BMW meldet einen deutlichen Gewinneinbruch. Nicht nur die Münchner, auch die anderen deutschen Autobauer haben in den vergangenen Tagen ihre Bücher geöffnet. Es zeigt sich: Die Krise sitzt tief.
Die deutsche Autoindustrie steckt in eine tiefen Krise, wie die jüngsten Quartalszahlen der großen Autobauer einmal mehr zeigen. Vor allem auf dem chinesischen Markt rächt sich nun aber das lange Festhalten am Verbrennermotor – eine Entscheidung, die deutsche Autobauer auch trafen, weil sich die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland und der EU mehrfach änderten und noch immer nicht klar sind. So ist weiter unklar, wie es mit dem Verbrenner-Aus weitergehen wird.
Mittlerweile dominieren in China heimische, sehr wettbewerbsfähige E‑Auto-Anbieter, und deutsche Marken verlieren Marktanteile und Margen. Hinzu kommen aktuell die US-Zölle und zuletzt die Auswirkungen der Krise im Nahen Osten auf die weltweite Konjunktur. All das schlägt sich in den Büchern der Autobauer nieder.
BMW vor dem Verlust des Musterschüler-Image?
Aktuelle Lage
Die Lage beim einstigen Musterschüler BMW ist angespannt: Im zweiten Quartal ist der Gewinn nach Steuern auf 1,2 Milliarden Euro gefallen, rund 35 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch der Umsatz ging spürbar zurück – von 34 auf 31 Milliarden Euro. Besonders problematisch ist die Autosparte: Dort brach das operative Ergebnis um über 60 Prozent auf 629 Millionen Euro ein, sodass BMW im Quartal mehr mit Finanzdienstleistungen verdient hat als mit dem Kerngeschäft, der Herstellung von Autos.
Während BMW in Europa und den USA mehr Pkw verkaufte – vor allem die Elektromodelle der sogenannten Neuen Klasse sind hier gefragt -, schrumpfte der Absatz in China deutlich. Die Schwäche auf dem chinesischen Markt ist ein wesentlicher Belastungsfaktor. Hier ging der Auto-Absatz im ersten Halbjahr um 20,4 Prozent, im zweiten Quartal um 30,2 Prozent zurück. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerb, vor allem durch lokale und E-Auto-Hersteller, weiter zu.
Die Gewinnentwicklung zeigt insgesamt eine klare Abwärtsspirale: Im ersten Halbjahr 2026 erzielte BMW 2,9 Milliarden Euro Gewinn, nach 4,0 Milliarden im Vorjahr und noch deutlich höheren Werten in den Jahren zuvor.
Sparmaßnahmen
Angesichts der neuerlichen Rückgänge verschärft BMW seine Sparmaßnahmen und hat nun – wie zuvor auch die anderen großen Autobauer – ebenfalls einen Stellenabbau angekündigt. Der Konzern will weltweit rund 8.000 Stellen abbauen und legt dafür unter anderem ein Abfindungsprogramm in Deutschland auf. Bereits im vergangenen Jahr wurden 2,5 Milliarden Euro eingespart, nun sollen Effizienzmaßnahmen weiter intensiviert und beschleunigt werden.
Ausblick
Eine schnelle Erholung ist nicht in Sicht. Die Restrukturierung – inklusive Stellenabbau und Umbaukosten – wird das Ergebnis im zweiten Halbjahr zusätzlich belasten. Gleichzeitig bleibt der weltweite Automarkt schwierig, allen voran China.
Mercedes kann Betriebsergebnis steigern
Aktuelle Lage
Im zweiten Quartal hat sich Mercedes-Benz im Vergleich zum schwachen Vorjahreszeitraum spürbar verbessert: Das Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg um 21,5 Prozent auf 1,55 Milliarden Euro, der Konzernumsatz ging nur leicht um 3,3 Prozent auf 32 Milliarden Euro zurück. Besonders profitabel waren zuletzt vor allem das Van-Geschäft und die Finanzdienstleistungen: Sie konnten zulegen. Ähnlich wie BMW machte Mercedes also vor allem außerhalb des Kerngeschäfts Profite.
Im Auto-Segment belastet aber weiterhin vor allem die Schwäche in China das Ergebnis: Im Bereich Mercedes-Benz Cars sank das bereinigte Betriebsergebnis um rund ein Viertel auf 909 Millionen Euro, der Absatz ging um knapp acht Prozent auf 417.765 Fahrzeuge zurück. Hinzu kommen ein ungünstiger Modellmix und zusätzliche Kosten für die Einführung neuer Modelle. Besonders schwer wiegt eine Wertminderung auf die China-Beteiligung, die den unbereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern auf nur noch 49 Millionen Euro drückte – ein Rückgang um 704 Millionen Euro.
