Seine Marinewerften und das Wasserstoffgeschäft hat der Industriekonzern Thyssenkrupp schon abgespalten. Nun folgt die Werkstofftochter mit eigenen Aktien. Und es gibt noch weitergehende Pläne.
Der Industriekonzern Thyssenkrupp bringt bereits die dritte Konzerntochter an die Börse – diesmal das Geschäft mit Werkstoffen wie Flachstahl, Edelstahl oder Aluminium. Dieses hat das Unternehmen abgespalten, Aktien der Firma mit dem Namen tk accelis werden nun separat gehandelt. Der erste Kurs wurde heute bei 27,80 Euro festgestellt. Damit war Europas größter Werkstoffhändler 1,77 Milliarden Euro wert. Analysten hatten mit etwas mehr gerechnet.
Ilse Henne, Chefin von tk accelis, gab sich im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion aber trotzdem zufrieden: „Seit Monaten, fast Jahren, bereiten wir uns auf den Börsengang vor. Das Parkett war happy mit dem Preis und deswegen bin ich es auch.“
In der Spitze kletterte der Aktienkurs bis auf 30,52 Euro nach oben. Im Gegenzug ging es für die Thyssenkrupp-Aktie deutlich nach unten. Der Mutterkonzern verlor zeitweise mehr als 16 Prozent und notierte bei rund 12,29 Euro. Thyssenkrupp-Aktionäre hatten für je 20 Aktien ein accelis-Papier in die Depots gebucht bekommen.
Thyssenkrupp behält Mehrheit
Thyssenkrupp-Chef Miguel Lopez sprach vom „Beginn eines neuen Kapitels“ für den Geschäftsbereich. Der Mutterkonzern bleibt bei tk accelis mit einem Anteil von 51 Prozent weiterhin Mehrheitseigner.
Für Lopez ist es der nächste Schritt, den einstigen Industriekonzern zu einer Finanzholding umzubauen. „Als Ganzes ist das Unternehmen weniger wert“, erklärt Martin Steinbach vom Beratungsunternehmen EY. Durch eine Abspaltung erhoffe man sich nun eine Wertsteigerung, indem das Unternehmen klarer am Kapitalmarkt positioniert werden könne.
TKMS und Nucera bereits an der Börse
Im vergangenen Jahr hatte Thyssenkrupp bereits seine Marinesparte TKMS erfolgreich an die Börse gebracht. Bei der Wasserstoff-Sparte Nucera dagegen hatten sich Investoren mit Blick auf den Aktienkurs im Sommer vor drei Jahren mehr versprochen.
Das Thema Wasserstoff sei komplett aus dem Anlagefokus der Investoren verschwunden, sagt der Börsenprofi Jürgen Molnar von RoboMarkets: „Jetzt muss man einfach mal gucken, ob man das Thema Materialbeschaffung nicht vielleicht unterschätzt. Weil das Geld ist, das immer verdient wird.“
Werkstoffsparte war bislang Umsatzbringer
Das zeigt auch der Blick in die Zahlen: Die ehemalige Thyssenkrupp Materials Services beschäftigt in 30 Ländern rund 15.500 Menschen und erzielte im vergangenen Jahr einen Jahresumsatz von 11,4 Milliarden Euro. Das sind fast ein Drittel des gesamten Thyssenkrupp-Umsatzes.
Zu den wichtigsten Kunden gehören Airbus, BP, Tesla und Volkswagen. Das Unternehmen betreibt auch Geschäft mit Künstlicher Intelligenz. Schaltschränke von Rechenzentren bestückt es etwa mit Kupfer- und Aluminiumteilen. In Zukunft will sich tk accelis vom klassischen Werkstoffhändler zu einem Spezialisten entwickeln, der für Kunden die gesamte Lieferkette organisieren kann.
Nach dem Börsendebüt der Werkstoffsparte heute denkt Thyssenkrupp-Chef Miguel Lopez bereits über den nächsten Börsengang nach. Auch die kriselnde Stahlsparte soll ihren Weg an die Börse finden. Das bekräftigte heute auch Ilse Henne, die Aufsichtsratsvorsitzende der Sparte.

