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Wie der Aktienkauf rund um die Uhr funktionieren soll

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerNovember 8, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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FAQ

Stand: 08.11.2026 • 08:35 Uhr

Die Deutsche Börse in Frankfurt ermöglicht ab sofort den Handel mit DAX-Werten auch nachts oder am Wochenende. Noch gibt es allerdings eine wichtige Hürde. Was Anleger wissen sollten.

Von Alina Leimbach, ARD-Finanzredaktion

Aktien nachts oder am Wochenende kaufen oder verkaufen? Das war bislang an der Deutschen Börse nicht möglich. Das soll sich ändern, zumindest für DAX-Aktien.

Die Deutsche Börse in Frankfurt hat mitgeteilt, dass ab sofort auf ihrer Tochter-Plattform 360X die Aktien der DAX-Unternehmen rund um die Uhr gehandelt werden können. Doch noch fehlen die Partner. Und es gibt einiges zu beachten. Ein Überblick.

Was sind die Bedingungen für Privatanleger?

Bisher macht an der Frankfurter Börse der reguläre Handel über den Handelsplatz XETRA um 17.30 Uhr dicht. Der erweiterte Börsenhandel endet um 22 Uhr. Wer danach eine Order erteilt, muss bisher auf den nächsten Handelstag warten, bis diese ausgeführt wird. Denn erst dann wird die Order im laufenden Börsengeschehen berücksichtigt – mitsamt der dann geltenden Preise.

Über die Deutsche-Börse-Tochter, die Plattform 360X, soll sich das nun ändern. Auch nachts oder an Wochenenden können hier die echten – also nicht als digitales Finanzinstrument verwahrten („tokenisierten“) – Papiere der 40 wertvollsten deutschen börsennotierten Unternehmen gekauft werden, etwa SAP, Siemens oder Airbus.

Allerdings: Um dort handeln zu können, brauchen Privatpersonen wie bisher einen Broker, etwa die Hausbank, wo das eigene Depot liegt. Außerdem wichtig: 360X ist eine separate und von dem Handel über XETRA losgelöste Plattform.

„Sie wird auch durch die Bafin überwacht und reguliert, ist aber keine Börse im rechtlichen Sinne und für sie gelten etwas weniger strenge Auflagen“, erklärt Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank im Gespräch mit tagesschau.de.

Wie findet die Preisbildung statt?

Der Handelsmechanismus von 360X ist ein anderer als der im XETRA-Handel der Deutschen Börse. Tagsüber ist das Prinzip wie folgt: Während der regulären Handelszeiten werden zahlreiche Papiere zum Verkauf und Kauf angeboten, und die Preisfindung kommt über Angebot und Nachfrage im Orderbuch zustande.

Auf 360X sieht das anders aus: „Wer um drei Uhr nachts ganz dringend eine Rheinmetall-Aktie kaufen will, weil etwa ein Krieg ausgebrochen ist, schickt ein Kaufangebot heraus und wartet dann auf Gegenangebote“, erklärt Kapitalmarktexperte Stanzl. Das Ganze nennt sich Request for Quote. Der Käufer kann entscheiden, ob er eines davon annimmt oder ablehnt. Kommt keine Einigung zustande, wird auch kein Geschäft abgeschlossen.

Ein weiterer wichtiger Unterschied: Anders als während der regulären Börsenzeiten gibt es nachts und am Wochenende keinen fortlaufenden Handel über XETRA und damit auch keinen ständig aktualisierten XETRA-Kurs. Damit fehlt aber auch ein stets aktueller Referenzwert. Nachts etwa kann sich der tatsächliche Preis deutlich davon unterscheiden.

Was ist der Nutzen der erweiterten Zeiten?

Es ermöglicht insbesondere eine schnelle Reaktion auf unvorhergesehene Ereignisse. „Der neue Handel ist vor allem für alle Anleger interessant, die unbedingt zu einer ungewöhnlichen Position heraus wollen“, sagt Stanzl.

