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Startseite»Politik»„Diplomatische Meisterleistung“: Briten nach US-Rede von Charles III. begeistert
Politik

„Diplomatische Meisterleistung“: Briten nach US-Rede von Charles III. begeistert

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerApril 29, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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analyse

Stand: 29.04.2026 • 18:17 Uhr

Im Vorfeld hatte es in Großbritannien Befürchtungen gegeben: Zu groß sei die Gefahr, dass König Charles III. bei seinem US-Besuch von Trump düpiert werde. Doch nach seiner Rede vor dem Kongress ist die Begeisterung groß.

Gabi Biesinger

Die britische Zeitung iPaper ist linksliberal und nicht dafür bekannt, eine Lanze für das Königshaus zu brechen. Aber Kolumnistin Sarah Baxter zeigt sich begeistert von der Rede, die König Charles III. beim Staatsbesuch in den USA im Kongress gehalten hat:

Ich hätte nie gedacht, dass Seine Majestät Präsident Donald Trump so gekonnt in die Schranken weisen würde. Die Rede vor dem Kongress war die Rede seines Lebens, gehalten mit Bravour in einem makellos sitzenden Nadelstreifenanzug. Trump wurde vom britischen Monarchen gedemütigt. Immer wieder wies der König ihn zurecht. Die bissigen Bemerkungen folgten Schlag auf Schlag.

Die konservative Daily Mail spricht von einer „diplomatischen Meisterleistung“ und im Politik-Podcast „The Rest is Politics“ ist die Rede von einer diplomatischen Wunderwaffe.

„Briten stolz auf ihren König“

Im Vorfeld hatte es immer wieder Forderungen gegeben, die Reise abzusagen. Denn nachdem Trump in den vergangenen Wochen das Vereinigte Königreich und Premierminister Keir Starmer immer wieder schlechtgeredet hatte, sorgten sich viele, der US-Präsident könne den König düpieren.

Doch jetzt seien die Briten stolz auf ihren König, der mit viel Humor eine Rede gehalten habe, die viel politischer gewesen sei, als viele im Vorfeld gedacht hätten, analysiert die US-Korrespondentin der BBC, Sarah Smith.

Charles pries das Verteidigungsbündnis der NATO, zollte den mutigen Ukrainern Respekt, erklärte, die Menschheit müsse im Einklang mit der Natur leben. Indirekt sprach er sogar die Opfer des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein an. Einige Opfer hatten gefordert, Charles solle sich mit ihnen treffen, was der Palast wegen juristischer Bedenken während eines laufenden Verfahrens ablehnte.

Charles sagte, die lebendigen, vielfältigen und freien Gesellschaften in beiden Ländern würden es ermöglichen, die Opfer jener Missstände zu unterstützen, die in unseren Gesellschaften tragischerweise existierten. Dabei habe Charles auch die Epstein-Opfer im Sinn gehabt, ließ der Palast wissen.

Trump zeigt sich zufrieden

Angesichts der derzeitigen politischen Spannungen zwischen den USA und dem Vereinigten Königreich sprach der König unablässig heikle Themen an und widersprach an vielen Stellen Trumps Überzeugungen.

Doch der Kongress feierte Charles rund ein Dutzend Mal mit stehenden Ovationen. Auch als er die Gewaltenteilung erwähnte, auf der die US-Verfassung fußt. Die demokratische Opposition könnte sich dadurch vielleicht sogar ermutigt fühlen, die Gewaltenteilung künftig auch deutlicher zu verteidigen.

Donald Trump zeigte sich trotzdem zufrieden. Er habe offenbar keine der Aussagen des Königs als Affront genommen, hieß es aus Washington. Ganz nach seinem Geschmack war sicherlich ein Social-Media-Post des Weißen Hauses, der ein Foto von Trump und Charles zeigte – mit der Bildunterschrift „Zwei Könige“ und einem Kronen-Emoji.

Diese Anmaßung und auch, dass Trump den König ständig kumpelhaft anfasste, ihn Charles nannte und damit gegen die Etikette verstieß, nahmen die Briten mit „stiff upper lip“ zur Kenntnis.

Sorge wegen Trumps Iran-Aussagen

Allerdings trieb der US-Präsident der Delegation rund um den König kurz Schweißperlen auf die Stirn, als er beim Gala-Dinner über den Krieg gegen Iran sprach, vom Redetext abwich und offenbar Details aus einem privaten Gespräch mit dem König ausplauderte.

Trump sagte, man werde niemals zulassen, dass Iran Atomwaffen bekomme – Charles stimme mit ihm darüber überein, sogar mehr als er mit sich selbst. Zu den ehernen Gesetzen des britischen Königshauses gehört, dass der Monarch seine Meinung in politischen Fragen nie äußert.

Doch noch eherner ist das Gesetz, sich nie etwas anmerken zu lassen. Der Palast konterte lediglich, der König sei selbstverständlich im Bilde über die hinlänglich bekannte Position der Regierung zur Nichtverbreitung von Atomwaffen.

Erfolg für das Vereinigte Königreich?

Simon Lewis, ehemaliger Pressesprecher der mittlerweile verstorbenen Queen Elizabeth II. bilanziert, der Palast und die Regierung dürften zufrieden sein: Der König habe Ruhe in das angespannte Verhältnis der beiden Länder gebracht. Er habe den Mut gehabt, eine politische Rede zu halten und sei dabei zudem sehr witzig gewesen.

Die Frage bleibt allerdings, ob Trump seine Wertschätzung für den König nun künftig wie erhofft auf das Vereinigte Königreich insgesamt übertragen wird – oder ob die royale Aufwartung und die mahnenden Worte von Charles bald schon wieder in Vergessenheit geraten sein werden.

Beim republikanischen Abgeordneten Michael Baumgartner jedenfalls hat dieser erhoffte Übertragungs-Effekt schon jetzt nicht funktioniert: Er nannte in der BBC Premierminister Starmer ein erbärmliches linkes Würstchen, verglichen mit dem König, der stolz auf sein Land sei.

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Dr. Heinrich Krämer
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