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Politik

Forscher: Meeresboden bremst Eisschmelze in Antarktis

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerOktober 17, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 17.10.2026 • 10:15 Uhr

Das Team des deutschen Forschungsschiffes „Polarstern“ hat vor der Ostantarktis entdeckt: Der Meeresboden hilft dabei, das Schmelzen des Eises dort zu bremsen.

Von Andreas Kegel, ARD Wissenschaftsredaktion

Die Antarktis ist der Eisschrank der Erde: Etwa 90 Prozent des Eises weltweit sind am Südpol gespeichert. Vom 19. Bis 30. Oktober trifft sich die „Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis“ im australischen Hobart. Ihr Ziel ist der Schutz des marinen Lebens rund um den Kontinent am Südpol. Denn auch dort schmilzt das Eis aufgrund der Erderwärmung. Sie ist die größte Bedrohung von Walen, Pinguinen bis hin zu Kleinstlebewesen (Krill) und verändert stark ihren Lebensraum.

150 Milliarden Tonnen verliere der Eiskontinent im Jahresdurchschnitt, so der Kieler Meeresgeophysiker Sebastian Krastel. Langfristig vernichtet das die Lebensgrundlagen der Tierwelt und erhöht zugleich den Meeresspiegel. Sollte sich dieses Abschmelzen verstärken, könnten Milliarden Menschen an den Küsten der Welt ihre Heimat verlieren, ergänzt der Geologe Marcus Gutjahr vom Kieler Geomar Forschungszentrum.

Meeresboden stabilisiert das Polareis

Während der Westen des Eisschildes der Antarktis seit Jahrzehnten abschmilzt, war der Osten lange Zeit stabil. Bislang dachte man, dass das vor allem an der höheren Lage liegt und am arktischen Küstenstrom, der die Ostantarktis von wärmerem Meerwasser abschirmt.

Bei ihrer letzten Antarktisexpedition mit dem Eisbrecher „Polarstern“ haben die Forschenden jedoch eine weitere Ursache entdeckt, die die Resilienz unterstützt: den Meeresboden.

Das Team um Sebastian Krastel hat bei Echolotmessungen vor der Ostküste den Meeresgrund kartiert und einen 260 Meter hohen und 65 Kilometer langen Hügel aus Sand, Schlamm und Gestein entdeckt, der mit dem Eis ins Meer transportiert wurde. Dieser Sedimentkeil hat das Eis stabilisiert. An dieser Stelle wurde deshalb der Rückzug des Eises gebremst. Solche geologischen Formationen gebe es häufig im Südpolarmeer, sagt Krastel. Doch dieser positive Effekt könne das Abschmelzen allenfalls mildern, nicht verhindern.

Ostantarktis schmilzt von unten ab

Die Ostantarktis hat dem Klimawandel lange Zeit getrotzt. Nach wie vor liegen die Durchschnittstemperaturen im Jahr bei konstant minus 55 Grad Celsius. Doch nun hat auch hier das Schmelzen begonnen. Durch die globale Erwärmung haben sich Windrichtungen und Strömungen verändert. Warme Wassermassen gelangen als sogenanntes zirkumpolares Tiefenwasser an die Küste und schmelzen die Gletscher von unten.

Ein Beispiel dafür ist der 130 Kilometer lange Denman-Gletscher, dessen Eiszunge bis ins Meer reicht. „Ab einer Meerestiefe von 300 Meter wird das Wasser plötzlich wärmer und trägt das Eis ab“, so Marcus Gutjahr. Diese Entdeckung beunruhigt die Forschenden: Sie zeigt, dass auch diese lange Zeit resiliente Antarktisregion immer verwundbarer wird.

Abschmelzen verstärkt die Erderwärmung

Allein im Denman-Gletscher steckt genug Eismasse, um den Meeresspiegel weltweit um 1,5 Meter ansteigen zu lassen. Das Eis der Antarktis hat zudem direkten Einfluss auf die globalen Durchschnittstemperaturen: Eis und Schnee reflektieren Sonnenenergie zurück ins All. Das ist der sogenannte Albedo-Effekt.

Meerwasser dagegen ist dunkler und nimmt Wärme auf. Das führt zu einer Kettenreaktion: Wegen der Erderwärmung schmilzt das Eis und wird zu Wasser, der Albedo-Effekt wird kleiner, der Ozean nimmt mehr Wärme auf verstärkt so die Erderwärmung.

Küste Schleswig-Holsteins könnte unbewohnbar werden

Die Erwärmung des Meerwassers bedroht die Stabilität des Eisschilds der Ostantarktis. Ohne eine schnelle und deutliche Reduktion beim Ausstoß der Klimagase wird ein unumkehrbarer Prozess einsetzen: Das Eis am Südpol wird immer schneller abschmelzen und der Meeresspiegel unaufhaltsam ansteigen.

Weltweit wären Milliarden Küstenbewohner davon betroffen. Auch in Mitteleuropa: Schon im Jahr 2100 könnte die Küste Schleswig-Holsteins überflutet sein, weite Teile der Niederlande unbewohnbar, Venedig unter Wasser. Das ist das Worst-Case-Szenario des Weltklimarates für das Jahr 2100, bei einem Meeresspiegelanstieg von ein bis zwei Metern.

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