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Politik

Zelda, WoW und GTA VI: Warum die Games noch immer faszinieren

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerOktober 30, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 30.10.2026 • 19:27 Uhr

Zelda, World of Warcraft und Grand Theft Auto: Der November bietet für Gamer gleich drei neu aufgelegte Videospiel-Klassiker. Warum lösen die jahrzehntealten Game-Reihen noch immer solche Begeisterung aus?

Von Samira Straub, SWR Kultur

Erst das Königreich Hyrule retten, dann mit Freunden durch Azeroth ziehen und zwischendurch noch ein bisschen Chaos in Vice City anrichten: Wer gerne zockt, braucht im November vor allem eines – Zeit. Denn innerhalb von gerade einmal zwei Wochen kehren gleich drei der größten Namen der Gaminggeschichte zurück: Am 5. November erscheinen das Remake von „The Legend of Zelda: Ocarina of Time“ und „World of Warcraft: Forever“, am 19. November folgt „Grand Theft Auto VI“.

Doch warum lösen drei Spielereihen, die seit Jahrzehnten existieren, noch immer so viel Begeisterung aus?

Drei Spiele, drei Arten von Kult

„The Legend of Zelda: Ocarina of Time“ gilt fast 30 Jahre nach seiner Veröffentlichung noch immer als eines der besten Videospiele aller Zeiten. Das Fantasyabenteuer von 1998 rund um den Helden Link prägte dreidimensionale Spielwelten und führt mit 99 von 100 Punkten bis heute die Bestenliste der Bewertungsplattform Metacritic an.

„World of Warcraft“, kurz WoW, machte ab 2004 das gemeinsame Spielen im Internet zum Massenphänomen. Auf dem Höhepunkt zählte das Online-Rollenspiel mehr als zwölf Millionen Abonnements. WoW konnte ganze Nächte verschlingen und die Fantasywelt Azeroth wurde so für manche zum zweiten Zuhause, mit festen Verabredungen und Freundschaften.

Jason Duval, eine der Hauptfiguren aus der Videospiel-Reihe „Grand Theft Auto“““

Auch „Grand Theft Auto“, kurz GTA, ist längst mehr als eine erfolgreiche Spielereihe. Seine frei erkundbaren Großstädte sind bissige Karikaturen der amerikanischen Gesellschaft, samt Radiosendern mit echten Popsongs und absurden Moderationen. Wegen ihrer Gewaltdarstellungen sorgt die Reihe seit Jahrzehnten für Kontroversen. Auf den nächsten Teil warten Fans inzwischen seit 13 Jahren. Nach mehreren Verschiebungen ist der Release von „GTA VI“ selbst zum Internet-Meme geworden: Unwahrscheinliche Dinge, die bereits eingetreten sind, bevor das Spiel erschienen ist.

Warum wir immer wieder zurückkehren

Drei unterschiedliche Erfolgsgeschichten, die eines gemeinsam haben: Ihre Spielwelten sind für Millionen Menschen Teil der eigenen Biografie geworden. Wer nach Jahren durch eine vertraute virtuelle Welt streift, entdeckt dort nicht nur alte Spielorte, sondern auch ein Stück der eigenen Vergangenheit. Manchmal reicht schon eine Melodie, um sich wieder wie damals vor der Konsole zu fühlen.

Dass solche Erinnerungen auch wirtschaftlich etwas wert sind, legt eine Studie von 2025 mit 417 Gamern nahe: Bei bestimmten Spielen können positive Erinnerungen die Kaufbereitschaft für Neuauflagen steigern. Besonders stark kann die nostalgische Bindung bei Spielen aus der eigenen Jugend sein.

Anders als bei Filmen oder Büchern gestalten Menschen in Videospielen ihre Abenteuer selbst mit. Gerade in offenen Spielwelten entscheiden sie, wohin sie gehen und was sie erleben. So bleiben nicht nur Figuren und Geschichten in Erinnerung, sondern werden zu persönlichen Erlebnissen. Und auch zwischen den Veröffentlichungen halten Fans ihre Spielwelten lebendig: Sie tüfteln an eigenen Erweiterungen, diskutieren Details der Spielgeschichte oder machen Szenen zu Internet-Memes.

