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Startseite»Politik»Brandanschlag in München – Starke Hinweise auf hybriden Hintergrund
Politik

Brandanschlag in München – Starke Hinweise auf hybriden Hintergrund

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 3, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 03.09.2026 • 19:46 Uhr

Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios gibt es starke Hinweise darauf, dass auch der Brandanschlag nahe eines Rüstungsunternehmens in München im Auftrag eines russischen Geheimdienstes verübt worden sein könnte.

Michael Götschenberg

Die Polizei war schnell zur Stelle: An einer Tankstelle wurden die beiden Tatverdächtigen, ein 38-jähriger Mann und eine 28-jährige Frau, beide mit bulgarischer Staatsangehörigkeit, schon kurz nach der Tat festgenommen. Ein Zeuge hatte beobachtet, wie aus einem vorbeifahrenden Auto Brandsätze auf die Baustelle geworfen wurden, und die Polizei verständigt.

Die Polizei konnte den Brand schnell löschen, ein Brandsatz, der sich nicht entzündet hatte, wurde von Spezialisten der Polizei entschärft. Die beiden Tatverdächtigen befinden sich seitdem in Polizeigewahrsam. In unmittelbarer Nähe der Baustelle haben verschiedene Rüstungsunternehmen ihren Sitz oder eine Niederlassung.

Was ist ein „hybrides Angriffsszenario“?

Von einem hybriden Angriffsszenario sprechen Sicherheitsbehörden, wenn Hinweise darauf hindeuten, dass unterschiedliche Angriffsformen Teil eines gemeinsamen Vorgehens sein könnten – etwa Sabotage, Spionage, Cyberangriffe, Drohnenattacken oder Desinformation. Ziel ist es, einen Staat, seine Einrichtungen oder seine Gesellschaft zu schwächen, ohne die Schwelle eines offenen Krieges zu überschreiten. Die Urheber versuchen dabei häufig, ihre Beteiligung zu verschleiern.

Hybride Angriffe richten sich häufig gegen kritische Infrastruktur, also etwa gegen Flughäfen, Bahnstrecken, Energieversorger, Kommunikationsnetze oder Behörden. Gleichzeitig können sie auf die öffentliche Meinung zielen. Falschmeldungen und Desinformation sollen Verunsicherung auslösen und das Vertrauen in staatliche Institutionen schwächen. Kennzeichnend ist das Zusammenspiel mehrerer Maßnahmen. Einzelne Vorfälle wirken oft unverbunden. Erst das Gesamtbild kann mögliche Zusammenhänge sichtbar machen.

Mit Informationen von Dietrich Karl Mäurer, ARD Hauptstadtstudio

Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios haben die Sicherheitsbehörden starke Hinweise darauf, dass es sich erneut um einen Anschlag von sogenannten Low-Level- oder Wegwerfagenten handeln könnte. So werden Personen bezeichnet, die von Strohmännern russischer Geheimdienste angeheuert werden, um gegen Bezahlung Aufträge zu erledigen. Dabei kann es zunächst darum gehen, beispielsweise Fotos von einem Rüstungsunternehmen zu machen, bis hin zur Durchführung von Sabotageoperationen.

Immer mehr Sabotage seit russischem Überfall auf Ukraine

Nach Überzeugung der Bundesregierung wurde auch der versuchte Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle, der mutmaßlich gegen ukrainische Antonov-Transportmaschinen gerichtet war, von Low-Level- oder Wegwerfagenten verübt. Dabei kamen mit Sprengstoff bestückte Drohnen zum Einsatz. Seitdem Russland die Ukraine überfallen hat und Deutschland die Ukraine in ihrem Abwehrkampf militärisch unterstützt, gab es eine ganze Kette von Sabotagevorfällen, die mutmaßlich auf das Konto russischer Geheimdienste gehen.

Der Brandanschlag in München scheint für die Polizei nicht völlig unerwartet gewesen zu sein. Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios gibt es einen Zusammenhang mit der Festnahme eines 33-jährigen ukrainischen Staatsangehörigen in Thüringen Anfang August durch Beamte des Thüringer und des bayerischen Landeskriminalamts. Wie die Münchner Generalstaatsanwaltschaft wenige Tage darauf mitteilte, wird der Mann beschuldigt, im Juni Fotos vom Betriebsgelände eines Rüstungsunternehmens in Bayern gemacht und an seinen Auftraggeber weitergeleitet zu haben. Dabei soll es sich um die Vorbereitung einer Sabotageoperation gehandelt haben. Der Mann sitzt seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft. Möglicherweise hatte er einen ähnlichen Auftrag.

Etliche Festnahmen wegen Spionageverdachts

Unternehmen der Rüstungsindustrie gelten als besonders gefährdet, insbesondere wenn sie in die militärische Unterstützung der Ukraine involviert sind. Im März ließ der Generalbundesanwalt zwei Personen festnehmen, eine rumänische Staatsangehörige in Rheine, Nordrhein-Westfalen, und einen 43-jährigen Ukrainer in Spanien, der mittlerweile nach Deutschland überstellt wurde. Beiden wird vorgeworfen, den bayerischen Drohnenhersteller Donaustahl und den privaten Wohnsitz des Geschäftsführers ausgespäht zu haben. Nach Überzeugung der deutschen Sicherheitsbehörden ging es mutmaßlich darum, die Ermordung des Mannes vorzubereiten.

Anfang Juli wurde bekannt, dass an der ungarisch-serbischen Grenze zwei Personen festgenommen wurden, die ebenfalls in Verdacht stehen, von einem russischen Geheimdienst angeheuert worden zu sein. Sie sollen mit Sprengstoff und einer Drohne auf dem Weg nach Deutschland gewesen sein. Auch hier gehen die Sicherheitsbehörden dem Verdacht nach, dass ein deutsches Rüstungsunternehmen in Bayern das Ziel gewesen sein könnte.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts in Berlin von „Anschlagsplanungen im Bereich eines Sprengstoffanschlags“ mit Zielort Deutschland gesprochen, ohne näher zu sagen, worum es sich handelte. Die Bild hatte schließlich zuerst über die Festnahmen in Serbien berichtet.

Ermittlungen nach Sabotage an Umspannwerken

Unklar ist hingegen weiterhin, welchen Hintergrund die beiden Anschläge auf Umspannwerke in Jänschwalde, Brandenburg, und Bergheim in Nordrhein-Westfalen haben. In beiden Fällen ging es mutmaßlich darum, durch einen Kurzschluss die Stromversorgung zu unterbrechen. Dabei gibt es Ähnlichkeiten bei der Art und Weise, wie die Taten begangen wurden – ein Modus operandi, der in dieser Form bisher noch nicht vorgekommen ist.

Ein linksextremistischer Hintergrund gilt weiterhin als möglich. In Sicherheitskreisen heißt es allerdings, die Vorgehensweise sei für Linksextremisten ungewöhnlich, da zu unprofessionell. Tatsächlich war der der Angriff in beiden Fällen erfolglos. Dass auch dieser Angriff auf das Konto von Wegwerfagenten gehen könnte, wird ebenfalls für möglich gehalten, offenbar gibt es bisher jedoch keine Hinweise darauf.

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