Klara Bühl drückt dem DFB-Spiel gegen Japan ihren Stempel auf. Sie schießt das Siegtor, sie bereitet den Ausgleich vor. Und sorgt für eine Szene, die sie unbedingt auf Video haben will. Es ist ein Spiel, das zeigt, warum sich die 25-Jährige ihren nächsten Arbeitgeber aussuchen kann.
Wer dieses Jahr den Ballon d’Or gewinnt, wird erst Ende des Monats bekannt gegeben. Wer gute Chancen auf den Titel bei den Frauen hat, davon ist Bundestrainer Christian Wück überzeugt, ist Klara Bühl. Auf die Frage, ob die Offensivspielerin des FC Bayern eine Weltklassespielerin ist, sagte er: „Das ist sie schon länger.“ Und warum der Coach das denkt, zeigte Bühl einmal mehr beim 2:1-Testspiel-Sieg gegen Japan in Bremen.
In der 40. Minute hatte Bühl den Ball noch einige Zentimeter rechts am Tor vorbeigezogen, in der 73. Minute belohnte sich die Frau vom FC Bayern dann für ihr einmal mehr brillantes Spiel im Trikot des DFB-Teams. Bühl zirkelte den Ball satt ins Tor – und sorgte damit für den Siegtreffer gegen die Asienmeisterinnen. Zuvor hatte sie bereits den Ausgleich zum 1:1 von Linda Dallmann (28.) vorbereitet.
„Sie ist eine Weltklassespielerin, ich freue mich, wenn sie das bestätigt“, so Wück und führte aus: Bühl ist eine unheimlich wichtige Spielerin – mit und gegen den Ball, sie ist „schnell, zweikampfstark, hat einen unheimlichen Willen gegen den Ball“ und: „Ich kenne keinen männlichen Fußballspieler, der so beidfüßig ist wie sie.“ Auch Sjoeke Nüsken schwärmte, Bühl beweise Woche für Woche in der Bundesliga, dass sie Weltklasse ist. „Sie ist eine unheimlich wichtige Spielerin für uns.“
Deutschland – Japan 2:1 (1:1)
Tore: 0:1 Tanikawa (15.), 1:1 Dallmann (28.), 2:1 Bühl (73.)
Deutschland: Mahmutovic/Bayern München (22 Jahre/4 Länderspiele) – Müller/Portland Thorns FC (26/3) ab 64. Wamser/Manchester City (22/16), Kleinherne/VfL Wolfsburg (26/39), Küver/VfL Wolfsburg (23/7) ab 46. Minge/VfL Wolfsburg (27/35), Kett/Bayern München (21/15) ab 87. Linder/VfL Wolfsburg (26/36) – Senß/Real Madrid (29/38), Nüsken/FC Chelsea (25/61), Brand/OL Lyonnes (23/77) ab 64. Zicai/VfL Wolfsburg (21/8), Dallmann/FC Bayern München (32/79) ab 90.+2 Martinez/West Ham United (25/6), Bühl/Bayern München (25/80) – Anyomi/London City Lionesses (26/36) ab 46. Kössler/Denver Summit FC (26/6). – Trainer: Wück
Japan: Yamashita – Yamamoto, Koga, Takahashi, Kitagawa – Nagano (ab 59. Chiba), Hasegawa – Fujino, Hayashi, Seike (ab 68. Hamano) – Tanikawa (ab 59. Miyazawa) – Trainer: Kano
Schiedsrichterin: Karoline Marie Jensen (Norwegen)
Gelbe Karten: Senß, Kleinherne – Hayashi
Zuschauer: 26.574 (in Bremen)
Und das seit Jahren. Im Februar 2019 hatte sie im A-Team debütiert, ist seitdem immer weiter gereift vom Shooting- zum Superstar. Sie ist nicht mehr wegzudenken aus der DFB-Elf. Dabei ist sie immer noch erst 25 Jahre alt.
FC Bayern wird sie verabschieden müssen
Seit sechs Jahren ist Bühl auch ein fester Anker beim FC Bayern – doch diese Zeit wird wohl im Sommer enden. Sie ist dann ablösefrei. Und niemand Geringeres als der FC Barcelona – der amtierende Champions-League-Sieger – baggert an ihr.
