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Für 100 Euro, Gohlis, Leipzig: Hörbuch: In der Schnäppchen-Villa ist der Horror zu Hause

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerOktober 17, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Für 100 Euro, Gohlis, LeipzigHörbuch: In der Schnäppchen-Villa ist der Horror zu Hause

17.10.2026, 12:09 Uhr Von Thomas Badtke
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In der Villa geschehen seltsame Dinge. (Foto: IMAGO/Hanno Bode)

Doreens Traum ist ein Künstlercafé in einer Leipziger Villa. Ein Haus aus den 1880er Jahren hat es der Discounter-Filialleiterin besonders angetan. Verkehrswert: 750.000 Euro. Doreen bekommt die Villa bei der Zwangsversteigerung für 100 Euro. 100 Euro? Es gibt da nur einen Haken.

Deutschland, Leipzig, Gohlis, Poetenweg 13a: Auf einem 600 Quadratmeter großen Grundstück steht eine Villa aus den 1880er Jahren. Heruntergekommen. Renovierungsbedürftig. Verkehrswert 750.000 Euro. Aber Doreen hat Glück: Die Filialleiterin eines Discounters und Mutter einer Teenie-Tochter gehört zu nur noch drei Bietern, die am Ende der Zwangsversteigerung übrig geblieben sind. Neben der Mittdreißigerin sind nur noch ein Bodybuilder mit rotem Iro und dicker Akte auf dem Schoß sowie der Anwalt einer großen Immobilienfirma mit von der Partie. Doreen macht sich keinerlei Hoffnungen. Der Immo-Anwalt im maßgeschneiderten Anzug hat bislang wirklich jedes zur Versteigerung stehende Objekt an Land gezogen.

Doch dann die Überraschung: Zum einen fehlt die hinterlegte Sicherheit der Immobilienfirma, sodass der Anwalt nicht mitbieten darf. Zum anderen ist der muskelbepackte und tätowierte Sonderling ebenfalls raus: Er pocht darauf, dass eine der drei Wohnungen der Villa, die größte natürlich, ihm gehört. Als die Sache zu eskalieren droht, erhält Doreen für das Anfangsgebot von 100 Euro den Zuschlag – und kann ihr Glück nicht fassen. Der Anwalt der Immobilienfirma macht ihr sofort eine unmoralische Offerte über 750.000 Euro, den Verkehrswert, und lässt seine Karte da.

Doreen weiß, dass sie nun zwar eine Villenbesitzerin ist, aber das Gebäude wieder auf Vordermann zu bringen, eine Herkulesaufgabe darstellt, die Kapital erfordert. Sie versucht es erst einmal selbst – nur mit ihrer Energie und dem handwerklichen Geschick ihrer Tochter Marina. Das Mädchen, das an seiner Internet-Musikkarriere bastelt, hat darauf aber keinen Bock. Marinas Meinung ändert sich jedoch, als sie sich die Villa von innen anschaut, auf der Suche nach ihrem perfekten Zimmer. Irgendwie scheint es so, als ob die Villa ihr den Traum eines eigenen Musikstudios offenbart hat. Von da an ist Marina mit Feuereifer bei der Renovierung dabei.

Ein Schnapper mit Nebenwirkungen

Doreen will ein Künstlercafé in die Villa integrieren. Das ist ihr Traum. Und statt teurer Handwerker hilft ihr Nachbar, Holger, alleinerziehender Vater zweier Kinder in Marinas Alter, mit seinen Fertigkeiten. Doreens Glückssträhne scheint anzudauern. Marina kann sich auch nicht beschweren: Ein erster Hit entsteht in der Villa, über die Villa. Ein Musikproduzent will sie unter Vertrag nehmen: Ruhm und Reichtum winken. Das Leben scheint es irgendwie gut mit Doreen und Marina zu meinen.

Aber das gilt nicht für die anderen Bewohner des Poetenwegs. Ein Nachbar kommt ums Leben, weitere werden verletzt, bei Hausbränden etwa oder Unfällen in ihren Häusern. Im örtlichen Kindergarten läuft erst ein Betreuer Amok und attackiert eine Kollegin, ehe beide von den Kindern der Einrichtung mit Bastelscheren und abgebrochenen Linealen sowie Stiften angegriffen werden. Es gibt Tote, Verletzte, Traumatisierte. Den Grund für all das Unglück kennt keiner. Alle rätseln. Ein junger Engländer namens Ethan ist da schon eine Stufe weiter: Er will den geheimnisvollen Tod seiner Mutter und Tante aufklären, die sich bei einer kleinen Tea-Party wohl gegenseitig umgebracht haben. Zumindest finden sich keinerlei Einbruchspuren.

Ethan findet heraus, dass seine Familie Ende des 19. Jahrhunderts Teil einer geheimen Vereinigung waren, der „Loge des magischen Verstandes“. Die hatte sich der Zauberei, der Magie verschrieben. Ein Ritual lief allerdings aus dem Ruder, es kam zu einer stundenlangen Massenvergewaltigung. Das Opfer verfluchte alle Beteiligten. Ethan glaubt an diesen Hokuspokus mittlerweile, er wäre bei seiner Suche nach der Wahrheit fast von einem gehörnten, monsterhaften Wesen getötet worden, das nur einen Augenblick zuvor noch eine reiche Frau im hessischen Kronberg gewesen war.

Ethan taucht ein in die Machenschaften der „Loge des magischen Verstandes“. Ziel der Mitglieder war es, einen Dämon, einen Engel, irgendetwas Magisches heraufzubeschwören. Haben sie es tatsächlich geschafft? Und wenn ja, wo? Er stößt auf die Villa im Poetenweg 13a, in Gohlis, Leipzig, Deutschland. Dort ist der Horror zu Hause!

Albtraum-Villa bietet traumhaften Horrorstoff

Ein Bewohner der Villa könnte auch Markus Heitz sein. Jedes Buch des Autors wird ein Bestseller, egal ob Fantasy, Kinderbuch – oder wie jetzt eben: Horror. Obwohl es sich dabei nicht um Glück handeln dürfte, sondern um das pure Können. „Die Villa“ ist der jüngste Beweis dafür. Ab der ersten Seite des bei Droemer Knaur erschienenen Buches oder der ersten Minute des von Argon herausgebrachten Hörbuches, gelesen von Tausendsassa Sascha Rotermund, ist man dabei, will wissen, wie es weitergeht. Man wird Teil der Story, fiebert mit Doreen bei der Versteigerung mit, hilft bei der Renovierung, will in den Keller der Villa, auf den Dachboden. Stöbern. Entdecken. Träumen.

Aber man will auch Überleben. Das heißt: Stelle dich nie gegen die Villa, nie gegen ihre Bewohner. Eine Frau, die Feuer legen will, stirbt im uralten riesigen Ofen des Hauses. Ein Dieb, der nach Wertvollem sucht, wird im Schornstein zerquetscht, verbrannt und es bleibt nur ein Häufchen Asche übrig. Andere „Unliebsame“ werden von Backsteinen erschlagen, von Fliesen zerschnitten – und letzten Endes von der Villa absorbiert.

„Die Villa“ ist Horror, Spuk mit Humor (es gibt etwa einen russisch-orthodoxen Exorzisten). „Die Villa“ macht Spaß – und Lust auf mehr. Bleibt die Frage nach dem Ende … ein Besuch in der Villa, Poetenweg 13a, Gohlis, Leipzig, Deutschland liefert die Antwort!

Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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