marktbericht
Vor dem Zinsentscheid der EZB dürften die Anleger den Rückwärtsgang einschalten. Die Ölpreise steigen derweil kräftig an – mit ihnen nehmen auch die Konjunktur- und Inflationssorgen immer weiter zu.
Der DAX dürfte nach Berechnungen des Brokers IG mit einem Minus von einem Prozent in den Handelstag starten. Gestern hatte der deutsche Leitindex knapp unter der Marke von 24.000 Punkten geschlossen und ging mit einem Abschlag von 0,3 Prozent auf 23.954 Punkten aus dem Handel. Steigende Ölpreise und die Leitzinsentscheidung der US-Notenbank Federal Reserve am Abend hatten die Anleger zur Vorsicht gezwungen.
Die Fed hatte am Mittwoch den Leitzins bei 3,5 bis 3,75 Prozent unverändert gelassen. Die Fed bleibe bei ihrer abwartenden Haltung, schreibt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. „Der Iran-Krieg hat die Inflationsrate merklich steigen lassen, gleichzeitig scheint die US-Wirtschaft weiterhin einigermaßen Kurs zu halten. Gegenwärtig gibt es damit keine Notwendigkeit den Zins zu senken, zumal die Inflationsrate seit fünf Jahren über dem von der Fed angestrebten Ziel von 2 Prozent liegt“, so Gitzel.
Der US-Standardwerteindex Dow Jones hatte sich anschließend mit einem Minus von 0,6 Prozent bei 48.861 Punkten aus dem Handel verabschiedet. Der breit gefasste S&P 500 notierte kaum verändert bei 7.135 Zählern, der technologielastige Nasdaq stagnierte bei 24.673 Stellen.
Heute Nachmittag wird die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Zinsentscheid verkünden. Fachleute erwarten ebenfalls zunächst keine Veränderung. Die EZB dürfte die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Kriegs zunächst abwarten, lautet die Einschätzung der allermeisten Ökonomen. Der für den Markt wichtige Einlagensatz sollte demnach bei 2,0 Prozent bleiben.
„Für Juni halten wir eine Zinserhöhung aber nach wie vor für wahrscheinlich, insbesondere wenn sich die Hängepartie um die Straße von Hormus fortsetzt, die nach wie vor weitgehend blockiert ist“, kommentierte Commerzbank-Ökonom Marco Wagner. „Immerhin sind die Erinnerungen an den Inflationsschub 2022 noch frisch.“
Die Zentralbanken haben derzeit wieder mit einer steigenden Inflation zu kämpfen. Mit höheren Zinsen soll der Preisdruck gesenkt werden. Allerdings dämpfen höhere Zinsen die Konjunktur.
Mit Spannung wurden am späten Abend nach US-Börsenschluss die Bilanzen von drei großen Tech-Konzernen erwartet. Alphabet, Microsoft und Amazon konnten mit ihre Quartalsberichten zwar überzeugen. Gleichzeitig wachsen aber die Zweifel, ob sich die gewaltigen Investitionen in Künstliche Intelligenz langfristig auszahlen. Gerade bei Meta sorgten hohe Ausgaben für Künstliche Intelligenz für Skepsis, die Aktie geriet nachbörslich unter Druck.
Alphabet meldete im ersten Quartal des Jahres einen Gewinn von 62,6 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von fast 110 Milliarden Dollar und übertraf damit mühelos die Markterwartungen. Die Aktie des Technologieriesen stieg daraufhin im nachbörslichen Handel um mehr als sechs Prozent.
Amazon meldete ebenfalls einen starken Anstieg des Gewinns im ersten Quartal und erklärte, dass seine Investitionen in das KI-Start-Up Anthropic das Ergebnis erheblich beflügelt hätten. Der Konzern gab an, der Nettogewinn in den ersten drei Monaten des Jahres sei auf 30,3 Milliarden Dollar angestiegen, was fast einer Verdoppelung gegenüber 17,1 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum entspricht.
Gegenwind bekommt der Aktienmarkt von den kräftig zulegenden Ölpreisen. Am Rohstoffmarkt verteuerte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 3,1 Prozent auf 121,74 Dollar je Barrel (159 Liter) – ein Vierjahreshoch. Das US-Öl WTI notierte 2,1 Prozent fester bei 109,17 Dollar.
Händler verwiesen auf Sorgen, dass die Straße von Hormuz möglicherweise nicht zeitnah wieder öffnen könnte. US-Präsident Donald Trump erwägt nach Angaben aus Regierungskreisen wegen der festgefahrenen Verhandlungen mit dem Iran eine monatelange Blockade iranischer Häfen.
