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Startseite»Politik»Entsetzen nach Angriff auf Nonne in Jerusalem
Politik

Entsetzen nach Angriff auf Nonne in Jerusalem

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 4, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 04.05.2026 • 17:25 Uhr

In Jerusalem ist das Entsetzen groß, nachdem ein Mann eine Nonne attackiert hat. Christen warnen in Israel vor der zunehmenden Gewalt durch jüdische Extremisten.

Bettina Meier

Die Bilder der Überwachungskamera sind schwer zu ertragen: Eine Nonne durchquert eine Gasse in der Jerusalemer Altstadt. Ein Mann im schwarzen Shirt stößt die Frau mit Wucht zu Boden, bespuckt sie. Ihr Kopf schlägt auf den Steinboden auf. Der Mann tritt auf sie ein. Zu sehen unter seinem T-Shirt: die rituellen Fäden des jüdischen Gebetsgewands.

Der Vorfall ereignete sich vergangene Woche. Abt Nikodemus Schnabel von der deutschsprachigen Dormitio-Abtei erinnert sich an den Tag – und dass die französische Ordensschwester gerade seine Abtei am Rand der Altstadt besucht hatte:

Auf dem Weg zurück von ihrem Besuch ist sie die Gasse zwischen der Dormitio-Abtei und dem Abendmahl-Saal entlanggegangen. Eine Gasse, in der ich leider schon sehr häufig bespuckt, angerempelt, angepöbelt wurde. Und in dieser Gasse wurde sie von einem jüdischen Radikalen zu Boden geworfen und, während sie lag, getreten.

Zwei seiner Mitarbeiter hätten sehr schnell Krankenwagen gerufen. Mitarbeiter der Dormitio-Abtei seien Ersthelfer gewesen. Darauf sei er stolz, sagt Schnabel.

Geschockt sei er aber über die neue Qualität der antichristlichen Gewalt von jüdisch-nationalen Rechtsextremen. Angriffe auf Christen in Jerusalem seien nicht neu. Auch er selbst werde immer wieder attackiert. Fast täglich werde vor einem ausgespuckt, man werde angerempelt und angepöbelt, es gebe Hass-Graffitis.

„Nicht mal mehr Respekt vor einer Ordensfrau“

„Was mich nochmal auf einer anderen Ebene schockt: Dass ein Mann sich an einer Frau vergreift“, sagt er. „Greif‘ gern mich an, von Mann zu Mann. Aber ich finde, es ist nochmal eine absolute Verrohung, wenn man nicht mal mehr Respekt hat vor einer Ordensfrau.“

Er habe die Nonne nach dem Angriff besucht, erzählt der Abt. Sie habe eine Schürfwunde am Kopf, eine Gehirnerschütterung erlitten, sei stark mitgenommen. Immerhin sei die Ordensschwester aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Er berichtet von wiederholten Attacken: Abt Nikodemus Schnabel

Polizei hat Verdächtigen festgenommen

Die israelische Polizei teilte mit, sie habe einen 36-jährigen Mann in der Altstadt verhaftet. Ein Polizeivideo zeigt dies. Der Mann werde eines rassistischen Angriffs verdächtigt. Auf X erklärte die Polizei, jeder Angriff auf Mitglieder religiöser Gemeinschaften werde mit größter Ernsthaftigkeit behandelt.

Auch das israelische Außenministerium verurteilte den Angriff als „verabscheuungswürdig“. Es sprach von einer beschämenden Tat, die den Werten von Respekt, Koexistenz und Religionsfreiheit widerspreche.

Allein, dass der Vorfall von Regierungsseite kommentiert wird, ist bemerkenswert. Viele Übergriffe auf Christen – wie Pöbeleien auf der Straße oder wenn Kirchenmitglieder angerempelt werden – bleiben ohne Echo. Schnabel berichtet ebenfalls davon und wünscht sich eine klarere Haltung offizieller Stellen.

Auch für Wadie Abunassar, Koordinator des Christlichen Forums im Heiligen Land, sind die Äußerungen von Polizei und Regierung in diesem Fall nur Lippenbekenntnisse: Oft blieben Übergriffe auf Christen ohne ernste Konsequenzen, Verdächtige würden nach wenigen Tagen freigelassen, oft käme es gar nicht zu Verhaftungen.

Die öffentliche Reaktion von Polizei und Ministerium führt er darauf zurück, dass eine Überwachungskamera den Angriff aufgezeichnet habe.

„Ich bin sehr wütend und sehr traurig, weil die Übergriffe in absehbarer Zeit nicht aufhören werden“, sagt der Koordinator. „Mir fehlt eine klare Haltung der israelischen Behörden, dass gegen die Angreifer oft nicht genug unternommen wird und dass es keine wirksame Abschreckung gegen solche Taten gibt.“

„Es ist fünf nach zwölf“

Abt Nikodemus Schnabel betont, ihm fehle der Aufschrei in der israelischen Politik. Politiker könnten sich symbolisch an die Seite der christlichen Minderheit stellen und beispielsweise den Ort des Angriffs auf die Nonne besuchen. Nichts von dem sei in Jerusalem passiert, sagt Schnabel.

Es ist fünf nach zwölf, dass Israel entschieden gegen diese Form des jüdischen Terrorismus vorgeht und das nicht weiterlaufen lässt und den Minister, der für die nationale Sicherheit zuständig ist, weiter seinen Menschenhass verbreiten lässt. Vor allem die israelische Politik ist hier in der Verantwortung, von den Lippenbekenntnissen wegzukommen zu echtem Handeln.

Schnabel bezieht sich hier vor allem auf den Minister für Nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, der für seine kontroversen Äußerungen bekannt ist. So sagte er im Jahr 2023 beispielsweise nach Festnahmen von Ultraorthodoxen, die Christen anspuckten, dies sei „kein krimineller Fall“ und solle eher durch Erziehung behandelt werden. Die Äußerungen stießen auf internationale Kritik. In dem aktuellen Fall äußerte sich der Minister bislang nicht.

Erst kürzlich hatte ein weiterer Vorfall für Empörung vor allem in den christlichen Gemeinden Israels, aber auch international gesorgt: Im vergangenen Monat wurden zwei israelische Soldaten suspendiert, nachdem ein Foto im Internet einen israelischen Soldaten zeigte, der nahe dem christlichen Dorf Debel im Südlibanon mit einem Hammer auf eine Jesus-Statue einschlägt.

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