Nach einem Hackerangriff mit einem Schaden von 6,3 Milliarden Dollar will Binance alle Verluste ersetzen. Der Fall zeigt, wie verwundbar Kryptowerte sind, und wirft Fragen zur Sicherheit digitaler Anlagen auf.
Die weltgrößte Kryptobörse Binance will nach einem Hackerangriff Verluste in Höhe von 6,3 Milliarden Dollar ersetzen. Das teilte das Unternehmen mit. Rund die Hälfte der gestohlenen Vermögenswerte sei bereits mithilfe von Partnern eingefroren worden.
Binance habe zudem mehr als sechs Milliarden Dollar an eigenen Mitteln zurückgelegt, um die Verluste abzudecken. Nutzer sollten binnen 40 Stunden wieder Auszahlungen vornehmen können. Ein- und Auszahlungen waren nach dem Angriff zunächst ausgesetzt worden.
Erste Spur führt nach Nordkorea
Experten vermuten eine Hackergruppe mit Verbindungen zu Nordkorea hinter dem Angriff. Ersten Ermittlungen zufolge verschafften sich die Angreifer über den gehackten Laptop eines Ingenieurs Zugriff auf die IT-Systeme von Binance.
Die Ermittlungen liefen noch, eine konkrete Person sei bislang nicht als verantwortlich identifiziert worden. Binance arbeite mit der US-Bundespolizei FBI und dem Secret Service zusammen, um den Angriff aufzuklären.
Woher die Mittel von Binance kommen, ist unbekannt
Binance hat nach eigenen Angaben weltweit 335 Millionen registrierte Nutzer. Das verwahrte Vermögen belief sich 2025 auf 162,8 Milliarden Dollar. Die Kryptobörse betreibt einen eigenen Sicherungsfonds über eine Milliarde Dollar in Bitcoin.
Zusätzlich habe das Unternehmen rund 6,34 Milliarden Dollar an eigenen Mitteln zur Deckung der Verluste zurückgelegt. Woher diese Gelder stammen, teilte Binance nicht mit.
„KI kann Schwachstellen schneller finden, als sie behoben werden können“
Der Vorfall verdeutlicht die Risiken von Kryptowährungen. Der Analyst Salah-Eddine Bouhmidi vom Brokerhaus IG sagte, auch wenn Binance den Ersatz der Verluste zugesagt habe, rückten Fragen zur Sicherheit und Verwahrung digitaler Vermögenswerte wieder in den Vordergrund. Die Kurse von Bitcoin und Ethereum fielen zeitweise um rund drei Prozent. Der Binance-Coin verlor fünf Prozent.
Auch Bernardo Brits, Chef des Zahlungsdienstleisters Trace Finance, betont, dass es immer schwieriger werde, Hackerangriffe abzuwehren. „Künstliche Intelligenz kann Schwachstellen schneller finden, als sie behoben werden können“, warnt Brits. Eine Folge könnte sein, dass sich Nutzer von kleineren und mittleren Börsen abwenden, um am Ende weniger Risiko zu tragen.
