Umsätze steigen fast überallDie ganze Welt trägt Adidas – nur nicht die Heimat
Der Sportartikelhersteller Adidas kann sich über ein steigendes Interesse freuen. Die Umsätze des Unternehmens wachsen überall – nur zu Hause läuft es zuletzt nicht rund. Das soll sich ändern.
Nach starken Ergebnissen im Rest der Welt will der Sportartikelhersteller Adidas zum Ende des Jahres auch in Europa wieder deutlich zulegen. Adidas hatte nach guten Geschäften in den ersten neun Monaten und einem Rekordquartal im dritten Vierteljahr seine Prognose für das Gesamtjahr nach oben geschraubt. Demzufolge erwartet das in Herzogenaurach gegründete Unternehmen ein Betriebsergebnis von 2,5 Milliarden Euro. Zuvor hatte Adidas noch ein Betriebsergebnis von 2,3 Milliarden Euro anvisiert.
Zu dem Rekordergebnis trage auch eine Rückerstattung von US-Zöllen in Höhe von rund 200 Millionen Euro bei. Ein Gericht hatte die Zölle für unzulässig erklärt. Weitere 100 Millionen Euro resultierten daraus, dass Adidas seine Ware mit weniger Rabatten verkaufen konnte als gedacht. Wie der Adidas-Vorstandschef Björn Gulden bei der Vorstellung der Zahlen sagte, sind 100 Millionen Euro direkt für mögliche Abschreibungen reserviert, die Adidas fit für die Zukunft machen sollen: unrentable Läden, veraltete IT oder Stellenstreichungen seien als Verwendungszweck denkbar, aber konkret entschieden sei noch nichts.
Über die ersten drei Quartale lag das Umsatzplus bei elf Prozent. „Wir sind ziemlich stolz darauf, was wir geliefert haben“, so Gulden. „Wir nehmen anderen Unternehmen Marktanteile ab.“ Die Adidas-Aktie stieg um 3,6 Prozent auf 163,70 Euro. Dabei klafft die Entwicklung in den einzelnen Sparten, Regionen und Vertriebswegen weit auseinander. Der Heimatmarkt Europa war im Spätsommer der einzige Markt mit sinkenden Umsätzen. Im dritten Quartal gingen diese um vier Prozent nach unten. In anderen regionalen Märkten hingegen stiegen sie um zweistellige Prozentsätze an.
In China wuchs Adidas um 13 Prozent, während der Weltmarktführer Nike dort ein Viertel seines Umsatzes verlor. Für das vierte Quartal erwartet Adidas unter anderem wegen buchhalterischer Effekte ein Wachstum in Europa im hohen einstelligen Prozentbereich.
Kleidung gefragter als Schuhe
Starke Zuwächse gab es jedoch weniger bei Schuhen als vielmehr bei Bekleidung. „Unsere fantastischen Design- und Entwicklungsteams haben neue Bekleidungskollektionen kreiert, die weltweit stark gefragt sind und unser Lifestyle-Geschäft aktuell antreiben“, so Gulden. Insgesamt legte der Umsatz mit Sport- und Freizeitkleidung um 19 Prozent zu, bei den Schuhen stagnierte er.
Auch da werde das Geschäft wieder anziehen, sagte Gulden, es werde aber länger dauern. Mit dem Großhandel – immer noch der wichtigste Vertriebskanal – setzte Adidas im Quartal nur zwei Prozent mehr um, das Direktgeschäft über Online-Kanäle und eigene Läden wuchs dagegen um 17 Prozent. Gulden attackierte die Konkurrenz, die die Lager mit hohen Rabatten zu räumen versuche: „Wenn wir alle ein bisschen disziplinierter wären, gäbe es nicht mehr Angebot als Nachfrage.“
