Lawrow giftet gegen WadephulRussischer Außenminister sieht keine Entspannung zwischen Moskau und den USA
Die Europäer bewerten den Diesel-Deal zwischen Trump und Putin als Seitenwechsel Washingtons. Russlands Außenminister widerspricht. In der Praxis seien die Sanktionen nicht gelockert worden. Am deutschen Außenminister Wadephul arbeitet sich Lawrow besonders ab.
In den Beziehungen zwischen Russland und den USA gibt es nach den Worten des russischen Außenministers Sergej Lawrow bisher keine Entspannung. „In der Praxis sind bislang keine wirklichen Fortschritte in den Beziehungen zu den USA zu erkennen. Man sollte sich keine Illusionen hinsichtlich des Diesel-Deals machen“, sagte Lawrow am Rande des G20-Außenministertreffens in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia.
„Die grundlegenden Fragen werden nicht gelöst, die Sanktionen dauern an, alle Sanktionen (des ehemaligen US-Präsidenten Joe) Biden werden von der derzeitigen Regierung fortgeführt, und es werden zusätzliche Sanktionen gegen (die Ölgiganten) Lukoil und Rosneft verhängt“, sagte er.
Mit Blick auf die bevorstehenden Dreiergespräche der Ukraine, der USA und Russlands in den kommenden Tagen sagte Lawrow, die Positionen seien klar. Nach jüngsten Andeutungen aus dem Kreml wollten sich die Delegationen Mitte November in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, zu einer Fortsetzung ihrer seit Monaten unterbrochenen Unterredungen über eine mögliche Friedenslösung treffen. Lawrow kritisierte dabei die Haltung der Europäer. „Sie versuchen, sich in den Friedensverhandlungsprozess in der Ukraine einzumischen“, sagte er.
„Familienfoto-Diplomatie“
Gleichzeitig übte Lawrow scharfe Kritik an seinem deutschen Kollegen Johann Wadephul, dem er „Familienfoto-Diplomatie“ vorwarf. „Dieser Herr Wadephul, der vor einem Monat um ein Treffen mit mir in New York gebeten hatte, hat gestern oder heute Vormittag eine Art Erklärung abgegeben, dass er Lawrow alles sagen werde, was den aggressiven Krieg betrifft, und sich niemals fotografieren lassen werde“, behauptete der russische Außenminister. „Das nenne ich Familienfoto-Diplomatie. Wenn es für sie vor allem darauf ankommt, wie sie auf einem Familienfoto aussehen und wer neben ihnen steht, dann sagt das schon alles.“
Die Außenminister der G20-Runde der großen Industrie- und Schwellenländer hatten bei ihrem Treffen in den USA ein deutliches Signal an Moskau gesetzt. Das sonst oft übliche „Familienfoto“ der Teilnehmer fiel bei den Beratungen in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia aus. Der CDU-Politiker Wadephul hatte schon kurz vor Beginn gesagt: „Es wird in jedem Fall kein Familienfoto geben, auf dem unsere europäischen Partner gemeinsam mit Herrn Lawrow sind.“
Allerdings hatte Wadephul noch am Donnerstag die gegenteilige Ansicht geäußert. Einem möglichen „Familienfoto“ mit Lawrow werde er nicht fernbleiben, hatte der CDU-Politiker angekündigt. Bei Kongressen wie der Zusammenkunft der großen Industrie- und Schwellenländer in Atlanta „ist es automatisch so, dass es gemeinsame Fotos gibt, sagte Wadephul zur Erklärung.
