Marktbericht
Kann sich der DAX über 26.000 Punkten halten? Die Hoffnung auf eine Zinspause in den USA hat die Wall Street gestern angetrieben. Aber heute steht mit den US-Arbeitsmarktdaten der nächste wichtige Termin an.
Der Broker IG taxierte den deutschen Leitindex vor dem Xetra-Handelsstart 0,1 Prozent höher auf 26.035 Punkte. Am vergangenen Freitag hatte er mit 26.618 Punkten noch ein Rekordhoch erreicht. Seither hatten ihn hohe Ölpreise und Anleihezinsen zeitweise bis auf 25.727 Punkte zurückgeworfen.
Gestern war der DAX dagegen mit einem Plus von 0,6 Prozent auf 26.003 Punkten aus dem Handel gegangen. Anlegern gefielen die Aussagen eines Fed-Mitgliedes, die Spekulationen auf eine anhaltende Zinspause der US-Notenbank im September nährten.
„Nachdem Fed-Gouverneur Christopher Waller unveränderte Leitzinsen von 3,5 Prozent signalisiert hatte, haben die Märkte die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte im September auf rund 50 Prozent zurückgenommen“, kommentiert Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. „Die Inflationsdaten für August, die am 11. September veröffentlicht werden, dürften daher richtungsweisend sein.“
Steigende Leitzinsen sind kein gutes Umfeld für Aktien. Höhere Zinsen machen festverzinsliche Anlagen wie Anleihen für Investoren attraktiver. Gelder, die sonst in den Aktienmarkt fließen würden, könnten dann in Anleihen investiert werden. Deshalb bevorzugen die Anleger am Aktienmarkt ein niedriges Zinsniveau.
Im Tagesgeschäft Börse steht immer schon der nächste Termin an: Am Nachmittag werden in den USA die Jobdaten für den Monat August veröffentlicht. In den USA spielen Beschäftigungsdaten eine wichtige Rolle bei geldpolitischen Entscheidungen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), weil ein robuster Arbeitsmarkt neben der Preisstabilität zum Mandat der Fed zählt.
Je stärker sich der Arbeitsmarkt zeigt, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung. Denn wenn viele neue Jobs geschaffen werden und die Löhne steigen, könnte das die Inflation anheizen.
Die Vorgaben aus den USA fallen dank der Waller-Aussagen stark aus. Der Dow Jones schloss 1,2 Prozent höher bei 53.686 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 rückte um 1,1 Prozent auf 7.748 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 1,4 Prozent auf 26.584 Punkte. Auch die Renditen der US-Staatsanleihen gaben den zweiten Tag in Folge nach, nachdem sie zuvor den höchsten Stand seit November 2023 erreicht hatten.
Bei den Einzelwerten standen Technologie- und KI-Aktien im Fokus, die von niedrigen Zinsen besonders profitieren. Die Papiere von Nvidia stiegen, weil der Chipkonzern mitgeteilt hatte, die Entwicklerplattform Hugging Face für 12,9 Milliarden Dollar zu übernehmen. So will Nvidia Rivalen wie OpenAI und Anthropic herausfordern.
Bei den Unternehmen steht Volkswagen im Mittelpunkt. Der VW-Aufsichtsrat hat gestern dem Sanierungsplan zugestimmt: Weitere 50.000 Jobs sollen wegfallen und vier Werke stehen auf der Kippe, wenn keine alternative Verwendung für sie gefunden wird. Seit Jahresbeginn hat der Autobauer fast 30 Prozent seines Börsenwerts verloren.