Sparmaßnahmen
Um sich für die Zukunft aufzustellen, hat Mercedes Benz bereits das Sparprogramm Next Level Performance aufgelegt. Dabei sollen mehr als 5.000 Arbeitsplätze abgebaut wurden. Und dieser Kurs wurde jüngst noch einmal verschärft: Seit Juni wird eine globale Produktivitätsoffensive gefahren, insbesondere an den deutschen Standorten. Konzernchef Ola Källenius fordert längere Arbeitszeiten in Deutschland bei gleichem Lohn, um die Produktivität zu steigern. Auch eine tarifliche Sonderzahlung wurde verschoben. Das sorgt für erheblichen Unmut in der Belegschaft: Viele Beschäftigte demonstrierten für den Erhalt der 35-Stunden-Woche vor den deutschen Werken.
Ausblick
Trotz der aktuellen Belastungen hält Källenius an einer positiven Prognose fest. Er setzt auf eine Belebung des Geschäfts in der zweiten Jahreshälfte, vor allem durch neue Modelle. Die Jahresprognose für das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern sowie für die operative Marge im Pkw-Geschäft wurde bestätigt.
VW muss Prognose für das Gesamtjahr senken
Aktuelle Lage
Volkswagen muss im zweiten Quartal erneut einen geringen Gewinn verkraften: Der Nettogewinn ist um rund ein Drittel auf 1,54 Milliarden Euro gefallen. Im gesamten ersten Halbjahr sank der Gewinn unterm Strich ebenfalls um gut 30 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro.
Belastend wirkten Sondereffekte wie das Produktionsende des Elektro-Modells ID.4 in den USA. Besonders problematisch ist der drastische Einbruch in China: Die Verkäufe gingen dort um mehr als ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge zurück. Zwar ist der Absatz außerhalb Chinas etwas stabiler, doch Zölle, Kriege, geopolitische Spannungen, strenge Regulierung und härterer Wettbewerb setzen Volkswagen insgesamt stark unter Druck.
Sparmaßnahmen
Um gegenzusteuern, setzt VW auf ein umfangreiches Sparprogramm. Bis 2030 ist bereits der Abbau von 50.000 Stellen in Deutschland geplant – 35.000 bei der Kernmarke VW, der Rest bei Audi, Porsche und anderen Töchtern. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben entsprechenden Vereinbarungen schon zugestimmt. Konzernchef Oliver Blume will das Programm nun sogar noch erweitern: Noch in diesem Jahr soll ein neues Sparpaket vom Aufsichtsrat beschlossen werden. Vier Werke haben aktuell keine belastbare Perspektive für die 2030er-Jahre; Blume schließt Schließungen nicht aus, betont aber, dies sei die letzte Option. Beim Personal droht ein sehr großer Stellenabbau: Bis zu 50.000 zusätzliche Jobs stehen auf der Kippe, zusätzlich zu den bereits beschlossenen Einsparungen.
Ausblick
Angesichts der aktuellen Krisen ist VW-Konzern bei der Prognose vorsichtig: Der Konzern rechnet für das Gesamtjahr nicht mehr mit Wachstum, sondern mit einem möglichen Umsatzrückgang von bis zu drei Prozent. Beim Gewinn wird ein Ergebnis auf Vorjahresniveau erwartet.
Porsche-Gewinn stabilisiert sich – aber die Krise bleibt
Aktuelle Lage
Die aktuellen Zahlen des Sportwagenbauers Porsche zeigen auf den ersten Blick eine deutliche Verbesserung: Der Gewinn nach Steuern lag im ersten Halbjahr bei 1,07 Milliarden Euro und damit fast 50 Prozent über dem sehr schwachen Vergleichszeitraum 2025. Auf den zweiten Blick zeigt sich aber, dass dieses Plus zum großen Teil Sondereffekten geschuldet ist: 2025 hatten rund 800 Millionen Euro Sonderkosten – unter anderem für die E-Auto-Strategie und den Konzernumbau das Ergebnis stark belastet; 2026 fielen dafür nur noch etwa 400 Millionen Euro an. Davon konnten zudem rund 300 Millionen Euro kompensiert wurden. Ohne diese Effekte wäre Porsche operativ kaum besser als im Vorjahr.
