Die Ankündigung neuer Sanktionen wegen des Anschlagsversuchs am Flughafen Leipzig/Halle stößt in Moskau auf scharfen Protest. Das russische Außenministerium bestellte den Geschäftsträger der deutschen Botschaft ein.
Das russische Außenministerium hat den Geschäftsträger der deutschen Botschaft in Moskau einbestellt, um gegen Berlins Sanktionen nach dem Anschlagsversuch am Flughafen Leipzig/Halle zu protestieren. Die Einbestellung sei wegen der „antirussischen Handlungen und Äußerungen“ der deutschen Führung erfolgt, teilte das Ministerium mit.
Die Behörde veröffentlichte ein Video, das den Diplomaten Bernd Finke bei der Ankunft im Ministerium zeigt. Der neue Botschafter Clemens von Goetze ist demnach nicht in der Stadt.
Gegensanktionen angekündigt
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Außenminister Johann Wadephul hatten gestern Russland für den Drohnenvorfall verantwortlich gemacht und Strafmaßnahmen angekündigt. So sollen etwa das russische Generalkonsulat in Bonn geschlossen und der Vertrag mit dem Russischen Haus in Berlin gekündigt werden.
Russland kündigte daraufhin Gegensanktionen an. Als denkbar gelten eine Schließung des Goethe-Instituts und des Generalkonsulats in St. Petersburg. Schon in der Vergangenheit hatten beide Seiten im Zuge von Sanktionen wechselseitig Konsulate geschlossen.
Moskau bestreitet, etwas mit den Drohnen auf dem Flughafen Leipzig/Halle zu tun zu haben. Der russische Präsident Wladimir Putin bezeichnete die deutsche Sanktionsankündigung als „erneuten schweren Fehler“.
Medwedew: „Verdienen direkten Schlag“
Der Vizechef des russischen nationalen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, drohte Deutschland mit Bestrafung. „Sie verdienen einen direkten Schlag gegen alle deutschen Produktionsstätten für Militärtechnik“, schrieb der für seine scharfen Äußerungen bekannte Kremlpolitiker bei Telegram. Gemeint seien Rüstungsbetriebe, die für die Ukraine arbeiten – und „durchaus auch einige andere Orte in Berlin“.
Wie zuletzt bekannt wurde, haben Ermittler im Zusammenhang mit dem versuchten Anschlag inzwischen zwei Tatverdächtige im Visier. Wie NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung berichten, gelang es dem Bundeskriminalamt, Verdächtige mit Verbindungen nach Russland zu identifizieren.
