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 28, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 28.08.2026 • 21:02 Uhr

China rüstet in Friedenszeiten mit enormem Tempo auf. Die größte Armee weltweit hat mittlerweile drei Flugzeugträger fertiggestellt. Und auf Satellitenbildern wurde nun eine gigantische neue Militäranlage in der Wüste entdeckt.

China hat mit etwa zwei Millionen Soldaten die personell größte Armee der Welt. Die USA haben im Vergleich nur etwa 1,3 Millionen aktive Soldaten. Doch obwohl China auch zu den fünf offiziellen Atommächten gehört – die modernste Armee hat es bislang nicht.

Der Host des NDR-Podcasts Streitkräfte und Strategien, Stefan Niemann, sieht für die Schwäche der chinesischen Armee verschiedene Gründe. Das Land sei lange auf die eigene Größe und die eigene kulturelle Überlegenheit fixiert gewesen und habe darüber den Fortschritt in anderen Teilen der Welt unterschätzt.

Stabile Zeitenlage

Neues Format für sicherheitspolitische Themen

Mit dem neuen Social‑Media‑Format STABILE ZEITENLAGE auf den tagesschau‑Kanälen bei YouTube und TikTok greift der NDR sicherheitspolitische Themen wie den Einsatz von KI in Konflikten auf. STABILE ZEITENLAGE arbeitet eng mit dem renommierten Podcast-Team „Streitkräfte & Strategien“ zusammen. Ziel ist es, Entwicklungen verständlich zu machen und Orientierung zu bieten, ohne die Risiken zu verharmlosen.

Aufrüstung in Friedenszeiten

Doch seit den 1990er-Jahren holen die Chinesen im Bereich Rüstung massiv auf. Und das ungewöhnlich schnell für ein Land, das während dieses Zeitraums in keinen größeren Krieg verwickelt war, sagt Sarah Kirchberger. Sie ist Wissenschaftliche Direktorin für Strategische Entwicklung im Asien-Pazifik-Raum an der Uni Kiel. Normalerweise sei der Aufbau einer modernen Luftwaffe oder Marine ein Projekt für mehrere Generationen – es sei denn, ein Land befinde sich im Krieg.

Aber in Friedenszeiten eine solche Priorisierung vorzunehmen, sei sehr ungewöhnlich, so Kirchberger: „Wenn ein Land so wie jetzt die Ukraine um sein Überleben kämpft, dann setzt das natürlich alle möglichen Kräfte frei, die man in Friedenszeiten so nicht hat. Da wird dann jede Menge Geld eingesetzt. Aber was China in Friedenszeiten geschafft hat, in eigentlich nur zweieinhalb Jahrzehnten, das ist extrem ungewöhnlich.“ China habe dabei nicht nur aufgeholt, sondern in einigen Bereichen sogar Innovationen entwickelt, die andere Länder nicht haben, so Kirchberger.

Elektromagnetische Katapulte

Eine der interessantesten Entwicklungen seien die chinesischen Flugzeugträger. Denn diese Schiffe gehören zu den anspruchsvollsten und teuersten militärischen Einrichtungen. In einem Krieg können sie entscheidend sein. Die USA bauen schon seit 100 Jahren Flugzeugträger für ihr Militär, derzeit haben sie elf. Russland hat nur einen Flugzeugträger, und der ist nicht funktionsfähig. China dagegen rüstet seine Armee erst seit 15 Jahren mit Flugzeugträgern auf. Drei sind inzwischen fertiggestellt, ein weiterer soll sich aktuell im Bau befinden.

Zentrales Element der Flugzeugträger ist die Start- bzw. Landebahn auf dem Schiff. Einige haben inzwischen dampfbetriebene Katapulte verbaut, die die Flugzeuge schneller starten lassen. Die neuste Technologie arbeitet aber mit elektromagnetischen Katapulten.

Dafür braucht es enorme Mengen an Elektrizität. Und das wiederum gehe am besten von einem nuklear angetriebenen Schiff aus, so Sarah Kirchberger. China ist es nun gelungen, so ein elektromagnetisches Katapultsystem zu entwickeln, zur gleichen Zeit wie die USA.

Ein Bau wirft Fragen auf

Fragen wirft eine Anlage mit achteckigen Bauten auf, die mitten in der Wüste Chinas entstanden ist. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte die Anlage auf Satellitenbildern entdeckt und von Experten analysieren lassen. Demnach befindet sie sich in der Nähe der Silos, in denen China seine Nuklearraketen mit der größten Reichweite lagert. Das gesamte Areal soll mehrere Tausend Quadratkilometer umfassen.

Die Experten vermuten, dass es sich bei dem Neubau um ein modernes Raketenabwehrsystem handeln könnte. Auf den Satellitenbildern erkennen sie ein weitläufiges Netz aus Abschussrampen, Bunkern und Kommunikationsknotenpunkten. Außerdem mehr als 80 Stellplätze für mobile Raketenwerfer und Luftabwehrbatterien.

Konkurrenz zu den USA

Wenn die Volksrepublik China im Jahr 2049 ihren 100. Geburtstag feiert, dann soll die sogenannte Volksbefreiungsarmee nach eigenen Angaben auf „Weltklasse“-Niveau sein. Podcast-Host Niemann glaubt, dass dieses Ziel durchaus erreichbar ist: „Ich würde schon sagen, dass die Volksrepublik China inzwischen eine militärische Supermacht ist, die versucht, den USA den Rang abzulaufen.“

China argumentiert seine Aufrüstung nur mit Selbstverteidigung. Glaubwürdig findet Kirchberger das nicht: „Es wäre naiv, wenn man sich die Rhetorik anschaut, wenn man sich die Ziele anschaut und das enge Verhältnis zu Russland anschaut, das ja bereits einen Krieg gegen ein Nachbarland gestartet hat, davon auszugehen, dass das alles also nur reine Selbstverteidigung für den absolut unwahrscheinlichen Fall einer Invasion feindlicher Mächte auf chinesisches Territorium sein soll.“

Vor allem die Ansprüche Chinas auf Taiwan machen internationalen Beobachtern Sorge. China betrachtet die demokratisch regierte Insel als eigenen Landesteil und will sie dem eigenen Staatsgebiet anschließen – bislang noch nicht unter Einsatz militärischer Mittel. Was Xi Jinping mit seiner neuen militärischen Macht vorhat, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

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Dr. Heinrich Krämer
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