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Startseite»Nachrichten»„Das macht man nicht!“: Ein Schalker Junge auf der verzweifelten Suche nach der Wahrheit
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„Das macht man nicht!“: Ein Schalker Junge auf der verzweifelten Suche nach der Wahrheit

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerOktober 17, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Ralf Fährmann feiern die Fans als „absoluten Schalker Jungen“. Selbst als es um seinen Abschied herum zu ersten Irritationen kommt, halten sie zu „Ralle“. Doch dann erscheinen die ersten Ausschnitte aus seinem neuen Buch.

„Ich stehe zu allem, was hier geschrieben steht. Und beharre dennoch nicht darauf, dass es die einzige Wahrheit ist. Der FC Schalke 04 ist zu groß für nur eine Wahrheit.“ Das sind die letzten Sätze des Vorworts des neuen Buchs „Schalke und ich – eine Liebesgeschichte“ des ehemaligen Bundesligatorwarts Ralf Fährmann. Es scheint fast so, dass der gebürtige Chemnitzer (ehemals Karl-Marx-Stadt) geahnt haben mag, was da auf ihn nach der Veröffentlichung seiner Biografie zukommen könnte. Wohl auch deshalb haben Fährmann und sein Berater Stefan Backs, der das Buch geschrieben hat (!), bei dem Zitat, der dem Vorwort vorangestellt ist, ins oberste Regal gegriffen und den bekannten Philosophen Friedrich Nietzsche sprechen lassen: „Es gibt keine Fakten, nur Interpretationen.“

Ob Ralf Fährmann und Stefan Backs allerdings tatsächlich genau diese Reaktionen auf das Buch erahnt (und möglicherweise sogar gewollt) haben, darf wenigstens bezweifelt werden. Schließlich lassen die ersten Worte des Werks eher vermuten, dass die beiden ganz offensichtlich genau diese negativen Reaktionen bereits befürchtet hatten und bewusst versuchen wollten, diese, mit den Mitteln einer gewissen prophylaktischen Wortakrobatik, in eine andere Richtung zu lenken. Doch das ist – nach einem Vorabdruck in der „Bild“-Zeitung – tatsächlich erst einmal komplett schiefgegangen.

Die Stimmung rund um die Person Ralf Fährmann ist gekippt. Und das nicht nur unter den Anhängern der Königsblauen. Dort aber in einer großen Anzahl. Und das ist eine echte Tragödie. Denn als Fährmann Schalke nach Auslaufen seines Vertrags unter schwierigen Bedingungen verließ, waren sich die Fans noch sicher und einig über ihren „Ralle“ gewesen, wie die zahlreichen positiven Reaktionen auf sein Abschiedsvideo vor rund einem Jahr zeigten: „Absoluter Schalker Junge. War er immer und wird er immer bleiben.“ Das ist – Stand jetzt – bei einem großen Teil erst einmal Vergangenheit.

„Unsägliches Nachkarten“

Ein Redakteur der Funke-Gruppe hat in seinem Text unter der Überschrift „Das war’s, Ralf Fährmann! Jetzt hast du dir deinen Ruf endgültig kaputt gemacht“ die Stimmungslage bei vielen königsblauen Anhängern ganz treffend mit diesen Sätzen zusammengefasst: „Er hatte die Chance, zur Vereinslegende zu werden. Diese Chance hatte er sich über Jahre erarbeitet. Doch mit seinem unsäglichen Nachkarten ist der Kuchen jetzt gegessen. Fährmann und Legende dürfen in keinem Satz mehr vorkommen. Denn Schalke ist mehr als ein Arbeitgeber. Das hat Fährmann selbst oft betont. Wer den S04 wirklich im Herzen trägt, sollte auch wissen, wann Schweigen besser wäre und Dinge ruhen sollten.“

Und auch sein früherer Rivale auf dem Platz, der Ex-BVB-Spieler Kevin Großkreutz stimmte in den Chor derer ein, die Fährmanns schonungslose Berichte aus dem Inneren des Klubs kritisierte: „Was Trainer oder Mitspieler erzählen, dat plappert man nicht in die Öffentlichkeit weiter (außer es wurde vorher abgestimmt). Hat was mit Ehre zu tun.“ Und fügte dann noch an: „Das macht man nicht. Was in der Kabine passiert, bleibt auch in der Kabine.“

