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Startseite»Nachrichten»Historischer WM-Erfolg: Das bemerkenswerte Comeback von Marie Gülich
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Historischer WM-Erfolg: Das bemerkenswerte Comeback von Marie Gülich

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 9, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Marie Gülich führt Deutschland beim dominanten Sieg über Südkorea erstmals in ein WM-Viertelfinale. Dabei zeigt die Kapitänin, welch besondere Rolle sie in diesem Team einnimmt. Das wird nun besonders wichtig.

Nach der letzten Sirene musste Deutschlands Nationalmannschafts-Kapitänin Marie Gülich die ausgelassene Feier mit dem Team kurz unterbrechen. Der offizielle Teil stand noch an: Gülich bekam von 3×3-Olympiasiegerin Svenja Brunckhorst den Pokal für den Titel „Spielerin des Spiels“ überreicht. Dass für Gülich der persönliche Erfolg eher zweitrangig ist, unterstrich ihre Reaktion danach. Ihr Blick ging sofort zu ihren Mitspielerinnen, dann stürmte sie mit dem Pokal auf das Team zu und setzte gemeinsam mit ihm zur Laola-Welle an.

Es war zwar nur eine kleiner Moment, aber einer mit großer Aussagekraft. Die 32-jährige steht bei dieser Heim-WM selten im Mittelpunkt und nicht einmal in der Startformation. Trotzdem ist sie für Bundestrainer Olaf Lange kaum zu ersetzen. Und das nicht nur, weil sie das Team als Kapitänin anführt. Auch auf dem Feld geht sie voran 19 Punkte und fünf Rebounds steuerte Gülich zum Sieg bei. Bereits zur Halbzeit hatte die Centerin 14 Punkte gesammelt. Im Turnier kommt sie von der Bank inzwischen auf durchschnittlich 11,8 Punkte und 4,3 Rebounds.

Lange Leidenszeit liegt hinter ihr

Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass Gülich überhaupt wieder Basketball spielen kann. Wegen eines Kreuzbandrisses, den sie sich im Mai 2025 zuzog, hatte die Kapitänin rund ein Jahr pausieren müssen. Erst kurz vor der WM meldete sie sich zurück. Es war ein zäher Weg. In den Vorbereitungsspielen tat sie sich noch schwer. Knapp fünf Punkte im Schnitt steuerte sie da „nur“ bei. Umso bemerkenswerter ist, wie schnell sie auf diesem Niveau wieder eine wichtige Rolle eingenommen hat. Sobald Gülich den Platz betritt, ist sie sofort im Modus: Gibt Anweisungen und behauptet mit ihren 1,94 Metern die Zone unter dem Korb.

Auch Lange gerät ins Schwärmen: „Enorm wichtig von der Bank. Sie ist sofort präsent, scored sehr konstant. Im Endspiel, in der Zone. Davon kann man nur träumen als Trainer. Und ich bin ja so begeistert, nicht nur, weil ich weiß, wie gut Marie ist. Aber nach zwölf Monaten Verletzung …, sie hat ja keine Spielpraxis gehabt vor der WM. So effizient von der Bank im Bereich zu spielen, das ist schon schon eine herausragende Leistung.“

Gülich selbst scheint ihre lange Verletzungspause inzwischen zumindest während der Spiele ausblenden zu können. „Es war ein langer Weg und ich bin auch ein bisschen überrascht manchmal von mir selber, dass ich so gar nicht über mein Knie nachdenke.“ Was stattdessen überwiegt, ist die Freude darüber, überhaupt wieder auf dem Feld zu stehen: „Aber irgendwie habe ich einfach Bock, Basketball zu spielen. Ich hab so Bock, mit diesem Team auf diesem Feld zu stehen und man muss denen einfach die Credits geben. Ich meine, heute hab ich einfach nur Layups gemacht, die hab ich einfach nur gefunden.“

„Ohne sie geht es nicht“

Gülich versucht alles, um den maximalen Erfolg mit dieser Mannschaft zu erreichen. Mit 32 Jahren ist sie nicht nur die älteste Spielerin im deutschen Kader. Sie spielte am College, in der WNBA und in mehreren europäischen Top-Ligen. Diese Erfahrung gibt sie inzwischen bewusst an ihre jungen Mitspielerinnen weiter.

