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Politik

Antisemitismus trifft fast jede zweite jüdische Gemeinde

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 1, 2026Keine Kommentare2 Minuten Lesezeit
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Stand: 01.05.2026 • 12:47 Uhr

Antisemitismus habe eine Normalisierung erfahren, kritisiert der Zentralrat der Juden. Laut einer Umfrage ist fast jede zweite jüdische Gemeinde von Vorfällen betroffen. Viele Juden verbergen demnach ihre Identität.

In Deutschland erleben viele Jüdinnen und Juden in Deutschland ihre Lage weiterhin als bedrückend. In einer Umfrage des Zentralrats der Juden erklärten 68 Prozent von 102 jüdischen Gemeinden, es sei für sie unsicherer als vor dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023. Der Wert sei seit 2024 von damals 82 Prozent etwas gesunken, aber immer noch sehr hoch.

Demnach berichtete bundesweit fast jede zweite jüdische Gemeinde (46 der 102) von antisemitischen Vorfällen in den vorangegangenen zwölf Monaten. Besonders häufig ging es laut Zentralrat um Beleidigungen, Drohanrufe, Hasskommentare, Sachbeschädigung und Schmierereien an Gebäuden.

Das anhaltende Unsicherheitsgefühl zeige sich bei vielen Juden in Deutschland durch den Verzicht auf das Tragen von jüdischen Symbolen wie der Kippa oder Ketten mit Davidstern. Auch verböten einige Eltern ihren Kindern, ihre jüdische Identität preiszugeben.

Keine Besserung nach Ende des Gaza-Kriegs

Der Waffenstillstand zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas im Oktober 2025 hat die Lage laut Zentralrat aus Sicht von 61 Prozent der betroffenen Gemeinden in Deutschland nicht verändert. 18 Prozent berichteten demnach von einer Verbesserung, 13 Prozent von einer Verschlechterung. Der Krieg Israels und der USA gegen Iran seit Februar habe jedoch nach Einschätzung von 62 Prozent der Gemeinden in Deutschland eine Verschlechterung ihrer Lage ergeben.

Zentralratspräsident Josef Schuster sprach von einer „neuen Normalität“. Es sei „eine Lage, in der jüdische Gemeinden permanent geschützt werden müssen und der Antisemitismus als Teil des öffentlichen Raums eine Normalisierung erfahren hat“, sagte er zu der Umfrage. Selbst wenn in Graffitis in Berlin zu Mord an Juden aufgerufen werde, folge keine Entrüstung. „Diese Zustände sind unhaltbar“, sagte Schuster.

Drittes Lagebild seit Hamas-Massaker

Statistiken weisen seit dem Hamas-Überfall auf Israel auch in Deutschland einen starken Anstieg registrierter antisemitischer Vorfälle aus. Für 2024 erfasste der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) 8.627 solcher Fälle, 77 Prozent mehr als 2023. Davon wurden 5.857 Fälle als „israelbezogener Antisemitismus“ eingestuft.

Vor diesem Hintergrund erstellte der Zentralrat nun schon zum dritten Mal ein „Lagebild“ der jüdischen Gemeinden. Befragt wurden Führungspersonen. Die vorherigen Umfragen nach demselben Muster stammen von Ende 2023 und Oktober 2024. Die jüngsten Daten wurden im März 2026 erhoben.

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