Fährmann reagierte auf die Worte von Kevin Großkreutz, die er unter anderem im gemeinsamen Podcast „Viertelstunde Fußball“ mit Corni Küpper geäußert hatte, so: „Jungs, das Buch ist alles andere als eine Abrechnung, eher genau das Gegenteil. Lest es selbst und sagt mir ehrlich, was ihr davon haltet. Hinter den Schlagzeilen steckt eine ganze Geschichte.“ Und das ist, wenn man das Buch als Ganzes sieht, tatsächlich wahr – verändert die Sache im Kern allerdings kaum. Auch wenn die knapp 200 Seiten keine „Abrechnung“ sein mögen, sie sind auf eine erfrischende Art und Weise offen und ehrlich. Das liest man so selten in der heutigen Zeit. Ein Umstand, der völlig zurecht häufig beklagt und bedauert wird. In diesem Sinne ist das Buch deshalb nicht nur anders, sondern auch besonders.

Angestauter Zorn und Ärger stecken im Buch

Doch eine Sache können weder der Autor Backs noch der Hauptprotagonist Fährmann leugnen: Ein wenig von dem angestauten Zorn und Ärger über die letzten Jahre auf Schalke steckt natürlich auch in diesem Buch. Es wäre auch verwunderlich, wenn nicht. Backs sagt dazu indirekt in seinem Nachwort: „Ich war seit Jahren Ralfs Manager, und mein Wirken in dieser Funktion hat mir auf Schalke nicht nur Freunde eingebracht. Im Gegenteil: Ich wurde von Schalker Funktionären und den lokalen Medien hart rangenommen. Aber ich bin ein Gerechtigkeitsfanatiker, und wenn einer meiner Klienten aus meiner Sicht unfair behandelt wird, werde ich zum Stier.“

Eigentlich wollte Ralf Fährmann „seine Karriere nach der Karriere ankurbeln“ und entschied sich deshalb, gemeinsam mit seinem Berater dieses Buch zu schreiben. Welche Funktion – außer natürlich die größtmögliche Publicity zu erzeugen – dabei das Werk genau erfüllen soll(te), ist vermutlich noch nicht einmal den beiden selbst ganz klar gewesen. Doch eine andere Sache muss ihnen bewusst gewesen sein: Niemand ist größer als der Verein. Auch ein Ralf Fährmann nicht! Schließlich heißt es im Buch völlig richtig: „Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Schalke für die Menschen eine Religion ist. Der Verein ist der Ausweg, die Flucht aus dem Alltag, die große Familie in Zeiten der Entwurzelung, der Anker in schwerer See. Die Menschen gehen mit dem Verein durch dick und dünn. Mit allem, was sie haben.“ Und die eine „Wahrheit“ wird dabei immer die sein, die am besten für den Verein ist.

Auf Schalke wird es wohl noch eine (längere) Zeit dauern, bis man Ralf Fährmann wieder in den Kreis der ihren aufnimmt. Seine „Liebesgeschichte“ mit seinem Verein hat gerade erst einmal verbrannte Herzen hinterlassen. Fährmanns schonungslose Offenheit, seine authentischen Worte („Ich habe bis in die Endphase meiner Zwanziger Borussia Dortmund abgrundtief gehasst. Jemand, den der Fußball kaltlässt, wird so etwas nie verstehen können. Aber wer wie ich Schalke lebt, diesen irren Klub abgöttisch liebt, weiß genau, was ich meine“) und seine wunderbar ehrlichen und tiefen Einblicke in das Innere des Fußballs werden aber in jedem Fall noch lange nachhallen. Und: Wer das Buch liest, wird am Ende sogar verstehen, warum auch ein Nietzsche-Zitat am Anfang manchmal tatsächlich Sinn ergeben kann.

Verwendete Quelle: ntv.de

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