Zuerst wurde Alphaville von einem Festival ausgeladen, jetzt darf die Band offenbar doch auftreten. Politische Botschaften auf der Bühne wollte sie sich nicht verbieten lassen. Sänger Marian Gold erklärt im Interview, warum.
Nach dem Eklat um die Ausladung der Band Alphaville vom Glücksgefühle-Festival am Hockenheimring ist der Veranstalter zurückgerudert. Mitorganisator Markus Krampe lud die für Songs wie „Big in Japan“ oder „Forever Young“ bekannte Band wieder ein. „Wie wir gehandelt haben, war in der Tat ein Fehler. Das tut mir leid“, sagte Krampe der Bild. „Meinungsfreiheit ist das höchste Gut, das wir in Deutschland haben, sie ist zu schützen.“
Alphaville-Sänger Marian Gold hatte zuvor öffentlich gemacht, dass die Veranstalter das Konzert abgesagt hatten. Sie argumentierten unter anderem, man habe sich mit der Band nicht darauf einigen können, „politische Äußerungen auf unserer Bühne zu unterlassen“.
Wie Gold und die Band auf die Wiedereinladung reagiert haben, ist noch unklar. Gold hatte die Ausladung zuvor scharf kritisiert. In der Vergangenheit hatte sich die Band gegen rechts und für Demokratie ausgesprochen und insbesondere die AfD kritisiert. Etliche andere Bands und Prominente stellten sich nach der Ausladung hinter Alphaville.
„Musik ist Teil der Kunst – und die Kunst ist frei“, sagte Gold im Interview mit tagesschau24. „Wenn man sagt, politische Themen dürfen nicht verwendet werden, dann ist das eine Einschränkung der künstlerischen Freiheit und vollkommen inakzeptabel in einem Land wie Deutschland, das auf einer Demokratie und unserem Grundgesetz beruht. Das kann man so nicht hinnehmen.“
Entschieden gegen rechts
Gold erklärte, er verorte die Ansichten seiner Band im liberalen bis linken Spektrum. Doch der Fokus in Deutschland gehe aktuell immer mehr auf das rechte Spektrum – auf das „Sammelbecken AfD“, sagte er.
Diese Kräfte hätten „widerliche politische Vorstellungen“ und würden Deutschland im Falle einer Regierungsübernahme in eine Diktatur verwandeln. „Das gilt es mit allen Mitteln zu verhindern“, betonte der Sänger. „Nicht nur durch uns Künstler, sondern durch alle Menschen hier in Deutschland, die auf dem Boden unseres Grundgesetzes stehen.“
80 Jahre Frieden und Freiheit im Land sei eine wahnsinnige Erfolgsstory, sagte Gold – auch wenn in Deutschland in den letzten 20 Jahren „leider viel verschlafen“ worden sei – gerade im sozialen Bereich. Dies habe dazu geführt, dass die AfD so stark werden konnte. Das liege zum großen Teil an den Versäumnissen der etablierten Parteien. „Aber nichtsdestotrotz sind diese Parteien die Rettung für dieses Land.“ Und Aufgabe der Künstlerinnen und Künstler sei es, die Menschen aufzuwecken.
„Das wäre der Sieg einer großen Minderheit“
Gold betonte, dass es sich bei den Wählern der AfD um eine Minderheit handle. „Ich will nicht, dass solche politischen Vorstellungen, wie sie die AfD hat, hier in Deutschland verwirklicht werden. Das wäre das Ende unserer Demokratie und unserer Freiheit“, sagte er. „Das wäre der Sieg einer großen Minderheit, die aber kein Recht hat, dieses Land erneut in diese Irre zu führen.“
Trotz des Erstarkens sei er „nach wie vor der festen Überzeugung, dass die Mehrheit der Deutschen nicht rechtsradikal ist“, so der Musiker. „Wir dürfen diese große Minderheit nicht gewinnen lassen. Wir müssen nach 80 Jahren zum ersten Mal wirklich wieder für die Werte, von denen wir alle profitieren, kämpfen.“