Wie wichtig das sein kann, hatte Frieda Bühner bereits nach dem Sieg gegen Japan erzählt. Nach ihrem schwierigen WM-Auftakt gegen Spanien hatte Gülich ihr Mut zugesprochen. Bühner fand anschließend immer besser ins Turnier uns ist nach vier Spielen die Top-Scorerin der deutschen Frauen. Gülich kennt den Druck aus eigener Erfahrung: „Ich weiß, wie es ist, in dieser Rolle zu stehen. Ich weiß, wie viel Druck man empfinden kann. Ich habe einfach mehr Erfahrung und vielleicht auch eine andere Perspektive. Und ich teile die gerne.“

Genau diese Fähigkeit hebt auch Lange hervor. „Sie ist unsere Kapitänin. Sie findet einen guten Ton mit jeder Spielerin, weiß, wie man mit wem reden muss. Es ist ja nicht immer der gleiche Ton angebracht. Und Marie ist unglaublich wichtig für uns. In vielerlei Hinsicht, auf dem Feld, weg vom Feld. Ohne sie geht es nicht.“

Bei erfolgreichen Aktionen ihrer Mitspielerinnen springt sie immer wieder auf, jubelt und feuert an. Sie lebt jede Aktion ihrer Mannschaft mit. Diese positive Energie beschreibt auch Positions-Kollegin Luisa Geiselsöder: „Also Marie ist so eine lebenslustige, frohe Natur. Die macht jeden Blödsinn mit. Die ist einfach. Die hat einfach Spaß, hier zu sein. Und diesen Spaß bringt sie echt gut rüber. Auch an das Team. Also das ist sehr, sehr wichtig für uns.“

Arena dieses Mal nicht gut besucht

Gülichs persönliche Geschichte war dabei nur ein Teil eines historischen Abends. Mit dem dominanten Sieg gegen Südkorea steht erstmals eine deutsche Frauen-Nationalmannschaft seit der Wiedervereinigung im Viertelfinale einer WM. Der Erfolg geriet nie ernsthaft in Gefahr. Deutschland kontrollierte vor 6227 Zuschauern in Berlin vor allem die Zone unter den Körben und legte erneut mit einer starken Defensive die Grundlage für den Sieg. Die große Arena war damit, anders als bei den letzten deutschen Spielen, nur etwa zur Hälfte gefüllt. Erst am Vorabend stand endgültig fest, dass Deutschland gegen Südkorea spielt. Zu kurzfristig, um die Halle voll zu bekommen.

Auf dem Feld setzte sich dagegen eine Entwicklung der vergangenen Tage fort. „In allen drei Spielen jetzt Japan, Mali und heute war die Verteidigung herausragend und hat eigentlich die Grundlage gelegt, für uns offensiv auch gut zu spielen“, sagte Lange. Um das ganze zu verarbeiten, bleibt ein Tag Pause. Und den kann die Mannschaft dringend gebrauchen. „Wir brauchen jetzt ein bisschen Pause. Wir haben gerade vier Spiele in fünf Tagen durchgeführt. Wir sind platt. Auch emotional, psychologisch, mental. Wir müssen jetzt ein bisschen Morgen erstmal recovern und uns darauf vorbereiten auf Belgien.“

Europameister wartet im Viertelfinale

Einen Tag später steigt die Schwierigkeit noch einmal deutlich. Am Donnerstag (17.45 Uhr/MagentaSport) wartet mit Belgien niemand geringeres als der amtierende Europameister Die Belgierinnen sind bei dieser WM noch ungeschlagen und hatten vor dem Viertelfinale zudem einen Tag mehr Pause. Die jüngste Bilanz spricht ebenfalls für Belgien. Die vergangenen drei Duelle gingen jeweils deutlich an das Nachbarland, zuletzt im EM-Viertelfinale 2025. Dass Deutschland den Favoriten schlagen kann, hat die Mannschaft allerdings ebenfalls schon bewiesen: Bei den Olympischen Spielen 2024 gelang ein überraschender Sieg.

Lange verteilt die Rollen deshalb klar. „Die sind Europameister. Aber um ehrlich zu sein, im Viertelfinale bei der WM gibt es keinen einfachen Gegner. Insofern freue ich mich auf Belgien. Sie sind sehr erfahren, sicherlich der Favorit. Aber wir spielen sehr, sehr gut und ich denke, wir haben eine Chance.“ Auch Gülich blickt lieber nach vorne als zurück. „Also für mich ist es einfach immer weiter. Ich will gar nicht darüber nachdenken, was das jetzt bedeutet. Wir sind einfach noch nicht fertig.“ Eine Marie Gülich, die von der Bank so verlässlich liefert wie bisher, könnte dabei einen wichtigen Teil zu beitragen.

Verwendete Quelle: ntv.de

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