Erneut haben russische Raketen Kiew und das Umland getroffen. Es gab zahlreiche Explosionen, so Bürgermeister Klitschko. Die Strom- und Wasserversorgung seien stark beeinträchtigt.Verteidigungsminister Pistorius hat wenig Hoffnung auf eine Waffenruhe.
Das russische Militär hat mit Raketen in mehreren Angriffswellen die ukrainische Hauptstadt Kiew und das Umland attackiert. Im Zentrum der Millionenmetropole waren in der Nacht und am frühen Morgen etliche Explosionen zu hören. Weitere gab es laut Bürgermeister Vitali Klitschko in den Außenbezirken.
Es seien – besonders schnell fliegende und deshalb von der Luftverteidigung kaum abzuwehrende – ballistische Raketen zum Einsatz gekommen, schrieb er auf Telegram. Mehrere Wohnhäuser wurden beschädigt. Die Militärverwaltung berichtete zudem von Schäden an einem Kindergarten und zwei Verletzten.
Klitschko erklärte weiter, die Stromversorgung in der ukrainischen Hauptstadt sei „extrem schwierig“. Auch die Wasserversorgung sowie die Versorgung mit Fernwärme seien betroffen. Eine wichtige Brücke über den Fluss Dnipro, die die westliche und die östliche Hälfte der Hauptstadt verbindet, sei zudem beschädigt worden. Fünf Menschen wurden laut Klitschko verletzt, darunter ein 14-jähriges Kind.
Selenskyj kritisiert Klitschko
Kurz zuvor hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Videobotschaft vor einem neuen russischen Angriff auf Energieanlagen und die Brücken über den Fluss Dnipro gewarnt. Angesichts massiver Stromausfälle vor allem in Kiew kritisierte er auch erneut Klitschko. „Das sind die Folgen nicht umgesetzter Beschlüsse auf städtischer Ebene zur Vorbereitung auf die Heizperiode sowie auf diese russische Operation gegen die ukrainische Energiewirtschaft“, so der Staatschef auf Telegram.
Klitschko wies die Vorwürfe zurück. „Wie hätte die Hauptstadt denn der ‚russischen Sonderoperation gegen die ukrainische Energiewirtschaft‘ vorbeugen sollen?“, fragte er ebenfalls bei Telegram. Er verwies darauf, dass in Kiew seit dem 16. Oktober Fernwärme geliefert werde.
Pistorius: Wenig Hoffnung auf Waffenruhe
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius sieht angesichts der für nächste Woche geplanten Gespräche der USA, Russlands und der Ukraine in Abu Dhabi wenig Hoffnung auf eine baldige Waffenruhe. Ein Waffenstillstand hänge vom russischen Präsidenten Wladimir Putin und vom Verhalten von US-Präsident Donald Trump ab, sagte Pistorius den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Die letzten Monate geben wenig Hoffnung, dass Trumps Vorgehen schnell zu einem Waffenstillstand oder gar zum Frieden führt.“
