Bezug zu Abzug aus Deutschland?Trump-Regierung stoppt Entsendung von 4000 US-Soldaten nach Polen
Die Entscheidung wirft neue Fragen über amerikanische Truppenreduzierungen in Europa auf: Ohne Rücksprache mit dem Kongress entscheidet das US-Verteidigungsministerium, dass 4000 Soldaten nun doch nicht nach Polen verlegt werden. In Warschau zeigt man sich betont gelassen.
Nach dem angekündigten Teilabzug von US-Truppen aus Deutschland streichen die Vereinigten Staaten überraschend die geplante Verlegung von 4000 Soldaten nach Polen. Der amtierende Generalstabschef der US-Armee, Christopher LaNeve, bestätigte die Entscheidung vor dem Streitkräfteausschuss des Repräsentantenhauses.
„Es war am sinnvollsten, dass diese Brigade nicht im Einsatzgebiet stationiert wurde“, sagte er, ohne näher darauf einzugehen. Ranghohe Demokraten und Republikaner kritisierten den Schritt und äußerten sich verärgert darüber, dass der Kongress anders als vorgeschrieben weder informiert noch konsultiert worden sei.
Die Entscheidung wirft neue Fragen über die von US-Präsident Donald Trump erwarteten Truppenreduzierungen in Europa auf. Der Staatschef hatte sich zuletzt über die aus seiner Sicht nicht ausreichende Hilfe der Europäer für seinen Iran-Krieg enttäuscht geäußert. Anfang Mai hatte das US-Verteidigungsministerium den Abzug von 5000 Soldaten aus Deutschland angekündigt, Trump kündigte kurz darauf noch mehr an.
Die Bundesrepublik ist derzeit mit gut 39.000 US-Soldaten der größte Stützpunkt des US-Militärs in Europa und dient als wichtiges Ausbildungszentrum. Rund 68.000 US-Soldaten sind nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums dauerhaft in Europa stationiert. Tausende weitere sind im Rotationsprinzip im Einsatz, vor allem in Staaten an der Nato-Ostflanke.
Einem US-Regierungsvertreter zufolge könnten die Truppen, die eigentlich nach Polen verlegt werden sollten, stattdessen von anderswo kommen. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk erklärte, er habe Zusicherungen erhalten, dass Polens Sicherheit durch die Entscheidungen zur US-Truppenpräsenz nicht beeinträchtigt werde. Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz äußerte die Vermutung, die gestoppte Entsendung der US-Kampfbrigade könnte mit dem angekündigten Truppenabzug in Deutschland zusammenhängen. „Wenn eine andere Brigade als die ursprünglich geplante nach Polen entsandt wird – vielleicht die aus Deutschland – und 5000 Soldaten Deutschland in Richtung Polen verlassen (…), ändert sich an den Sicherheitsgarantien nichts“, sagte Kosiniak-Kamysz.
