Airbus hat sich neue ehrgeizige Ziele gesetzt. Getragen von einer hohen Nachfrage nach Fracht- und Passagierflugzeugen soll der Gewinn des DAX-Konzerns bis 2029 deutlich steigen. Die Börse ist begeistert.
Solche Nachrichten kommen an der Börse immer gut an: Der deutsch-französische Flugzeugbauer Airbus will seinen bereinigten Gewinn (vor Zinsen und Steuern) bis 2029 von zuletzt 7,1 Milliarden Euro deutlich auf 12 bis 13 Milliarden Euro steigern, wie das Unternehmen am Abend nach Börsenschluss mitteilte.
Grund ist die hohe Nachfrage nach Fracht- und Passagierflugzeugen. Zudem peilt das Management um Konzernchef Guillaume Faury einen milliardenschweren Aktienrückkauf an.
Airbus-Aktie an der DAX-Spitze – auch MTU profitieren
Kein Wunder, dass die Anleger bei solchen Nachrichten zugreifen. Airbus-Aktien steigen am Mittag um über sechs Prozent und führen den deutschen Leitindex an. Im Schlepptau von Airbus beenden auch die Aktien des Triebwerkherstellers MTU ihre Talfahrt im DAX seit Anfang Juli. Sie legen rund 2,3 Prozent zu.
Zwischenzeitlich hatten 2026 der Iran-Krieg und der hohe Ölpreis die Papiere von Airbus, MTU sowie andere Aktien aus der Luftfahrtbranche abwärts geschickt. Derzeit trifft sich die Branche auf der Farnborough Airshow und präsentiert dort ihre Produkte.
Analysten heben den Daumen
Auch die Analysten sind zufrieden. Nach Ansicht des Branchenexperten David Perry von der US-Bank JP Morgan enthalten die Aussagen des Flugzeugbauers vom Vorabend alles, was den Kurs der Aktien nach oben treiben sollte. So habe das Unternehmen erstmals seit 2013 mittelfristige Zielvorgaben verkündet, und diese lägen eher über den Erwartungen.
Den Aktienrückkauf wertete er ebenfalls positiv, auch wenn dessen Umfang etwas geringer ausfalle als angenommen. So will Airbus binnen drei Jahren fünf Milliarden Euro für den Rückkauf eigener Aktien ausgeben.
Laut Holger Schmidt von der DZ Bank implizieren die Mittelfristziele attraktive Wachstumsraten und eine steigende Profitabilität. Analyst George McWhirter von der Berenberg Bank sah das Gewinnziel im Erwartungsrahmen, der grundlegende Ton klinge aber optimistischer. Wegen des Rückkaufpakets erhöhte er seine Schätzungen für den Gewinn je Aktie, der bei einer sinkenden Aktienzahl höher ausfällt.
Das für 2029 in Aussicht gestellte Ebit-Ziel basiere wohl auf vorsichtigen Annahmen, schrieb UBS-Experte Ian Douglas-Pennant. Das milliardenschwere Aktienrückkaufprogramm dürften Anleger so nicht auf dem Schirm gehabt haben, glaubt er.
Volle Auftragsbücher
Airbus sitzt in seinem Kerngeschäft mit Passagierjets auf prall gefüllten Auftragsbüchern. Vor allem wegen Engpässen bei Zulieferern wie Triebwerksbauern kommt der Konzern kaum hinterher, die starke Nachfrage der Fluggesellschaften nach seinen Flugzeugen zu stillen. So musste Faury die ehrgeizigen Produktionsziele für die meistgefragte Flugzeugfamilie A320neo wiederholt in die Zukunft verschieben.
Mittlerweile ist der ehemalige MTU-Chef Lars Wagner bei Airbus Spartenchef für die Triebwerke. Wagner rechnet sich für die kommenden Jahre bei den Passagierjets teils deutlich höhere Margen aus. So ist Airbus mit seiner Modellfamilie A320neo Marktführer bei den Mittelstreckenjets und will die Produktion der Reihe bis 2027 auf monatlich 70 bis 75 Maschinen steigern.
Größere Chancen als bislang wittert Wagner im Markt der Großraumjets für die Langstrecke, bei denen der kriselnde Konkurrent Boeing aus den USA bisher den größeren Teil des Marktes beherrscht. Gerade für den Airbus A350 sehe er die Chance, die Produktion künftig weit über die für 2028 geplanten 12 Maschinen pro Monat zu steigern.
Rüstungssparte auf Kurs
Die Rüstungs- und Raumfahrtsparte Defence & Space und das Hubschraubergeschäft steuern zum konzernweiten Ergebnis vergleichsweise wenig bei.
Aber auch sie sollen zulegen – nicht zuletzt, weil die europäischen Staaten angesichts der Bedrohung aus Russland und der unsicheren Unterstützung durch die USA ihr Militär aufrüsten. Zusammen sollen Airbus Defence & Space und Airbus Helicopters ihr bereinigtes operatives Ergebnis bis 2029 auf etwa 2,5 Milliarden Euro steigern.
DAX klettert weiter
Der DAX knüpft derweil an den Schwung aus dem späten Geschäft vom Dienstag an und steigt am Mittag um 0,7 Prozent. Der Index bleibt damit trotz der Iran-Krise stabil auf hohem Niveau. Anleger blicken zunehmend auf die neue Berichtssaison der Unternehmen.
