USA werden verkleinertUN reformieren Weltkarte – im Sinne Afrikas
Der Anblick einer rechteckigen Weltkarte scheint gewohnt – dabei verzerrt sie die tatsächlichen Größen der Länder: Sie erscheinen umso kleiner, je näher sie dem Äquator sind. Unter Federführung von Togo fordert die Afrikanische Union deshalb eine neue Weltkarte. Nun stimmen die Vereinten Nationen zu.
Die UN-Volllversammlung hat eine Reform für die Verwendung neuer Weltkarten mit realistischeren Größenverhältnissen beschlossen. Dabei nahmen die Mitgliedsstaaten die entsprechende Resolution „Correct the Map“ mit einer deutlichen Mehrheit an: 164 Staaten stimmten dafür, sechs enthielten sich – nur die USA stimmten dagegen.
Zuvor hatten Mitglieder der afrikanischen Union unter Federführung von Togo die UN dazu aufgefordert, bisher geläufige Karten zu korrigieren und die wahre Größe Afrikas abzubilden. „Karten prägen unser Verständnis der Welt“, erklärte der togolesische Außenminister Robert Dussey während der Debatte in der UN-Vollversammlung. Sie seien aber niemals neutral. Es bestehe die Gefahr, dass sie „ein verzerrtes Bild unseres Planeten vermitteln und falsche Vorstellungen verfestigen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden“.
Die bis heute häufig verwendete Weltkarte beruht auf der sogenannten Mercator-Projektion. Diese wurde laut dem Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) im Jahr 1569 von dem Kartographen Gerardus Mercator für die Seefahrt entwickelt. Damals wusste man, dass sie die Größe der Länder nicht flächentreu darstellt, sondern verzerrt. Aber dafür war sie winkeltreu und erwies sich für die Schifffahrt von enormem Nutzen.
Denn genau diese winkeltreuen geraden Linien halfen dabei, „dass man danach recht einfach navigieren, also den Kurs eines Schiffes bestimmen konnte“, erklärte vor einiger Zeit Manfred Weisensee, Präsident der Jade Hochschule und langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kartographie (DGfK). Weisensee zufolge gehört die Mercator-Projektion zu den „Meilensteinen der Wissenschaft“.
Heute wird sie laut BKG vor allem in digitalen Kartendiensten eingesetzt, da sie die Darstellung online vereinfache – Displays sind rechteckig – und so auch konsistentes Zoomen ermögliche. Doch Weisensee erklärte auch das Problem der Flächenverzerrung: Denn Länder werden bei dieser Projektion umso größer, je weiter sie vom Äquator entfernt liegen. Schließlich werde die dreidimensionale Erde, die eigentlich fast kugelförmig ist, auf eine zweidimensionale, rechteckige Fläche projiziert.
Daher wird die Fläche immer größer, je weiter man vom Äquator entfernt ist. Umgekehrt wird Afrika nun auf der neuen Karte vergrößert und die beispielsweise USA werden verkleinert. Ein Beispiel veranschaulicht die Verzerrung zudem besonders deutlich: Auf der Mercator-Weltkarte scheint Grönland genauso groß wie Afrika zu sein – dabei ist Afrika rund 14 Mal so groß wie Grönland.
Mit Blick auf die jüngste Abstimmung erklärte Togo in einer Stellungnahme: Sie stelle „in keiner Weise die Verwendung der Mercator-Projektion für die See- und Luftfahrt in Frage, für die sie nach wie vor bestens geeignet ist“.
