Verhandlungen nächste Woche?Selenskyj warnt vor verheerenden Angriffen während US-Wahl
Gerade erst tötet Russland mindestens 26 Menschen bei einem Luftangriff auf eine Schule – und die Zahl der Opfer könnte deutlich steigen. Doch auch für die kommenden Tage rechnet die Ukraine mit massiven Angriffen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj befürchtet einen massiven russischen Angriff im Schatten der US-Kongresswahl. Dies gehe aus Geheimdiensterkenntnissen hervor, erklärte er auf X. Die Aufmerksamkeit der ganzen Welt werde sich auf die US-Wahlen konzentrieren, „und was in der Ukraine passiert, inklusive unserer Schwierigkeiten bei der Luftabwehr und mit Patriot-Raketen, wird nicht wahrgenommen“, sagte er. In den USA finden am heutigen Dienstag die sogenannten Midterms statt.
Selenskyj forderte, die internationale Gemeinschaft müsse Russland klarmachen, dass Terror nicht akzeptiert werde. „Wir müssen einen solchen Druck auf Russland ausüben, dass es keine Alternative hat, als diesen Krieg zu beenden.“
Mindestens 26 Tote bei Luftangriff nahe Saporischschja
Bei einem russischen Luftangriff auf das ukrainische Dorf Komyschuwacha in der Region Saporischschja waren erst am Montag mindestens 26 Menschen getötet worden. Dieser „absolut schreckliche Angriff“ sei bei der Ausgabe von humanitärer Hilfe in einer Schule geschehen, teilte Selenskyj mit. Es werde in den Trümmern nach weiteren Opfern gesucht, mindestens fünf Personen seien verletzt worden. Laut örtlichen Behörden gelten 27 Menschen noch als vermisst.
Selenskyj erhob den Vorwurf eines gezielten Bombardements. „Russland konnte nicht entgangen sein, dass die in Komyschuwacha verbliebenen Einwohner jede Woche eben dort humanitäre Hilfe erhalten.“ Der ukrainische Präsident sprach von einem „hinterhältigen Terroranschlag“. Komyschuwacha befindet sich etwa 25 Kilometer östlich von Saporischschja und ist gut ein Dutzend Kilometer von der Frontlinie entfernt. Die Region ist seit Monaten immer wieder Ziel schwerer russischer Luftangriffe.
Selenskyj: Russische Warn-App gehackt
Am späten Sonntagabend war zudem die ukrainische Warn-App „Air Alert“ gehackt worden, woraufhin die Bürger unter anderem gefälschte Warnungen vor angeblichen Atomangriffen auf ihre Smartphones bekamen. Wenige Stunden später wurde am frühen Montagmorgen die App des russischen Zivilschutzes gehackt und versandte ebenfalls falsche Warnmeldungen. Das Hacken des russischen Warnsystems vor Luftangriffen war nach Angaben Selenskyjs ein ukrainischer Gegenangriff mit gleicher Münze.
„Wir reagieren nur auf ihre Angriffe“, sagte Selenskyj dem US-Sender PBS. „Sie haben unser System angegriffen. Das war ein Cyberangriff“, sagte er. Natürlich habe sich die Ukraine dagegen gewehrt. Die Warn-Apps der beiden Kriegsparteien informieren ihre Bürger unter anderem über drohende Luftangriffe. Russland greife mit Cyberattacken immer wieder Ziele an, um der Zivilbevölkerung zu schaden, sagte Selenskyj weiter.
Trilaterales Treffen in der nächsten Woche geplant
Die USA zeigen sich indes zuversichtlich, dass es wieder etwas Bewegung bei möglichen Gesprächen geben könnte. Vertreter aus Kiew, Moskau und Washington sollen sich kommende Woche für zweitägige Verhandlungen in Abu Dhabi treffen, wie der US-Sondergesandte Steve Witkoff auf X mitteilte. „Die Gespräche werden sich um Sicherheitsvereinbarungen für die Zeit nach dem Krieg, Deeskalation, humanitäre Hilfsmaßnahmen und die nächsten Schritte auf dem Weg zum Frieden drehen“, erklärte Witkoff.
Die Verhandlungen auf Arbeitsebene sollen nächste Woche Dienstag und Mittwoch in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate stattfinden. In dem Format hatte es zuletzt im Februar in Genf Verhandlungen gegeben, davor zweimal in Abu Dhabi. Vor dem neuen Treffen sollen US-Gesandte diese Woche in Brüssel mit Vertretern europäischer Staaten, der Nato und der EU zusammenkommen. Dabei soll es Witkoff zufolge um die Themen Sicherheitsgarantien für die Ukraine, Europas Sicherheitsordnung nach dem Krieg sowie um den Wiederaufbau gehen.
