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Startseite»Betrugsmaschen»Schwangere mit Albanien-Flagge: KI-Bild statt Protestfoto
Betrugsmaschen

Schwangere mit Albanien-Flagge: KI-Bild statt Protestfoto

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerOktober 20, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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📖Woran erkennt man KI-generierte Bilder oder Videos? Antworten finden Sie im Leitfaden KI-Bilder & Videos.

Das Bild einer schwangeren Frau mit albanischer Flagge wird im Zusammenhang mit den Protesten in Tirana verbreitet. Unsere Einordnung: Das Motiv ist eine KI-generierte Darstellung. Dafür sprechen die übereinstimmenden Hinweise aus der vorliegenden Hive-Auswertung und der Veröffentlichung bei JOQ Albania. Hive stuft das Bild mit einem Wert von 99,6 Prozent als wahrscheinlich KI-generiert ein; der Facebook-Beitrag trägt bereits den Hinweis „KI-Inhalt“. Die Behauptung, das Motiv zeige eine tatsächlich fotografierte Protestteilnehmerin, bewerten wir als falsch.

Mimikama braucht Verstärkung – hilf uns, eine weitere Person ins Team zu holen
KI-generierte Darstellung einer schwangeren Frau mit albanischer Flagge vor einer rauchigen Straßenszene.
Das KI-generierte Motiv wird mit den Protesten in Tirana verbunden. Es ist kein dokumentarisches Foto einer schwangeren Protestteilnehmerin.

Was die Hive-Auswertung zeigt

Der uns übermittelte Screenshot zeigt links dasselbe Motiv und rechts das Ergebnis des KI-Detektors Hive: „99.6% Likely to be AI-Generated Image“. Auf Deutsch bedeutet das, dass das Modell die Darstellung mit einem Wert von 99,6 Prozent als wahrscheinlich KI-generiert einordnet. Wir haben diesen Screenshot ausgewertet; die Analyse wurde uns zur Verfügung gestellt.

Übermittelter Hive-Screenshot mit dem geprüften Protestmotiv und dem Ergebnis „99.6% Likely to be AI-Generated Image“.
Die vorliegende Hive-Auswertung stuft das Motiv mit einem Modellwert von 99,6 Prozent als wahrscheinlich KI-generiert ein. Der Prozentwert bezeichnet das Detektorergebnis.

Nach Hives eigener Dokumentation gibt der Dienst Modellbewertungen für KI-generierte Bilder und für Deepfakes getrennt aus. Die ebenfalls angezeigten null Prozent bei „Deepfake“ widersprechen dem KI-Befund daher nicht: Diese Kategorie betrifft bei Hive insbesondere den Austausch von Gesichtern. Ein Detektorwert ist keine Garantie für eine fehlerfreie Erkennung. Wir berücksichtigen ihn zusammen mit dem übereinstimmenden KI-Hinweis bei JOQ und dem Vergleich der Bildfassungen.

Warum in Albanien demonstriert wird

In Albanien gibt es tatsächlich Proteste, die auch international dokumentiert sind. Reuters berichtete am 13. Oktober 2026 über Studierende in Tirana, die bessere Bedingungen an den Hochschulen und eine geringere finanzielle Belastung fordern. Zu ihren Anliegen gehören außerdem die Berufsaussichten nach dem Abschluss. Vor dem Bildungsministerium kam es zu Zusammenstößen; die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.

Am 16. Oktober beschrieb Reuters die Ausweitung der Demonstrationen auf weitere Städte und Forderungen nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama. Die Studierenden warfen Verantwortlichen Korruption und die Vernachlässigung der Bildung vor. Die Berichte dokumentieren reale Proteste. Sie liefern jedoch keinen Nachweis für die hier verbreitete Szene mit der schwangeren Flaggenträgerin.

Wie das KI-Bild weiterverbreitet wird

Das einzeln übermittelte Motiv und die Fassung im JOQ-Screenshot zeigen dieselbe Frau in schwarzer Kleidung, mit einem Tuch vor dem Gesicht und einer erhobenen albanischen Flagge. JOQ ergänzt die Botschaft „Für die Zukunft, für die Kinder …“. Der Begleittext beschreibt die Szene sinngemäß als schwangere Frau inmitten von Rauch und Protesten in Tirana und deutet sie als Zeichen des Widerstands und der Hoffnung.

Direkt unter dem Seitennamen steht im Screenshot der KI-Hinweis. Eine pauschale Behauptung, JOQ habe die künstliche Beteiligung in dieser vorliegenden Fassung verschwiegen, wäre daher falsch. Sichtbar sind außerdem 12.619 Reaktionen und 762 Teilungen. Diese angezeigten Interaktionen sind eine Momentaufnahme; daraus lässt sich nicht ablesen, wie viele Menschen das Motiv für ein echtes Foto hielten.

Facebook-Screenshot von JOQ Albania mit dem Protestmotiv, der Bildzeile „Für die Zukunft, für die Kinder …“ und dem sichtbaren Hinweis „KI-Inhalt“.
Bei JOQ Albania ist das Motiv bereits als KI-Inhalt gekennzeichnet. Der Hinweis steht unter dem Seitennamen.