So ist denn auch der Umsatz um gut fünf Prozent auf rund 17,23 Milliarden Euro gesunken. Denn die Absatzentwicklung ist weiterhin schwach: 2025 fiel der Absatz um rund zehn Prozent auf 279.400 Fahrzeuge – den niedrigsten Stand seit 2020. Besonders dramatisch ist China, wo sich die Verkäufe zwischen 2021 und 2025 mehr als halbiert haben; auch für 2027 werden weiter sinkende Absatzzahlen erwartet. Neben dem kriselnden China-Geschäft ist außerdem die Nachfrage nach E-Modellen gesunken, und die US-Zollpolitik belastet zusätzlich. Strategische Entscheidungen wie die Rückkehr zu mehr Verbrenner-Modellen verursachen weiterhin hohe Kosten im dreistelligen Millionenbereich.
Sparmaßnahmen
Als Reaktion fährt Porsche ein umfangreiches Sparprogramm im Rahmen des Zukunftspakets. Bis 2035 sollen insgesamt fast 9.000 von 42.000 Arbeitsplätzen wegfallen. Ziel ist es, die Personalkosten deutlich zu senken und die Arbeit an den Standorten flexibler und produktiver zu machen. Konkret heißt das: Tariferhöhungen werden bis 2035 teilweise einbehalten, das Weihnachtsgeld wird gekürzt, der Mitarbeiterbonus stärker an den Unternehmenserfolg gekoppelt. Teile des Managements verzichten 2027 und 2028 auf Erhöhungen der Grundvergütung.
Ausblick
Trotz des schwierigen Umfelds hält Porsche an seiner Jahresprognose fest, formuliert sie aber vorsichtig. Angepeilt wird ein Umsatz von rund 35 bis 36 Milliarden Euro, wobei der operative Gewinn wieder über dem Vorjahresniveau liegen soll. Die Verbesserung soll vor allem durch den Wegfall hoher Sondereffekte und die eingeleiteten Sparmaßnahmen erreicht werden, während das Markt- und Absatzumfeld – insbesondere in China – weiter als problematisch eingeschätzt wird.
Schwächstes erstes Halbjahr seit 2021 bei Audi
Aktuelle Lage
Beim Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt sich auch die Krise bei Audi klar: Der Gewinn im zweiten Quartal fiel um rund 21 Prozent auf 563 Millionen Euro nach Steuern. Auch die Zahlen für das erste Halbjahr sind ernüchternd: Mit 29,2 Milliarden Euro erwirtschaftete der Autobauer so wenig Umsatz wie in der Corona-Krise 2021 nicht mehr, der Gewinn lag mit 1,1 Milliarden Euro unter dem Strich um 220 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert.
Besonders schwach ist auch bei Audi das China-Geschäft, das im ersten Halbjahr nur noch 73 Millionen Euro zum Ergebnis beitrug- im Vorjahr war es fast viermal so viel. Aber auch Absatzverluste in den USA, harter Preiswettbewerb und die Belastungen durch die Eskalation im Nahen Osten stellen die VW-Tochter vor Herausforderungen.
Sparmaßnahmen
Um gegenzusteuern, setzt Audi auf harte Sparmaßnahmen. Bis Ende 2029 sollen in Deutschland 7.500 Arbeitsplätze abgebaut werden. Zusammen mit weiteren finanziellen Einschnitten bei den Beschäftigten will das Unternehmen mittelfristig über eine Milliarde Euro pro Jahr einsparen. Finanzchef Jürgen Rittersberger betont, Audi müsse wettbewerbsfähiger und effizienter werden, Kostenstrukturen verbessern und Entscheidungen schneller treffen. Dabei könnten auch Produktionskapazitäten gesenkt werden, um die Standorte Neckarsulm und Ingolstadt zu sichern – bereits bestätigt ist beispielsweise die Streichung der Nachtischicht in Neckarsulm.
Ausblick
Gleichzeitig wurde die Prognose nach unten korrigiert: Audi rechnet nun nur noch mit Umsätzen zwischen 58 und 63 Milliarden Euro, zuvor waren 63 bis 68 Milliarden erwartet worden. Gleichzeitig senkt das Unternehmen die Zielspanne für die operative Rendite von bislang sechs bis acht Prozent auf nun fünf bis sieben Prozent – zusammen würde das voraussichtlich auch einen niedrigeren Gewinn bedeuten.
