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„Das schnellste SUV der Welt“: Lamborghini Urus SE Performante – ein rasender Widerspruch

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerNovember 3, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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„Das schnellste SUV der Welt“Lamborghini Urus SE Performante – ein rasender Widerspruch

Design der Dominanz: Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann bei der Präsentation des Urus SE Performante. (Foto: sp-x/Killy)

Lamborghini macht den Urus SE Performante stärker, leichter und nach eigenen Angaben zum schnellsten SUV der Welt. Gleichzeitig soll der Bolide komfortabler werden. Das klingt widersprüchlich.

Man kann sich der Sache natürlich vernünftig nähern. Dann wäre der neue Lamborghini Urus SE Performante ein geräumiges SUV mit vier Türen, ordentlichem Kofferraum und genügend Platz, um die Kinder morgens rein elektrisch zur Schule zu bringen. Man kann das Ganze aber auch auf Lamborghini-Art betrachten. Dann hat dieses Familienauto 597 kW/812 PS, 1.000 Newtonmeter Drehmoment, beschleunigt in 3,3 Sekunden auf Tempo 100 und stürmt auf 312 km/h.

Was vermutlich erklärt, warum Lamborghini zur Präsentation in den Lufthansa-Hangar One nach Frankfurt eingeladen hat. Fluggerät ist eine passende Umgebung. Der Urus ist seit seinem Launch 2018 eines der wichtigsten Autos der Marke. Ein Lamborghini für Leute, die zwar gern einen Supersportwagen hätten, aber gelegentlich noch andere Menschen oder Gepäck transportieren müssen. Seit seiner Einführung hat er Lamborghini neue Kundengruppen erschlossen und die Stückzahlen kräftig nach oben getrieben. Nun bekommt die Performance-Version des SUV eine Neuauflage.

UrusSEPerformanteHeckFotoKilly
Hier passen auch Einkäufe rein, doch auch die Heckansicht des Lamborghini Urus SE Performante kann ihre Sportlichkeit nicht verbergen. (Foto: sp-x/Killy)

Lamborghini reklamiert Titel des schnellsten SUV auf dem Markt für sich

Und die folgt einer bemerkenswert einfachen Formel: mehr von allem – außer Gewicht. 597 kW/812 PS leistet der Plug-in-Hybrid-Antrieb (rein elektrische Reichweite rund 60 Kilometer). Gleichzeitig haben die Ingenieure 32 Kilogramm aus dem Auto herausoperiert. Unter anderem mit reichlich Carbon: Motorhaube, Karosserieteile und aerodynamische Komponenten bestehen aus dem leichten Material. Gegen Aufpreis darf die Kohlefaser selbstverständlich auch sichtbar bleiben. Lambo-Fahrer neigen schließlich nicht zum Understatement. Da wäre es folgerichtig fast schade, wenn niemand merkt, wie teuer das Leichtmachen war.

Das Ergebnis bewegt sich endgültig in Regionen, die vor einiger Zeit noch Supersportwagen vorbehalten waren. Nach 3,3 Sekunden stehen 100 km/h auf dem Tacho, nach 10,8 Sekunden sind es 200. Erst bei 312 km/h endet der Vortrieb. Lamborghini reklamiert damit den Titel des schnellsten SUV auf dem Markt für sich. Interessanter ist allerdings, was jenseits der Stammtischwerte passiert. Denn der neue Performante soll nicht einfach nur schneller sein als sein Vorgänger. Er soll gleichzeitig angenehmer werden.

UrusSEPerformanteSeitenansichtFotoKilly
Der Lamborghini Urus SE Performante ist eine wuchtige Erscheinung. (Foto: sp-x/Killy)

Beim bisherigen Urus Performante setzte Lamborghini auf ein straffes Stahlfederfahrwerk. Das war auf der Rennstrecke prima, im Alltag allerdings weniger charmant. Die Kunden hätten sich mehr Komfort gewünscht, räumt Lamborghini ein. Also bekommt der Neue eine Zweikammer-Luftfederung mit elektronisch geregelten Dämpfern. Das System soll die Karosserie deutlich präziser kontrollieren und gleichzeitig Unebenheiten manierlicher verdauen. Die Wankbewegungen sollen gegenüber dem Vorgänger um 55 Prozent reduziert worden sein.

