Die Bahn will pünktlicher werden. Deshalb soll eine neue Expertenkommission jetzt Vorschläge für schnelle Verbesserungen liefern. Eine Idee: Weniger Züge auf den überlasteten Strecken. Doch aus der Branche kommt Kritik.
Weniger Züge auf den Schienen, dafür mehr Pünktlichkeit. Das eine der Ideen des neu geschaffenen Gremiums „Robuster Fahrplan“ der Deutschen Bahn. Die Expertenkommission soll am kommenden Dienstag die Arbeit aufnehmen und nach Wegen suchen, um die Züge schnell wieder pünktlicher zu machen.
Mehr Pünktlichkeit durch weniger Verkehr auf der Schiene soll eine der möglichen Lösungen sein. „Ein Beispiel könnte sein, dass zwischen Berlin und Hamburg nur noch einmal pro Stunde ein Fernzug fährt statt alle 30 Minuten, die Züge dafür aber zuverlässig unterwegs sind,“ sagte der einstige Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann, dem Tagesspiegel. „Mit der Kommission wollen wir den Menschen die Wahrheit sagen: Angesichts des Zustands fahren auf unseren Gleisen viel zu viele Züge“
Vorschläge im neuen Jahr
Ferlemann ist Mitglied im Aufsichtsrat der für die Infrastruktur zuständigen Bahntochter DB InfraGo. Sie hat die Expertenkommission einberufen. Ferlemann soll dem Gremium auch angehören. Das geht aus Informationen der InfraGo für den Verkehrsausschuss im Bundestag hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegen. Zuvor hatte der Tagesspiegel darüber berichtet.
„Die Experten werden bei mehreren Terminen mit viel Erfahrung und aus vielen Blickwinkeln ergebnisoffen diskutieren. Vorschläge für mehr Verlässlichkeit auf der Schiene sollen im neuen Jahr vorliegen“, teilte ein Bahnsprecher mit. „Die Ergebnisse werden zusammen mit Politik, Ländern und Branche gemeinsam bewertet.“
Schlechte Infrastruktur und viele Staus
Die hohe Unpünktlichkeit geht vor allem auf die schlechte Infrastruktur zurück. Hinzu kommt eine Überlastung. „Im Jahr 2025 verkehrten mehr als zehn Prozent der Züge auf Strecken mit einer Auslastung von über 115 Prozent“, heißt es in den Informationen für den Verkehrsausschuss. In der Folge wachse der Stau auf den Schienen immer weiter an. „In den vergangenen zehn Jahren haben die Stau-Verspätungen um 150 Prozent zugenommen.“
Die Bahn saniert und baut derzeit auf Rekordniveau, um das Schienennetz wieder fit zu machen. Fahrgäste merken davon bislang wenig. Im laufenden Jahr war in den meisten Monaten nahezu jeder zweite Fernzug unpünktlich. Geht es so weiter, dürfte am Ende des Jahres ein Negativ-Rekord bei der Pünktlichkeit stehen.
Kritik aus der Branche
Die Expertenkommission soll nun nach Lösungen suchen, „um bereits während der anstehenden Jahre intensiver Bautätigkeit einen stabileren und verlässlicheren Bahnbetrieb zu ermöglichen“, wie es weiter heißt. Unterstützung bekommt das Gremium den Angaben zufolge von dem auf Fahrpläne spezialisierten Schweizer Unternehmen SMA und Partner.
Aus der Branche kommt Kritik an dem Vorschlag zur Angebotsreduzierung. „Weniger Züge fahren zu lassen, bedeutet vollere Züge und nicht automatisch pünktlichere Züge“, teilte der Geschäftsführer des Lobbyverbands Allianz pro Schiene, Dirk Flege, mit. „Im schlimmsten Fall werden die wenigen Züge noch unpünktlicher, weil sie wegen Überfüllung nicht abfahren können.“ Die richtige Lösung sei, mehr Kapazität auf der Schiene zu schaffen.
Ähnlich äußerte sich der Geschäftsführer des Wettbewerberverbands Die Güterbahnen, Peter Westenberger. Dem „schlichten Denkansatz, pauschal weniger, statt mehr zu fahren“, habe die Branche bereits vor einem Jahr eine Absage erteilt, erklärte er.