Schon im Mai, als es noch Gerüchte gab, dass der FC Bayern zumindest noch ordentlich Kohle für sie einsacken möchte und sie deswegen sofort wechseln wird, schwärmte die amtierende Weltfußballerin Aitana Bonmati von Bühl. Im „Sport“-Interview war sie gefragt worden, mit wem sie zusammenspielen wolle: Mit Blick auf die vergangenen Jahre, und weil sie glaube, dass sie dem Team einen „zusätzlichen Mehrwert“ bringen könnte, nannte Bonmatí also Bühl.
Bühl blieb bekanntlich vorerst in München – auch weil die Katalaninnen Berichten zufolge nicht die finanziellen Mittel aufbringen konnten. Der Verein muss sparen, musste Starspielerinnen wie Mapi Leon, die ebenfalls auf der Shortlist für den Ballon d’Or steht, abgeben – weil die Männer jahrelang weit über ihrem Limit gewirtschaftet haben.
Bühl wird sich aussuchen können, wohin es sie zieht. Ob eben nach Barcelona oder zu einem anderen Topklub, vorrangig in der englischen Women’s Super League. Etwa zu Leons aufstrebenden London City Lionesses, wo sie mit Ex-Weltfußballerin Alexia Putellas zusammenspielen könnte, oder zu den Meisterinnen von Manchester City, wo mit Rebecca Knaak und Bühls langjähriger Bayern-Freundin Sydney Lohmann zwei Bekannte unter Vertrag stehen. Mit dem FC Bayern hat sie alle nationalen Titel mehrfach gewonnen, von dem Champions-League-Sieg träumt sie bislang vergeblich. Auch diese Chance dürfte sich durch einen Wechsel erhöhen. Ihr Berater Jörg Neblung sagte dem BR: „Klara entscheidet, wann sie möchte, wir sagen ihr lediglich, welche Optionen sie hat.“
„Unheimliche Frohnatur“
Ihr Marktwert spiegelt wider, wie stark Bühls Leistungen seit Jahren sind: 1,65 Millionen Euro ist sie laut soccerdonna wert. Sie ist hinter Barcelonas Claudia Pina und Alessia Russo vom FC Arsenal die drittteuerste Spielerin der Welt. Für den Bundestrainer ist Bühl „ein unheimlich wichtiger Faktor für unser Spiel“. Aber nicht nur das, die 25-Jährige ist eine „unheimliche Frohnatur“, sie sei wichtig auch für die Chemie im Team.
Dass Bühl durchaus den Schalk im Nacken sitzen hat, zeigte sich nach dem Spiel. Tor und Torvorlage sind schön und gut, ihr knapp gescheitertes Traumtor nach dem Spielzug aus der eigenen Hälfte heraus in der 40., bei dem sie bis in den Strafraum dribbelte und einen Lauf zur Grundlinie andeutete, dann aber doch nach innen zog und nur knapp am langen Eck vorbeizuschlenzen – geschenkt. Sie hoffte, ihre Szene aus der 57. Minute in den sozialen Medien zu finden, um sie zu reposten: Da hatte Bühl den Ball kurz vor der Grundlinie noch erlaufen, und statt von der japanischen Gegenspielerin geblockt zu werden, schob sie dieser den Ball durch die Beine. „Ich glaube, daran merkt man, dass wir viel Spaß hatten.“
Bei ihrer eigenen Bewertung gab sie sich trotz zahlreicher sehenswerter Szenen, in denen sie den Ball eroberte, festmachte, vorantrieb, verteilte oder per Ecke hereinbrachte aber bescheiden. Eine 10 von 10, also das perfekte Spiel, gebe es im Fußball eh nicht. Eine 7 von 10 würde sie sich geben, so Bühl. Das gesamte Team bekam von ihr eine 6,5 in einem echten Härtetest.
Die Japanerinnen hatten die Deutschen vor allem zu Beginn gefordert und waren durch Momoko Tanikawa – Bühls Teamkollegin beim FC Bayern – schon in der 14. Minute in Führung gegangen. Doch dann kamen Wücks Spielerinnen „immer besser“ ins Spiel: „Stolz können wir heute alle sein. Was die Mädels auf dem Platz gelassen haben, war außergewöhnlich“, so Wück.
Außergewöhnlich, dieses Urteil gilt einmal mehr insbesondere für Bühl. Womöglich auch am 26. Oktober, wenn in London der Ballon d’Or verliehen wird.
Verwendete Quelle: ntv.de
