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Politik

Besserer Hitzeschutz: Nach der Hitzewelle kommt die Diskussion

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 29, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 29.06.2026 • 10:10 Uhr

Nach einer Woche mit Hitzerekorden wird es heute kühler. Die politische Debatte um besseren Hitzeschutz in der Zukunft hat aber gerade erst begonnen.

Birthe Soennichsen

Nach einem glühend heißen Wochenende und einem vorläufigen Temperaturrekord in Deutschland von 41,7 Grad im Osten Brandenburgs ist Abkühlung in Sicht – teilweise begleitet von Gewitter und Starkregen.

Eine aktuelle Studie der World Weather Attribution kommt zu dem Ergebnis: So eine Hitzewelle wäre vor 50 Jahren fast unmöglich gewesen. Deutschland und Europa erwärmten sich demnach durch den Klimawandel schneller als andere Regionen auf der Welt.

Das ist ein Problem für Städte, Straßen und Schienen, sagt Mobilitätsforscher Andreas Knie. „Dafür ist das, was wir an Infrastruktur haben, dafür ist unser Leben bisher gar nicht angepasst gewesen.“

Gesperrte Autobahnen, gestrichene Züge

Dass sich Deutschland besser an den Klimawandel anpassen muss, hat sich an diesem Wochenende gezeigt: Autobahnen waren teilweise gesperrt, weil die Hitze die oberste Asphaltschicht hat aufplatzen lassen.

Die Deutsche Bahn rief dazu auf, auf alle nicht notwendigen Reisen zu verzichten. Viele Fernzüge, Regionalzüge, aber auch Straßenbahnen blieben stehen. Zum Beispiel in Leipzig – dort beschädigte geschmolzene Fugenmasse Schienen und Weichen. Ähnliche Probleme gab es in Nürnberg und Würzburg.

Deutschlands Infrastruktur kommt an seine Grenzen, meint Mobilitätsforscher Knie. „Der Asphalt ist nicht auf diese Temperaturen ausgerichtet.“ Das gelte auch für die Startbahnen auf Flughäfen.

Grüne bescheinigen Regierung „Totalausfall“

Die Grünen hatten das Thema Hitzeschutz in der vergangenen Woche auf die Tagesordnung des Bundestages gesetzt. Sie werfen der Bundesregierung vor, beim Klimaschutz ein „Totalausfall“ zu sein.

Fraktionschefin Katharina Dröge fordert jetzt von der Bundesregierung ein Sofortprogramm: „Das Wichtigste wäre, dass man alte Menschen und Kinder besser schützt.“

Sie fordert etwa Klimaanlage in Pflegeeinrichtungen, in Krankenhäuser und in Schulen. „Wenn es in Kombination mit einer Solaranlage ist, dann bekommt man den Strom auch noch günstig und den Energieverbrauch in den Griff.“

Hitzeschutz scheitert oft am Geld

Zuständig für den Hitzeschutz sind vor allem die Kommunen: Sie entscheiden über Sonnensegel, Hitzeaktionspläne, Trinkbrunnen oder neue Grünstreifen und Bäume. Wie gut eine Stadt auf Hitzewellen vorbereitet ist, kann sehr unterschiedlich sein.

Häufig scheitert besserer Hitzeschutz am Geld, sagt der CDU-Politiker Uwe Conradt. Er ist Vize-Präsident des deutschen Städtetages und betont, dass vielen Städten und Gemeinden das Geld ausgehe.

„Wir haben historisch hohe Haushaltsdefizite. Wenn das Freibad schließt, kann das noch so gerne genannt werden als notwendige Maßnahme zur Hitzevorsorge.“ Es brauche eine ausreichende Finanzierung der Kommunen im Allgemeinen, so Conradt. „Das gilt auch für den Bereich des Hitzeschutzes und der Klimaanpassung.“

Hohe Belastung für Krankenhäuser und Pflegeheime

Die Hitze kostet jedes Jahr Tausende Menschenleben. Im Hitzesommer 2018 waren es laut Robert Koch-Institut beeispielsweise mehr als 8.000 hitzebedingte Todesfälle. Rettungswagen und Notärzte mussten am vergangenen Wochenende häufig ausrücken.

Die Stadt Köln teilte etwa mit, dass der Rettungsdienst an seine Kapazitätsgrenzen gekommen ist. Die Dresdener Feuerwehr berichtet von Rekordeinsatzzahlen in diesem Jahr. Auch in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist die Belastung für Patienten, Bewohner und das Personal enorm.

Uwe Janssens von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) nimmt die Länder in die Pflicht, daran etwas zu ändern. „Um die Krankenhäuser resilient zu machen, benötigen wir eigentlich 21 bis 30 Milliarden Euro.“ Die würden von den Ländern einfach nicht bereitgestellt, so Janssens. „Auf der anderen Seite heißt es sparen. Die Krankenhäuser können das selbst nicht übernehmen.“

Stiftung Patientenschutz fordert mehr Finanzierung

Die Länder sind für Investitionen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zuständig. Dort fehlt vielerorts Schutz gegen die Hitze. In Dormagen mussten Bewohner eines Seniorenheims verlegt oder im Krankenhaus behandelt werden – einige Räume waren auf 35 Grad und mehr aufgeheizt.

Die deutsche Stiftung Patientenschutz hat Gesundheitsministerin Warken und Umweltminister Schneider dazu aufgefordert den Pflegeheimen Geld zur Verfügung zu stellen, damit sie sich besser auf die Klimawandel einstellen können. Auch die Caritas macht sich für ein Förderprogramm vom Bund stark, um Gebäude umzubauen.

Uwe Janssens von der DIVI meint: „Die armen alten Menschen in Pflegeheimen sind fast völlig schutzlos. Da tut der Staat fast gar nichts. Da müssen die caritativen Einrichtungen selbst die Mittel aufwenden und legen das dann auf die Bewohner um.“

Schneider verweist auf Länder und Kommunen

Nach dem zurückliegenden Wochenende sei klar, „dass wir im Klimawandel sind, dass sich unsere Bedingungen, was die Umwelt betrifft, verändern“, sagte der Umweltminister Carsten Schneider im Deutschlandfunk.

Beim Thema Hitzeschutz verwies er aber auf die Verantwortung der Länder und Kommunen. Der Bund habe ihnen zu Beginn dieser Legislatur für die nächsten Jahre 100 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen für Infrastruktur zur Verfügung gestellt, sagte der SPD-Politiker im Deutschlandfunk. „Und ich finde, das ist ausreichend.“

Gleichzeitig wolle der Bund beim Hitzeschutz weiter unterstützen. Er „arbeite gerade bei der Haushaltsaufstellung daran, dass wir das auch in den nächsten Jahren mitfinanzieren können“, sagte Schneider.

Dieses Hitzewochenende hat zahlreiche Probleme und politische Forderungen zutage gebracht. Die Bundesregierung setzt aber gerade andere Prioritäten als Klimaschutz und Klimaanpassung.

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Dr. Heinrich Krämer
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