Gemeinsam unabhängiger werden – das ist das große Ziel der angestrebten neuen Allianz zwischen Kanada und der EU. Ein Beispiel: die Zusammenarbeit im Bereich Künstlicher Intelligenz.
Google Gemini, ChatGPT oder auch Claude – bisher dominieren US-Unternehmen den Markt der Künstlichen Intelligenz (KI). Sowohl die EU mit ihren Mitgliedsländern als auch Kanada sehen darin ein Problem.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen weist beim EU-Kanada-Gipfel in Montreal auf die dadurch entstehenden Gefahren hin. „Unsere Industrien sind zunehmend auf den Zugang zu diesen Technologien angewiesen. Und wenn dieser Zugang von einigen wenigen großen Unternehmen abhängt, können Entscheidungen, die anderswo getroffen werden, unsere Unternehmen und lebenswichtigen Dienste gefährden.“
1,6 Milliarden kanadische Dollar in KI
Auch Kanadas Premierminister Mark Carney zeigt sich entschlossen. Er wolle nicht mehr darauf warten, dass die Zukunft Künstlicher Intelligenz woanders entschieden wird – von Unbekannten, denen man nicht traue.
Kurz vor Beginn des EU-Kanada-Gipfels verkündet der Premier deshalb, dass seine Regierung 1,6 Milliarden kanadische Dollar in das heimische KI-Unternehmen Cohere investieren wird. „Dadurch bleibt Cohere kanadisch und schafft Chancen für unsere Arbeitnehmer und Unternehmen. Cohere schafft gute Arbeitsplätze und soll bis zum Ende dieses Jahrzehnts mindestens 1,7 Milliarden Dollar in neue IT-Infrastruktur in Kanada investieren.“
Mehr Zusammenarbeit mit Kanada
Das kanadische Unternehmen Cohere entwickelt sichere, nach EU-Recht konforme KI-Lösungen – und spricht damit ein Bedürfnis vieler Kunden an, wie KI-Chefin Joelle Pineau erklärt: „Viele Regierungen und auch Unternehmen wollen die Kontrolle über ihre gesamte KI-Infrastruktur haben“, sagt Pineau. „Sie wollen wissen, wo ihre Daten gespeichert und genutzt werden oder wie sich ihr System verhält.“
Um genau so eine sichere KI zu entwickeln, will von der Leyen mit den Kanadiern zusammenarbeiten: „So können wir den Nutzen von KI besser ausschöpfen, gemeinsam unsere eigenen Kompetenzen ausbauen, in die KI-Infrastruktur investieren, unsere Forscher in gemeinsamen Projekten zusammenbringen und unseren Start-ups helfen, im globalen Wettbewerb zu bestehen.“
Investitionen auch aus Deutschland
Erst vor Kurzem fusionierte Cohere mit einem deutschen KI-Start-up. Das Heidelberger Unternehmen Aleph Alpha hatte sich mit dem kanadischen Partner zusammengeschlossen. Das hat sich bezahlt gemacht. Denn Cohere kann sich dadurch neuerdings – neben privaten Investitionen von Tech-Giganten wie Nvidia – auch über Geld aus Deutschland freuen.
Zum Beispiel von der Schwarz-Unternehmensgruppe, sagt Pineau. „Das ist eine super Gelegenheit. Wenn wir unsere Ressourcen bündeln, haben wir bessere Chancen, bahnbrechende Technologien zu entwickeln“, betont Coheres-KI-Chefin.
Schon jetzt sei die Situation für Cohere spürbar besser geworden. Nach den vielen Investitionen der letzten Zeit soll das kanadische Unternehmen eigenen Angaben zufolge zum größten KI-Unternehmen außerhalb der USA aufgestiegen sein.

