Mit gefälschten Promi-Videos, professionell wirkenden Handelsplattformen und hartnäckigen Telefonanrufen bringen Kriminelle Anleger um ihr Geld. Die Polizei Köln warnt nach einem aktuellen Fall in Leverkusen vor der Masche „Cybertrade Fraud“ – und erklärt, woran sich die Täuschung erkennen lässt.
Aktueller Fall: Mutmaßlicher Geldabholer festgenommen
Am 9. Oktober 2026 nahmen Zivilpolizisten in Leverkusen einen 55-jährigen mutmaßlichen Geldabholer fest. Nach Angaben der Polizei Köln wollte er bei einem Senior einen vierstelligen Betrag abholen. Angehörige hatten rechtzeitig Verdacht geschöpft und die Polizei eingeschaltet. Gegen den Mann wurde Haftbefehl erlassen; die Ermittlungen zu den Hinterleuten dauern an.
Der Einzelfall steht nach Darstellung der Behörde für ein deutlich größeres Problem. Allein 2025 bearbeitete die Polizei Köln mehr als 1.300 Verfahren aus diesem Phänomenbereich. Die aktuelle Warnung wurde am 12. Oktober 2026 veröffentlicht.
So beginnt die Cybertrade-Fraud-Masche
Häufig stoßen Betroffene in sozialen Netzwerken oder auf Nachrichtenseiten auf Anzeigen, in denen bekannte Personen angeblich in einer Talkshow eine besonders rentable Geldanlage empfehlen. Solche Videos können mit künstlicher Intelligenz erstellt oder verändert sein. Die gezeigte Sendung und die Aussagen haben dann nie stattgefunden.
Wer auf den Link klickt und Kontaktdaten hinterlässt, erhält oft innerhalb kurzer Zeit einen Anruf. Zunächst geht es um einen überschaubaren Einstieg, häufig ab etwa 250 Euro. Danach zeigen die Täter auf einer manipulierten Plattform vermeintliche Gewinne und drängen zu weiteren Zahlungen. In einzelnen Fällen fließen kleine Beträge zurück, um Vertrauen aufzubauen. Die Polizei weist darauf hin, dass solche Rückzahlungen auch aus dem Geld anderer Geschädigter stammen können.
Warum das falsche Depot glaubwürdig wirkt
Das angezeigte Guthaben ist kein Beleg dafür, dass tatsächlich Wertpapiere, Devisen oder Kryptowährungen gekauft wurden. Die Verbraucherzentralen beschreiben, dass Gewinne und Verluste auf unseriösen Plattformen häufig nur simuliert werden. Spätestens bei einer größeren Auszahlung verlangen die angeblichen Berater weitere Gebühren, Steuern oder Versicherungszahlungen. Das versprochene Geld bleibt dennoch aus.
Fünf Warnsignale, bei denen Sie abbrechen sollten
- Ungewöhnlich hohe oder sichere Rendite: Seriöse Geldanlagen kommen nicht ohne Risiko aus.
- Zeitdruck am Telefon: Ein sofortiger Abschluss oder eine schnelle Überweisung ist kein Qualitätsmerkmal.
- Fernzugriff auf Computer oder Smartphone: Installieren Sie keine Software wie AnyDesk auf Zuruf eines unbekannten Beraters.
- Unklare Zulassung: Prüfen Sie, ob der Anbieter in der Unternehmensdatenbank der BaFin geführt wird.
- Neue Gebühren vor der Auszahlung: Forderungen nach Steuern, Freischaltkosten oder Versicherungen sind ein typisches Alarmsignal.
Was Betroffene jetzt tun können
Leisten Sie keine weitere Zahlung – auch dann nicht, wenn eine Rückzahlung in Aussicht gestellt wird. Beenden Sie den Fernzugriff, ändern Sie betroffene Passwörter von einem sicheren Gerät aus und informieren Sie unverzüglich Ihre Bank oder den Zahlungsdienstleister. Sichern Sie Anzeigen, Chatverläufe, Telefonnummern, E-Mails, IBANs und Bildschirmfotos.
Erstatten Sie anschließend Anzeige bei der Polizei und melden Sie den Anbieter der BaFin. Wer persönliche Dokumente oder Zugangsdaten übermittelt hat, sollte zusätzlich prüfen, ob Konten oder Verträge missbräuchlich eröffnet wurden. Eine Erfolgsgarantie für die Rückholung bereits gezahlter Beträge gibt es nicht; schnelles Handeln verbessert aber die Chance, Zahlungswege zu stoppen und weitere Schäden zu verhindern.
Quellen und Stand
- Polizei Köln: Warnung vor Cybertrade Fraud, veröffentlicht am 12. Oktober 2026
- Verbraucherzentrale: Unseriöse Online-Tradingplattformen erkennen, Stand 30. September 2025
