Der Bund will massiv in Brücken, Netze und Digitalisierung investieren. Doch laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft fehlen schon jetzt die Fachkräfte, um die Projekte umzusetzen.
Der Fachkräftemangel könnte beim Einsatz der 500 Milliarden Euro aus dem staatlichen Sondertopf zur Modernisierung der Infrastruktur zum Problem werden.
Geld allein schaffe keine Kapazitäten zur Umsetzung, heißt es in einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt und die heute veröffentlicht werden soll.
Engpass bei technischen Tätigkeiten besonders hoch
„Ob die Vorhaben gelingen, hängt entscheidend auch davon ab, ob genügend qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stehen, die sie planen, bauen und betreiben.“ Und hier gebe es Fragezeichen, vor allem bei Berufen in den Segmenten Infrastruktur, Energiewende und Digitalisierung.
„Zählt man überlappende Berufe nur einmal, fehlten zwischen Juli 2025 und Juni 2026 im Durchschnitt 148.047 Fachkräfte für die Investitionsagenda. 44 Prozent der Fachkräftelücke über alle Berufe entfallen damit auf diese drei Berufsgruppen.“
Am größten sind die Engpässe den Kölner Forschern zufolge bei technischen Tätigkeiten für die physische Umsetzung von Infrastrukturprojekten. „Hierzu zählen die Bauelektrik, die Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, die elektrische Betriebstechnik sowie die Maschinenbau- und Betriebstechnik.“
Es fehlten überwiegend Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung. „Die Mittel des Sondervermögens dürften einen weiteren Anstieg der Nachfrage nach diesen Berufen auslösen, während das Arbeitsangebot ohne energische Gegenmaßnahmen nur unzureichend wächst.“
Fachkräftemangel bleibt ein massives Problem
Die Bundesregierung hatte zuletzt wie auch führende Ökonominnen und Ökonomen und der Internationale Währungsfonds ihre Prognosen für die deutsche Wirtschaft deutlich angehoben. Dahinter stehen neben guten Exportzahlen vor allem die staatlichen Investitionen in die Infrastruktur und den Verteidigungsbereich. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte dieses Jahr insgesamt um 1,3 Prozent steigen, 2027 dann um 1,1 Prozent. 2028 soll es dann langsamer um nur noch 0,6 Prozent bergauf gehen.
Der Fachkräftemangel, der vor allem auf die demografische Entwicklung zurückgeht und nur teilweise durch Zuwanderung ausgeglichen werden kann, ist laut IW eines der größten strukturellen Probleme in Deutschland. „Unbesetzte Stellen bedeuten kurzfristig zunächst entgangene Wertschöpfung, langfristig aber auch weniger Innovationskraft und Wirtschaftswachstum.“ 2025 blieben über alle Berufe hinweg 54.000 Ausbildungsstellen unbesetzt und knapp 40.000 Bewerber unversorgt.
Investitionsstau auch bei der Privatwirtschaft
„Dass der Staat seinen Investitionsstau auflöst, ist zwar richtig“, sagte IW-Konjunkturchef Michael Grömling. „Für ein nachhaltiges Wachstum können öffentliche Ausgaben private Investitionen jedoch nicht ersetzen.“ Dass die Bundesregierung mit dem an diesem Montag beginnenden Investitionsgipfel solche Gelder nach Deutschland locken wolle, weise deshalb in die richtige Richtung, denn die Investitionslaune der Privatwirtschaft sei laut einer weiteren IW-Studie in den letzten Jahren schlecht gewesen.
Demnach sind der deutschen Wirtschaft durch Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg und Nahost-Konflikt seit Beginn 2020 Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe entgangen. Die Unternehmen investierten rund 470 Milliarden Euro weniger, als nach dem historischen Trend zu erwarten gewesen wäre. Der Staat habe dagegen rund 50 Milliarden Euro mehr investiert.
Zusammengenommen bleiben damit geschätzte Investitionsausfälle von rund 420 Milliarden Euro. Noch immer lagen die privaten Investitionen im zweiten Quartal dieses Jahres mehr als zehn Prozent unter dem Jahresdurchschnitt von 2019. Die öffentlichen Investitionen dagegen liegen 20 Prozent höher als 2019.
