„Auf Dauer nicht normal“IW-Studie: Ohne die massiven Staatsausgaben wäre BIP geschrumpft
In den letzten sechs Jahren wächst Deutschlands Wirtschaft im Schnitt jährlich nur um 0,2 Prozent. Doch dieses Plus geht rechnerisch allein auf staatliche Ausgaben zurück. Vor allem im Bausektor und bei der Modernisierung von Maschinen halten sich Unternehmen zurück.
In den Jahren 2020 bis 2025 ist die deutsche Wirtschaft kaum gewachsen – nur um winzige 0,2 Prozent pro Jahr. Unternehmen und private Haushalte haben rechnerisch in den letzten sechs Jahren nichts zu diesem Wachstum beigetragen. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, aus welcher die „Süddeutsche Zeitung“ vorab zitierte. Deutschlands kleines BIP-Plus liegt demnach allein daran, dass der Staat sehr viel Geld ausgegeben hat – zum Beispiel für die Bundeswehr, den Klimaschutz und die Infrastruktur. Ohne diese staatlichen Milliarden wäre Deutschlands Wirtschaft sogar geschrumpft.
Schuld an der überaus schwachen Entwicklung der Privatwirtschaft sind die niedrigen Unternehmensinvestitionen, deren negativer Effekt auch durch den Konsum der privaten Haushalte nicht vollkommen ausgeglichen werden konnte. Vor allem die Ausgaben für Wohn- und Gewerbebauten sowie für Maschinen und Fahrzeuge gingen stark zurück. Gründe waren Geschäftseinbrüche infolge der Corona-Pandemie, Lieferkettenprobleme, unsichere Finanzierungsbedingungen, Handelskonflikte sowie geopolitische Schocks wie der russische Überfall auf die Ukraine. Einziger Lichtblick waren die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie Software und Datenbanken, die deutlich zunahmen.
Dass die deutsche Wirtschaft unter einer massiven Investitionszurückhaltung der Unternehmen leidet, ist keine neue Erkenntnis. Die Studie des IW-Konjunkturexperten Michael Grömling macht jedoch deutlich, wie tiefgehend das Problem ist: Demnach lagen die öffentlichen Investitionen im zweiten Quartal 2026 preisbereinigt um rund 20 Prozent über dem Jahresdurchschnitt von 2019, die privatwirtschaftlichen hingegen um mehr als zehn Prozent darunter. Dies sei „für ein marktwirtschaftliches Wirtschaftssystem auf Dauer nicht normal“ und nicht nur unter konjunkturellen Gesichtspunkten ein Problem, so der IW-Konjunkturexperte.
Die Daten zeigten zudem, dass Maschinen und Anlagen in Deutschland zuletzt nicht ausreichend modernisiert würden. „Das schwächt die ökonomischen Produktionsmöglichkeiten und den daraus resultierenden Wohlstand über Jahre hinaus“, warnte Grömling. Um den Wohlstand zu sichern, seien neben staatlichen Investitionen und Konsumausgaben – etwa für die Bildung – auch „Konjunktur- und Wachstumsimpulse aus der privatwirtschaftlichen Investitionstätigkeit dringend notwendig.“
