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Absurde WM-Parallelen: „Das war so ein Knall“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 21, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Absurde WM-Parallelen

„Das war so ein Knall“ – DFB-Team schafft, was ihm zuletzt 2006 gelang

21.06.2026 | 11:43 Uhr

Der deutschen Nationalmannschaft gelingt bei der Fußball-WM 2026, was ihr seit 20 Jahren nicht gelungen ist: Sie gewinnt tatsächlich ihre ersten beiden Spiele. Der Sieg gegen die Elfenbeinküste weckt noch aus einem anderen Grund gute Gefühle.

Fast 20 Jahre ist es her. Und dennoch ist dieser Moment den deutschen Fußball-Fans ins Gedächtnis getackert. Am 14. Juni 2006, in einer warmen Mittwochnacht, rennt David Odonkor los. Der deutsche WM-Nobody macht sich in seinem Stadion, dem Dortmunder, auf rechts auf und davon. Odonkor flankt in die Mitte. Dort sprintet Oliver Neuville heran. Er trifft! 90. Minute. Erlösung. Eskalation. 1:0 gegen Polen. Im zweiten Gruppenspiel feiert das DFB-Team den zweiten Sieg. Womöglich ist das der Moment, der das Sommermärchen möglich machte.

„Hier spielen sich unglaubliche Szenen ab“, brüllte damals ARD-Mann Steffen Simon ins Mikrofon. Die Spieler fielen übereinander her. Bundestrainer Jürgen Klinsmann eskalierte. 20 Jahre später rief der ZDF-Kommentator ähnliche Worte in die Bundesrepublik: „Was für Bilder, was für Emotionen.“ Wieder Jubel-Rudel. Wieder ein völlig ekstatischer Bundestrainer.

Undav überragend, Schlotterbeck verletzt, Musiala glücklos

An diesem Samstagabend, am 20. Juni 2026, wiederholte sich die Geschichte. Zumindest ein bisschen. Erstmals seit dem Odonkor-Moment, der eigentlich ein Neuville-Moment ist, gewinnt Deutschland seine ersten beiden Gruppenspiele bei einer Weltmeisterschaft. 2010 vergeigten es die DFB-Männer gegen Serbien mit 0:1, beim WM-Titel 2014 gab’s ein 2:2 gegen Ghana. Danach nur noch Desaster.

„Das war so ein Knall. Da kriegt man heute noch Gänsehaut. Das war einmalig“, erinnert sich der mittlerweile 41-jährige Odonkor in der Doku des ZDF über das Sommermärchen, die zur laufenden WM ausgestrahlt wird. Damals war das Land angezündet. Erstmals brach kollektiver Nationalstolz aus. Die Welt war zu Gast bei Freunden. Bei guten, bei glücklichen Freunden. Die Zeiten waren politisch leichter, unbeschwerter. Angela Merkel war noch die „Mutti der Nation“, eine Kugel Eis kostete 50 Cent (wirklich?) und iPhones gab es noch nicht. 2026 lasten dagegen die Krisen der Welt schwer. Auch auf der WM. Erlösung, Knall? Die Sehnsucht danach ist groß.

Und nun? Kann der Sieg gegen die lange stark spielende Elfenbeinküste wieder Großes auslösen? Vielleicht spricht man in 20 Jahren ja vom Undav-Moment. Denn wie 2006 war’s wieder der Joker, der die Dinge regelte.

Undav macht alle verrückt – auch Nagelsmann?

Undav sprintete nicht die Seite entlang (wie Odonkor), er donnerte nicht in den Strafraum (wie Neuville). Undav schlich sich frei, wurde von Felix Nmecha brillant freigespielt. Der Stürmer nahm den Ball an, drehte sich und schloss perfekt ab. Dann wieder ein 2006-Moment: Nachspielzeit (94.), Siegtreffer, Erlösung, Eskalation. Und wieder wartet zum bedeutungslosen Vorrunden-Abschluss das Team aus Ecuador. Verrückt!

Nagelsmann singt Lobeshymne auf Deniz Undav

Neun Tore hat Undav in den jüngsten acht Länderspielen geschossen, schon drei in zwei WM-Partien, dazu zwei Vorlagen – eine Torbeteiligung alle elf (!) Minuten. Undav ist der Mann der Stunde. Und hat längst eine ganz andere Rolle im Team als damals Odonkor und Neuville. Ob die sich nun ändert? Vom Joker zur Stammkraft? „Das ist doch top für ihn gerade“, wiegelte Bundestrainer Julian Nagelsmann lachend ab, „viel mehr Entscheider als er kann man nicht sein. Warum sollte ich seinen Flow jetzt brechen? Seine Rolle erfüllt er herausragend.“

Nur Neuer weiß, was auf Deutschland zukommt

Erstmals seit dem WM-Titel 2014 spielt die DFB-Auswahl nun wieder ein K.-o.-Spiel bei einer WM. Der einzige Spieler im Kader, der damit Erfahrungen hat, ist Manuel Neuer. „Man merkt, in der Mannschaft will man immer auf Sieg spielen. Der Glaube ist einfach da. Wir haben einfach die richtige Mentalität in der Mannschaft“, urteilte die zurückgekehrte Nummer eins der Nationalmannschaft. Wie es nach dem letzten Gruppenspiel für Deutschland im neuen Sechzehntelfinale weitergeht, ist noch völlig unübersichtlich.

In der Gruppe A könnten Südkorea, Tschechien oder Südafrika noch Dritter werden. In der Gruppe B gilt dies für die Schweiz, Bosnien und Herzegowina sowie Katar. Aus der Gruppe C sind Rekordweltmeister Brasilien, Marokko oder Schottland mögliche Dritte, aus der Gruppe D Australien und Paraguay. Und in der Gruppe F kämen noch Japan oder Schweden infrage. Die Skandinavier, Obacht, waren 2006 Gegner in der K.-o.-Runde – sie unterlagen 2:0.

Spielen Sie bald von Anfang an, Herr Undav?

Video poster

Die Art, wie das Team gegen die Elfenbeinküste den Sieg erzwang, beeindruckte auch Nagelsmann: „So emotionale Siege sind vielleicht wichtiger als einfache. Das tut gut, alle spüren die Wertigkeit. Nach dem Siegtreffer lag die ganze Mannschaft im Eck, das ist ein cooles Zeichen. Das kann schon Kräfte freisetzen. Ich hoffe, dass noch einige emotionale Siege dazukommen.“ Das Sommermärchen 2006 lässt grüßen. Gute Zeiten in einer anderen Welt. Zeit, dass sich was dreht.

Verwendete Quellen: ntv.de, tno

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