An so manchen Dingen scheitert Künstliche Intelligenz bislang. Wenn Dialektsprecher mit Spracherkennungs-KI interagieren, kommt es oft zu kuriosen Missverständnissen. Ein Forschungsprojekt in Bayern will das ändern.
Andreas Brandner aus Mittenwald im Landkreis Garmisch-Partenkirchen spricht Dialekt aus Überzeugung. Auch mit seinen Feriengästen spreche er kein Hochdeutsch, sagt er – und mit der Künstlichen Intelligenz ebenfalls nicht.
Einmal, erzählt Brandner, habe er versucht, Google Maps per Spracheingabe zu steuern. Das Navigationssystem wollte ihn daraufhin nach Australien lotsen. Brandners Dialekt war wohl einfach zu viel.
Dialektproben als KI-Training
Martin Bär ist Informatiker und Linguist, er arbeitet gerade für den Bayerischen Landesverein für Heimatpflege an einem Projekt, das der KI Dialekt beibringen soll. Im Moment sammelt er Proben an zwei Orten in Bayern – einer davon ist Mittenwald. Auch Andreas Brandner macht bei dem Projekt mit.
Laut Bär ist eine der Aufgaben des Projektes herauszufinden, wie viele Daten man in die Spracherkennungs-KI füttern muss, damit die bairischen Dialekt versteht. Denn der hat Dutzende Varianten, die sich in Wortwahl, Satzbau und Lauten unterscheiden.
Erst mal müssen Andreas Brandner und seine Tochter Maria Beispielsätze in ein Mikrofon sprechen. Die Audiodatei mit einer schriftlichen Übersetzung ins Hochdeutsche wird später in die KI eingespeist. Für den Landesverein für Heimatpflege ist das eine Möglichkeit, Dialekt im Alltag zu verankern – und auch ein Gebot der Fairness: Jeder soll die Möglichkeit haben, in seiner Muttersprache mit KI zu kommunizieren.
Von Dialektpflege bis zur Hilfe in der Medizin
Betreut wird das Projekt auch von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Barbara Plank hat dort den Lehrstuhl für KI und Computerlinguistik.
Die Professorin kann sich eine Reihe von alltagsnahen Situationen vorstellen, in denen eine KI einsetzbar wäre, die auch Dialekt versteht: im Umgang mit Ärzten oder Pflegepersonal etwa, oder bei Sprachsteuerung wie Navigationsgeräten. Solche Projekte gibt es schon lange in der Schweiz, aber auch in Südtirol und Großbritannien arbeitet man daran.
Große regionale Unterschiede
Aber warum tut sich KI so schwer mit Dialekten? Plank erklärt: Die Trainingsdaten für Künstliche Intelligenz sind meistens in Hochdeutsch. Und: Dialekte unterscheiden sich von Ort zu Ort. „Es gibt Abweichungen vom Wort bis hin zu Grammatik und Aussprache, die KI muss erst mal verstehen, was wird überhaupt gesagt“, so die Forscherin. Deshalb hoffen alle Beteiligten, dass das Projekt weitere Fördermittel erhält, um aus verschiedenen Gegenden Sprechproben sammeln zu können.
Andreas Brandner aus Mittenwald würde sich drüber freuen. Er erzählt, dass er erst neulich bei einem Autounfall versucht habe, den Polizisten zu erklären, was passiert sei. Die hätten seinen Dialekt einfach nicht verstanden. Bis ein Grieche aus dem Ort zu Hilfe gekommen sei und übersetzt habe. Die Frage ist, ob in solchen Fällen künftig auch ein KI-Übersetzungsprogramm helfen könnte.