Die Spieler sind erwachsen geworden

Doch die Gamer, die damals ganze Nächte in Azeroth verbrachten, haben heute womöglich Job, Familie und weniger Freizeit. Laut dem Branchenverband „game“ spielen in Deutschland 41,2 Millionen Menschen Videospiele, im Durchschnitt sind sie 38,3 Jahre alt. Die Jugendlichen, die in den 2000er-Jahren zockten, sind längst erwachsen geworden – und spielen heute noch.

Damit haben sich die Ansprüche an das Hobby verändert: Was früher ganze Nächte füllen durfte, muss heute in einen Feierabend passen. Und die Spiele haben sich entsprechend angepasst. Bei World of Warcraft wurden viele Abläufe über die Jahre schneller und bequemer. Für manche Herausforderungen braucht man heute keine feste Gruppe mehr, Mitspieler werden automatisch zusammengeführt. Damit wurde die Zusammenarbeit in manchen Bereichen des Spiels nicht mehr notwendig.

Mit „World of Warcraft: Forever“ will Entwickler Blizzard nun aber wieder stärker auf gemeinsame Abenteuer setzen. Die neue Version greift die ursprüngliche Spielwelt auf und erweitert sie um neue Inhalte. Ob sich damit auch das frühere Gemeinschaftsgefühl zurückholen lässt, bleibt offen.

Das Videospiel “World of Warcraft: Forever“ erweitert die ursprüngliche Spielwelt um neue Inhalte.

Nostalgie als Milliardengeschäft

Was für Fans eine Rückkehr in die eigene Vergangenheit ist, ist für die Gamesindustrie dabei ein Geschäft mit vertrauten Marken. Allein in Deutschland wurden 2025 mit Videospielen, Hardware und Online-Diensten rund 9,4 Milliarden Euro umgesetzt. Große Spieleproduktionen verschlingen teils Hunderte Millionen Dollar. Bekannte Namen bringen ein vorhandenes Publikum und Aufmerksamkeit mit, lange bevor ein neues Spiel erscheint.

Dass bekannte Marken nicht zwangsläufig für Stillstand stehen, zeigt ausgerechnet der Klassiker „Zelda“. Mit „Breath of the Wild“ veränderte Nintendo 2017 die Spielprinzipien der Reihe so grundlegend, dass die Reihe auch Menschen begeisterte, die nicht mit den Spielen der Neunzigerjahre aufgewachsen sind – mehr als 34 Millionen Exemplare wurden verkauft.

Die drei November-Veröffentlichungen zeigen dabei nun unterschiedliche Strategien: Nintendo legt mit „Ocarina of Time“ einen Klassiker neu auf. Blizzard greift wiederum mit „Forever“ frühere Spielprinzipien wieder auf. Und Rockstar entwickelt mit GTA VI eine eigenständige Fortsetzung. Deren Vorgänger GTA V kam nach Herstellerangaben auf mehr als 230 Millionen ausgelieferte und digital verkaufte Exemplare.

Alte Spiele, neues Leben

Trotzdem stellt sich die Frage, wie viel Platz für neue Ideen bleibt, wenn die großen Namen so viel Aufmerksamkeit bekommen. Unabhängige Studios setzen mit ungewöhnlichen Konzepten immer wieder neue Impulse. Die etablierten Reihen müssen dagegen alte Fans halten und gleichzeitig eine neue Generation gewinnen.

Hyrule retten, Azeroth erkunden, Vice City unsicher machen: Die Möglichkeiten im November sind gewaltig, die Freizeit vieler Fans dürfte hingegen begrenzt sein. Vielleicht ist das die größte Herausforderung für die Rückkehr der drei Legenden: Können sie noch einmal dieselbe Begeisterung auslösen, wenn sich der Alltag der Menschen vor den Bildschirmen längst verändert hat? An der Vorfreude ihrer Fans dürfte es jedenfalls nicht scheitern.

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