Wir fanden das Motiv auch in Veröffentlichungen vom 19. Oktober bei Gazeta Lajm und Tetova Sot. Ihre Artikeltexte erzählen die Szene als Vorgang bei den Protesten; ein eigener Hinweis auf die KI-Kennzeichnung fehlt dort. Der bei Tetova Sot verlinkte Bildausschnitt stimmt mit dem geprüften Motiv überein. So gelangt die künstliche Darstellung in einen Nachrichtenzusammenhang, in dem sie wie eine fotografische Dokumentation wirken kann.

Laut Metas Erläuterung zur Kennzeichnung von KI-Inhalten können die Hinweise auf technischen Signalen oder auf Angaben der hochladenden Person beruhen. Aus dem JOQ-Screenshot geht nicht hervor, welcher Weg hier zur Kennzeichnung führte. Wer das Motiv hergestellt und zuerst veröffentlicht hat, ließ sich nicht feststellen.

Was solche Motive mit der Wahrnehmung machen können

In unserer redaktionellen Einordnung verbindet das Motiv Verletzlichkeit mit Entschlossenheit: Die dargestellte Schwangerschaft legt die Sorge um ein ungeborenes Kind nahe, während die erhobene Flagge Widerstand und Zugehörigkeit vermittelt. Der Rauch gibt der Szene einen bedrohlichen Hintergrund. Die Bildzeile über die Zukunft der Kinder verstärkt diese Deutung. So bietet das Motiv eine Heldinnenfigur an, mit der man sich identifizieren kann, bevor man die Herkunft des Bildes geprüft hat.

Eine Studie von Eryn Newman und weiteren Forschenden aus dem Jahr 2012 zeigt, wie Bilder das Gefühl von Glaubwürdigkeit beeinflussen können. In vier Experimenten konnten inhaltlich passende Fotos Aussagen wahrer erscheinen lassen, obwohl die Fotos deren Wahrheitsgehalt nicht belegten. Cameron Martel und sein Forschungsteam zeigten 2020 in vier Experimenten mit insgesamt 3.884 Teilnehmenden außerdem: Die Aufforderung, Nachrichten stärker nach dem Gefühl zu beurteilen, erhöhte den Glauben an falsche Nachrichten gegenüber den Kontrollbedingungen. Diese Untersuchungen erklären mögliche Mechanismen; sie messen keine Reaktion des Publikums auf dieses konkrete Protestmotiv.

Für das Teilen ist die Verbindung von Gefühl und moralischer Bewertung ebenfalls relevant. William Brady und sein Forschungsteam analysierten für eine 2017 veröffentlichte Studie 563.312 Twitter-Beiträge zu politisch umstrittenen Themen in den USA. Beiträge mit moralisch-emotionaler Sprache wurden häufiger weiterverbreitet; entsprechende Zusammenhänge zeigten sich besonders innerhalb politisch gleichgesinnter Netzwerke. Untersucht wurden sprachliche Merkmale und Retweets. Daraus folgt keine gemessene Wirkung dieses Bildes oder ein Beweis für dessen Bevorzugung durch Facebooks Empfehlungssystem.

Das Risiko lässt sich am vorliegenden Motiv konkret erklären: Wird die Darstellung beim erneuten Hochladen von ihrem KI-Hinweis getrennt, kann sie als vermeintliche Augenzeugenaufnahme weiterwandern. Menschen können dann Mitgefühl, Bewunderung oder Empörung für eine Szene entwickeln, die für das Bild künstlich erzeugt wurde. Wer später von der Täuschung erfährt, kann sich manipuliert fühlen und auch echten Aufnahmen stärker misstrauen. Diese Folgen sind mögliche Wirkungen; eine konkrete Veränderung der Einstellungen des Publikums haben wir hier nicht gemessen. Die Kennzeichnung als KI-Bild gehört deshalb direkt an das Motiv, damit seine politische Botschaft als Illustration erkennbar bleibt.

MEDIUM

Gazeta Lajm

19. Oktober 2026

MEDIUM

Tetova Sot

19. Oktober 2026

MEDIUM

Reuters · veröffentlicht bei Internazionale

16. Oktober 2026

MEDIUM

Reuters · veröffentlicht bei Internazionale

13. Oktober 2026

UNTERNEHMEN

Meta

5. April 2024; aktualisiert am 23. Oktober 2025

WISSENSCHAFT

Martel, Pennycook und Rand · Cognitive Research: Principles and Implications

7. Oktober 2020

WISSENSCHAFT

Brady et al. · Proceedings of the National Academy of Sciences

26. Juni 2017

WISSENSCHAFT

Newman et al. · Psychonomic Bulletin and Review / Australian National University

2012

UNTERNEHMEN

Hive · übermittelter Ergebnis-Screenshot

Ohne Datumsangabe

SOCIAL MEDIA

JOQ Albania · übermittelter Facebook-Screenshot

Ohne Datumsangabe

Tom Wannenmacher bei Mimikama, engagiert in der Aufklärung.

Tom Wannenmacher

Tom Wannenmacher ist Gründer und Chefredakteur von Mimikama, Österreichs führender Faktencheck-Organisation. Seit 2011 kämpft er gegen Desinformation und Internetbetrug.

Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise) Welche Quellen wir verwenden und was für uns kein Beleg ist, steht auf unserer Quellenseite.

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Dr. Heinrich Krämer
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