Jetzt endlich mit HeckscheibePolestar 4 wird weniger fancy, aber dafür etwas praktischer

Wer das Designerstück Polestar 4 in nicht ganz so ausgefallen genießen möchte, bekommt ab sofort ein konventionelleres SUV unter der gleichen Modellbezeichnung. ntv.de hat sich den Schweden bereits angesehen und ist mit ihm auf Tuchfühlung gegangen.
Vielleicht sind die Kreativen mit dem Kniff, keine Heckscheibe zu verbauen, doch die einen Schritt weit gegangen? Ausdrücklich nein! Aber sorry, extravagantes Design wäre ja keines mehr, wenn es der Masse gefiele. Für diese Verhältnisse jedoch ist der Polestar 4 ohne Glas im Heckbereich noch recht sichtbar auch im deutschen Straßenbild, wo sich immerhin etliche Tausend Exemplare tummeln. Doch diese Mengenverhältnisse könnten sich bald ändern, denn Polestar hatte schon wieder eine geniale Idee für einen weiteren Kniff in der Jagd nach Volumen.
Es klingt im Grunde einfach: Nimm die bekannte SEA-Plattform und halte das Design quasi gleich. Aber gib dem Polestar um Himmels willen ein anderes Heck vor allem mit richtiger Heckscheibe (an deren Nichtexistenz stören sich einige Interessenten). Und dann gib ihm noch ein Steilheck, um den Nutzwert zu optimieren.
Wobei, eine Sache darf man nicht vergessen: Auch das Coupé braucht sich keineswegs zu verstecken beispielsweise in puncto Kofferraumvolumen. Da stehen immerhin 1536 Liter auf dem Zettel. Und weil das Designerauto schon so satt vorlegt, bleibt die Differenz zum SUV zwar überschaubar, aber nicht trivial. Legt man die Rücksitzlehnen um, passt Gepäck im äquivalent von 1665 Liter in das hintere Abteil.
Doch nicht nur dem Hab und Gut wird im neuen Polestar-SUV mehr Platz eingeräumt, auch Fondpassagiere genießen etwas mehr Raum. Denn weil es nicht so eine stark abfallende Dachlinie aufweist, können 2,5 Zentimeter Kopffreiheit gewonnen werden. Was bei der Sitzprobe allerdings fast noch mehr auffällt, ist die durchaus üppige Beinfreiheit – kein Wunder bei drei Metern Radstand. Und wenn man schon mal hinten sitzt, darf man einen Blick gen Himmel genießen durch das serienmäßige Panoramadach, das in dieser Version außerdem wuchs. Als Extra lässt es sich darüber hinaus elektrochromatisch dimmen.
Ansonsten ist das Interieur ein altbekanntes insbesondere mit üppigen Sesseln neben einer klaren sowie reduzierten Architektur; je nach Sitzpolster verwendet Polestar einen Recycling-Anteil von bis zu 89 Prozent. Generell betont der Hersteller, dass Wiederverwertung bei ihm hohe Priorität genieße – das gilt auch für die übrigens ziemlich skandinavisch-stylish gestalteten Innenraummaterialien.
Ein asketisches Auto ist der Polestar 4 indessen nicht, ganz im Gegenteil. Bei den Antrieben orientiert er sich nämlich am Coupé. Was im Umkehrschluss auch bedeutet, dass dieser Langstrecken-Praktiker weiterhin mit 400 Volt auskommen muss. Und das Werk beschönigt die damit verbundene, eher bummelige Ladezeit nicht einmal. So räumt es 30 Minuten ein, um den 100-kWh-Akku von 10 auf 80 Prozent zu laden. Für ein Auto zu Grundpreisen ab knapp unter 60.000 Euro heutzutage zu lange.
Polestar 4 ist Performance-Biest
Ob er dieses Manko dank schierer Power herausreißen kann? Mit der sogenannten Rear-Motor-Variante gibt es immerhin 272 PS auf die Hinterräder. Was vor wenigen Jahren bei manchen Interessenten noch Schnappatmung ausgelöst hätte, geht heute allenfalls als okay durch. Dennoch versprechen 7,3 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h ein souveränes Fortkommen. Und 630 Kilometer WLTP-Reichweite klingen mehr als praxistauglich.
Richtig sportwagenmäßig wird es dann mit dem Dual Motor. Hier wüten 544 PS an beiden Achsen, was den Polestar 4 unter voller Last binnen 3,9 auf 100 km/h schnalzen lässt. Leider liegt die Höchstgeschwindigkeit weiterhin bei bloß 200 km/h – hier bleibt der Allrounder weiterhin 30 Sachen unterhalb des Polestar 3.
Wer die Leistung öfter nutzt, sollte vielleicht zum 4500 Euro teuren Performance-Paket greifen. In diesem Fall sorgen Brembo-Bremsen für wirkungsvolle Verzögerung und aktive Dämpfer aus dem Hause ZF sollen die Bandbreite zwischen komfortabel und drahtig vergrößern. Aber Obacht! Die damit verbundenen 22-Zöller verkleinern die Reichweite mal eben um 80 Kilometer (520 statt 600).
Unter dem Strich könnte die Entscheidung, aus dem Polestar 4 optional auch noch ein SUV zu machen, ein geschickter Move gewesen sein. Wer mit ausgefallenen Karosserieformen fremdelt, bekommt plötzlich ein konventionelles Auto mit leichten praktischen Vorzügen. Wenn ein solches Package nicht mal gut ankommt im Markt.
Wobei, eigentlich ist die neue Kreation mit einer Höhe von 1,56 Metern gar kein ausgeprägtes SUV, sondern vielmehr ein etwas höhergelegter Kombi. Er ist im Geiste quasi der Nachfolger des Saab 9-3X für Schwedenfans mit dem Wunsch, Volvo zu vermeiden. Nur eben mit 4,84 Metern rund 20 Zentimeter länger und mit bis zu 2,4 Tonnen Leergewicht 500 Kilogramm schwerer. Vermutlich aber dennoch effizienter, und das ist ja auch schon mal eine gute Nachricht.