Er glaubt jedoch nicht an ein großes Volumen nachts: „Die meisten Menschen schlafen nachts.“ Schon jetzt sei das Volumen im nachbörslichen Handel deutlich geringer als während der regulären Handelszeiten.

Allerdings betont er auch: „Es gibt natürlich immer Tüftler, die das ausloten werden. Etwa wenn nachbörslich sehr gute Zahlen aus den USA kommen, die einen Effekt auf ein DAX-Unternehmen haben dürften. Sie werden dann schauen, ob sie da günstig reinkommen.“

Zudem hat die Deutsche Börse auch selbst ein Interesse an dem neuen Angebot: Denn im Bereich Krypto ist bereits jetzt ein Rund-um-die-Uhr-Handel gang und gäbe – und diese Anleger sind zunehmend auch an konventionellen Papieren interessiert. Zudem haben auch Wettbewerber wie die London Stock Exchange ähnliche Vorstöße angekündigt.

Wo liegen Risiken?

Wer nachts kaufen oder verkaufen möchte, dürfte mit einer größeren Preisspanne konfrontiert sein als zur regulären Börsenzeit. „Der Händler hat natürlich auch das Risiko, dass er die Gegenposition von drei Uhr nachts bis zum nächsten Morgen halten muss. Dieses Risiko will er weitergeben“, sagt Chefmarktanalyst Stanzl.

Dazu kommt: Während sich tagsüber auf XETRA viele Käufer und Verkäufer für eine Aktie finden, sind es nachts deutlich weniger. Dadurch liegen die Preise, zu denen Händler kaufen und verkaufen wollen, oft deutlicher auseinander. Wer in den frühen Morgenstunden ein Papier unbedingt loswerden möchte, bekommt dadurch möglicherweise weniger Geld für seine Aktie.

Kann man gleich loslegen?

Wer jetzt beim Lesen der Immobilien-Inserate am Sonntagmorgen das akute Bedürfnis verspürt, sofort eine Vonovia-Aktie zu kaufen, muss sich noch gedulden. Denn die Deutsche Börse hat zwar angekündigt, den 24/7-Handel für DAX-40-Aktien auf ihrer Tochter-Plattform 360X ab sofort einzuführen.

Doch nun müssen die Banken folgen. Bisher bietet keine Bank Privatpersonen den Rund-um-die-Uhr-Handel über 360X an. Die Geldhäuser braucht es aber: Privatpersonen können selbst weder an der Deutschen Börse noch auf der Plattform 360X handeln.

„360X ist mit verschiedenen Brokern im Gespräch“, sagt ein Sprecher der Deutschen Börse auf Anfrage von tagesschau.de. Er rechne damit, dass sich die Gespräche zeitnah konkretisieren werden. „Wir wollten als Deutsche Börse sagen: Wir sind bereit. Wir ermöglichen das.“ Sprich: Die Deutsche Börse legt vor, nun sind die Banken und Broker gefragt, die neue Möglichkeit ihren Kunden anzubieten.

Warum werden nur die DAX-40-Werte angeboten?

Das sind die gefragtesten Papiere an der Deutschen Börse. Hier gibt es die größte Nachfrage und damit das größte zu erwartende Handelsvolumen. „Wir wollen beobachten, wie dieses Angebot angenommen wird. Prinzipiell sind wir auch einer Ausweitung gegenüber aufgeschlossen und werden das im Blick behalten“, sagt der Deutsche-Börse-Sprecher.

Dennoch können über 360X bereits jetzt schon andere Werte gehandelt werden – etwa tokenisierte Papiere von wertvollen US-Unternehmen wie Nvidia und Tesla.

Ist das nun das Ende des Tageshandels?

Das ist Stand jetzt unwahrscheinlich. Und das betont auch der Sprecher der Deutschen Börse: „Der XETRA-Handel ist der Leuchtturm und daran orientieren sich auch die anderen Handelsplätze. Diesen Leuchtturm fassen wir nicht an, dort wird auch weiterhin der Referenzpreis für die DAX-40-Werte gebildet.“

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