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Politik

Bedarf an Fachkräften: Die MINT-Lücke schrumpft

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 4, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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exklusiv

Stand: 04.05.2026 • 13:07 Uhr

Die Wirtschaftskrise wirkt sich auch auf die Jobchancen in MINT-Berufen aus: Die Fachkräftelücke in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik schrumpft, wie der aktuelle MINT-Report zeigt.

Moritz Rödle

Die sogenannte MINT-Lücke auf dem deutschen Arbeitsmarkt wird kleiner. Das zeigt der neue nationale MINT-Report, der dem ARD‑Hauptstadtstudio exklusiv vorliegt. Zweimal im Jahr – im Frühjahr und im Herbst – untersucht das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) den Fachkräftebedarf in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, kurz MINT.

Die anhaltende Wirtschaftskrise wirkt sich demnach auch auf die Arbeitsmarktchancen in MINT‑Berufen aus. Dennoch ist die Nachfrage nach Fachkräften weiterhin höher als das Angebot entsprechend qualifizierter Arbeitskräfte.

MINT-Lücke seit 2024 zum vierten Mal gesunken

Laut Report gab es im März 2026 rund 369.400 unbesetzte Stellen in MINT‑Berufen. Gleichzeitig waren bundesweit etwa 274.100 Personen mit MINT‑Ausbildung arbeitslos gemeldet. Da nicht alle Bewerberinnen und Bewerber die passenden Qualifikationen für die offenen Stellen mitbringen, ergibt sich eine Fachkräftelücke von 133.900 Personen.

Diese Lücke ist seit 2024 zum vierten Mal in Folge gesunken. Im Oktober 2024 fehlten noch rund 205.800 Fachkräfte in MINT‑Berufen, im Mai 2025 waren es 163.600.

Größte Engpässe in Energie- und Elektroberufen

Der MINT‑Report differenziert zudem nach einzelnen Berufsfeldern. Die größten Engpässe gab es im März in den Energie- und Elektroberufen mit 48.900 fehlenden Fachkräften. Auch in der Metallverarbeitung (26.500), in den Bauberufen (26.400) sowie in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik (22.900) fehlen viele qualifizierte Arbeitskräfte.

Während sich die Lücke in den Energie- und Elektroberufen um rund 9.000 Stellen verringerte, stieg der Fachkräftebedarf in der Metallverarbeitung um 4.300 und in der Baubranche um 900 Personen.

Fachkräfteeinwanderungsgesetz ist Hilfe

Deutlich größer wäre die Fachkräftelücke laut Studie ausgefallen, wenn nicht ausländische Fachkräfte in den deutschen Arbeitsmarkt eingewandert wären. Seit 2012 sei die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer deutlich stärker gewachsen als die von deutschen Beschäftigten. Ohne diese Entwicklung würde die Fachkräftelücke heute rund 600.000 Personen betragen.

Dabei habe auch das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz geholfen: Während die Zahl der Beschäftigten aus Drittstaaten zwischen 2012 und Ende 2020 lediglich um 30.000 zunahm, stieg sie zwischen Ende 2020 und September 2025 um rund 62.000.

Mehr Frauen für MINT-Berufe gewinnen

Um die Fachkräftelücke weiter zu verkleinern, schlagen die Autorinnen und Autoren des Reports insbesondere drei Maßnahmen vor. Erstens müsse es gelingen, mehr Frauen für MINT‑Berufe zu gewinnen. Dafür sei es entscheidend, das Interesse junger Frauen am Mathematikunterricht und an weiteren MINT‑Fächern zu stärken.

Eltern sollten für „geschlechtsbezogene Stereotype hinsichtlich des MINT‑Unterrichts und der Leistungsfähigkeit ihrer Töchter“ sensibilisiert werden. In der Berufs- und Studienorientierung sollten MINT‑Berufe zudem stärker über ihre gesellschaftliche Sinnhaftigkeit vermittelt werden, etwa durch eine stärkere Betonung von Klima‑, Umwelt- oder Gesundheitsberufen.

„Kraftanstrengung aller gesellschaftlichen Akteure“

Zweitens plädieren die Autorinnen und Autoren dafür, ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer länger im Erwerbsleben zu halten. Dafür seien gezielte Weiterbildungsangebote ebenso notwendig wie bessere Rahmenbedingungen für einen späteren Renteneintritt.

Drittens müsse die Fachkräftezuwanderung weiter ausgebaut werden. Bürokratische Prozesse sollten vereinfacht, beschleunigt und digitalisiert werden. Zudem brauche es gezielte Maßnahmen, um internationale Studierende nach ihrem Abschluss im Land zu halten. Ein Großteil von ihnen studiere MINT‑Fächer und beabsichtige, langfristig in Deutschland zu bleiben.

Insgesamt sei eine „massive, koordinierte Kraftanstrengung aller gesellschaftlichen Akteure zur Förderung der MINT‑Bildung“ notwendig, um Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland langfristig zu sichern, erklärten Indra Hadeler und Tobias Ernst vom Nationalen MINT‑Forum gegenüber dem ARD‑Hauptstadtstudio.

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