Schon längst werden in Großbritannien Nachfolger für Premier Starmer gehandelt. Einer der Aussichtsreichsten: Andy Burnham, Bürgermeister von Manchester. Für Starmer könnte er zur ernsthaften Gefahr werden.
Andy Burnham, Bürgermeister von Manchester, hat es auf so ziemlich jede Titelseite der britischen Zeitungen geschafft. Manche handeln ihn schon als nächsten Premierminister. Für den derzeitigen Premier Keir Starmer ist er sicherlich der gefährlichste Rivale.
Gestern kündigte Burnham an, dass er sich für eine Nachwahl aufstellen lassen wolle, um einen Sitz im Unterhaus zu bekommen. Erst dann könnte Burnham Starmer offiziell herausfordern. Ein Labour-Abgeordneter aus der Nähe von Manchester tritt dafür extra zurück.
Es ist eine Nachricht, die viele in der Labour-Partei begrüßen. So auch der Labour-Abgeordnete Simon Opher: „Ich glaube, er ist zurzeit der beliebteste Politiker in Großbritannien, und ich bin wirklich froh, dass er die Chance bekommen hat, ins Amt zu kommen. Auch wenn es eine ziemliche Herausforderung ist.“
Burnham setzt alles auf eine Karte
Allerdings muss Andy Burnham die Nachwahl erstmal gewinnen. Keine leichte Aufgabe, denn im Wahlkreis Makerfield hat bei den Kommunalwahlen vergangene Woche die Rechtsaußen-Partei Reform UK enorm zugelegt. Und der Reform-Vorsitzende und Brexit-Populist Nigel Farage hat bereits angekündigt, dass seine Partei „alles dafür geben“ wird, die Nachwahl zu gewinnen.
Burnham setze alles darauf, Reform UK schlagen zu können, sagt die Politikjournalistin Rachel Sylvester, die für die Zeitung Observer schreibt. „Und wenn er das in Makerfield schafft, wird sein Argument gegenüber der Labour-Partei wohl sein: ‚Ich bin der Richtige, um es mit Nigel Farage aufzunehmen. Ich schaffe es in Makerfield, ich schaffe es überall.'“ Und das sei ein ziemlich überzeugendes Argument, so die Journalistin – aber es sei natürlich auch ein Risiko.
Selbst, falls Burnham die Nachwahl verlieren sollte, Keir Starmers Tage als Premierminister dürften gezählt sein. Denn auch Wes Streeting, der gestern als Gesundheitsminister zurücktrat, könnte jederzeit den Kampf um die Parteispitze offiziell eröffnen. Auch wenn seine Strategie bis jetzt ist, auf Andy Burnham zu warten.
Journalistin: Glaube nicht, dass Starmer das übersteht
„Jetzt, wo diese großen Persönlichkeiten offen sagen, dass sie die Parteiführung übernehmen wollen, glaube ich nicht, dass Starmer das überstehen kann“, betont Sylvester. „Er würde eine Wahl um den Vorsitz nicht überstehen und hat einfach auch nicht mehr die Unterstützung seiner Partei – und genau die braucht man letztendlich, um in der Downing Street 10 zu bleiben.“
Bis jetzt scheint Starmer allerdings keinen Plan für einen baldigen Rücktritt zu hegen. Heute Morgen besuchte er eine Polizeistation in London. Fragen von Journalisten nahm er nicht an. Ewig wird Starmer aber wohl nicht schweigen können. Zumal sich auch die Briten fragen, wer in den kommenden Wochen ihr Land regieren wird. Und ob ein Premierminister ohne Autorität in der eigenen Partei das überhaupt noch kann.