Supersportwagen und Alltagswagen in einem

Hier wird der Urus interessanter als bei der Frage, ob nun 300 oder 312 km/h auf dem Datenblatt stehen. Denn Lamborghini versucht, zwei eigentlich gegensätzliche Autos in eines zu packen: den Supersportwagen und den Alltagswagen. Dazu gehört auch Technik aus den flacheren Geschwistern.

UrusSEPerformanteLenkradFotoKilly
Der Arbeitsplatz des Lamborghini Urus SE Performante. (Foto: sp-x/Killy)

Ein zentraler 6D-Sensor erfasst die Bewegungen des Fahrzeugs und liefert seine Daten an Fahrdynamik- und Bremssysteme. Die integrierte Bremsanlage kombiniert Rekuperation und mechanische Bremse. Aus Tempo 200 soll der mehr als zwei Tonnen schwere Urus in weniger als 130 Metern zum Stillstand kommen. Der Vorgänger benötigte laut Lamborghini 132 Meter.

Klingt trotz Elektrifizierung weiterhin nach Lamborghini

Dass bei all der Elektronik die akustische Grundversorgung nicht zu kurz kommt, versteht sich in Sant’Agata Bolognese von selbst. Eine Titan-Abgasanlage gehört zur Serienausstattung, spart rund zehn Kilogramm und soll vor allem dafür sorgen, dass der V8 trotz Elektrifizierung weiterhin nach Lamborghini klingt.

UrusSEPerformanteCockpitFotoKilly
Carbonumrahmt: das Fahrer-Display des Lamborghini Urus SE Performante. (Foto: sp-x/Killy)

Und weil ein 812-PS-SUV offenbar noch nicht genügend Möglichkeiten bietet, gibt es neben Strada, Sport und Corsa auch einen Rally-Modus. Lamborghini betont ausdrücklich, dass Kunden ihre Urus tatsächlich abseits befestigter Straßen bewegen sollen. Man habe den Wagen selbst auf schwierigem Untergrund getestet und sei von seinen Fähigkeiten überrascht gewesen. Was die reizvolle Vorstellung eröffnet, einem Carbon-dekorierten 312-km/h-SUV irgendwann im Schlamm zu begegnen.

Optisch bleibt der SE Performante unverkennbar Urus, wird aber aggressiver gezeichnet. Neue Schürzen, Splitter, Schweller, Diffusor und Heckspoiler sind nicht nur Dekoration. Der Abtrieb steigt laut Lamborghini um 60 Prozent. Wer anschließend noch Individualisierungsbedarf verspürt, kann aus mehr als 140 regulären Lackierungen wählen; über das Ad-Personam-Programm sind bis zu 400 Farbtöne und darüber hinaus Sonderwünsche möglich.

Widerspruch, der den Urus erfolgreich gemacht hat

Das alles führt zurück zu jenem Widerspruch, der den Urus überhaupt erst erfolgreich gemacht hat. Ein Lamborghini soll eigentlich niedrig, laut, unbequem und vollkommen ungeeignet für Einkäufe jenseits von zwei Weinkisten sein. Der Urus hat dieses Prinzip bereits vor Jahren außer Kraft gesetzt.

Der neue Performante treibt es nun auf die Spitze. Er ist stärker und schneller, soll aber zugleich komfortabler und alltagstauglicher sein. Er kann elektrisch aus der heimischen Garage rollen, auf der Rennstrecke den Corsa-Modus bemühen und anschließend im Rally-Modus über Schotter jagen. Ein Familienauto also. Nur eben eines, das 312 km/h fährt – und komplett ausgestattet erst weit jenseits der 300.000 Euro zu haben sein wird.

Quelle: ntv.de, Daniel Killy, sp-x

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