„Desaströses Signal“Umwelthilfe beklagt Spritschlucker-Dienstwagen bei Politikern
Der Anteil von E-Autos an der Zahl der Dienstwagen deutscher Spitzenpolitiker ist im vergangenen Jahr gesunken. Laut Deutscher Umwelthilfe setzen je eine SPD- und eine CDU-Ministerin auf den größten Spritschlucker.
Zu viele deutsche Politiker in Bund und Ländern setzen nach Ansicht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) auf Dienstwagen mit klimaschädlichen Verbrennungsmotoren. Nur 90 von 249 untersuchten Dienstwagen sind demnach rein elektrisch unterwegs. Ihr Anteil an der ausgewerteten Gesamtmenge ist damit gegenüber dem Vorjahr etwas gesunken, heißt es in der Auswertung.
Schlusslichter der Abfrage sind laut DUH: in der Bundesregierung Justizministerin Stefanie Hubig und Bildungs- und Familienministerin Karin Prien mit jeweils 196 Gramm CO2 je Kilometer; unter den Länderchefs Hendrik Wüst, Manuela Schwesig sowie Kai Wegner mit jeweils 262 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer.
Das sei eine „Kampfansage gegen zukunftsgerichtete Verkehrspolitik und ein desaströses Signal für die deutsche Klimapolitik“, kritisierte DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. „Die Politikerinnen und Politiker der Bundes- und Landesregierungen verfehlen ihre Vorbildfunktion massiv.“ Bund und Länder sollten bei der Neubeschaffung konsequent auf Elektroautos setzen und keine Plug-in-Hybride kaufen.
Sogenannte Plug-in-Hybride sind Fahrzeuge, die sowohl mit Treibstoff als auch mit Strom gefahren werden können. Umweltschützer kritisieren, dass sie in der Praxis häufig mit Verbrennungsmotor gefahren werden. Sie machen den Angaben zufolge den größten Anteil der Dienstwagen-Flotte aus. Die Umwelthilfe nimmt für ihre Auswertung einen elektrischen Fahranteil von rund 11 Prozent an, um den CO2-Ausstoß der Autos zu ermitteln. Falls Politikern mehrere Dienstwagen zur Verfügung stehen, wurden jene mit dem höchsten CO2-Ausstoß berücksichtigt.
Innerhalb der Bundesregierung fährt Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan demnach mit 64 Gramm CO2 pro Kilometer den klimafreundlichsten Dienstwagen. Wenn man den Fuhrpark der Minister und ihrer Staatssekretäre berücksichtigt, liegt unter den Bundesministerien das Umweltressort auf Platz 1, gefolgt vom Innen- und Entwicklungsministerium auf Platz 2 vor dem Arbeitsministerium.
Die Wagen von Kanzler Friedrich Merz und einigen anderen Bundesministern wurden wie bereits in den vergangenen Jahren wegen ihrer schweren Panzerung nicht gewertet. Unter den Länder-Regierungschefs ist Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir mit 66 Gramm CO2 je Kilometer laut DUH am klimafreundlichsten unterwegs. Im Kreis der Umweltminister von Bund und Ländern erwähnt die Umwelthilfe Bremens Umweltsenatorin Henrike Müller lobend: Die Grüne sei mit einem Dienstrad unterwegs. Bei der Auswertung nach Parteien liegen die Grünen vorn.
