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Chaotische Dekade: Wie Großbritannien sechs Regierungschefs in zehn Jahren verschleißt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 22, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Chaotische Dekade Wie Großbritannien sechs Regierungschefs in zehn Jahren verschleißt

Die letzten sechs britischen Premierminister bei ihren Rücktrittsreden vor der Downing Street Nr. 10 in London: David Cameron, Theresa May und Boris Johnson (obere Reihe, von links nach rechts) sowie Liz Truss, Rishi Sunak und Sir Keir Starmer (untere Reihe, von links nach rechts). (Foto: picture alliance / PA Images)

Der britische Premierminister Keir Starmer hat angesichts mangelnden Rückhalts in seiner Labour-Partei seinen Rücktritt verkündet. Sein Parteikollege Andy Burnham steht bereits in den Startlöchern für den Posten in der Downing Street Nummer 10. Burnham wäre dann der siebte Regierungschef in zehn Jahren. Ein Überblick über ein politisch chaotisches Jahrzehnt im Vereinigten Königreich.

Mai 2010 bis Juli 2016: David Cameron

Der Konservative David Cameron wollte den jahrzehntelangen Streit um die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens per Volksabstimmung beenden – und warb selbst für einen Verbleib in der Europäischen Union. Die Briten stimmten dann im Juni 2016 mehrheitlich für den Brexit, Cameron trat daraufhin zurück.

Juli 2016 bis Juli 2019: Theresa May

Die Verhandlungen über den Brexit mit der EU übernahm Camerons Nachfolgerin und Parteikollegin Theresa May. Sie rief 2017 Neuwahlen aus – in der Hoffnung auf politische Rückendeckung. Doch ihr Schachzug schlug fehl. Die konservativen Tories wurden zwar stärkste Partei, hatten aber keine Regierungsmehrheit. Das von May ausgehandelte Brexit-Abkommen scheiterte im Londoner Unterhaus. Als die Konservativen dann im Mai 2019 eine schmerzhafte Niederlage bei den Europawahlen erlitten, trat May zurück.

Juli 2019 bis September 2022: Boris Johnson

Mays Nachfolger wurde der langjährige Londoner Bürgermeister Boris Johnson. Ihm haftete der Ruf eines Querkopfs an. Doch im Dezember 2019 führte er die Tories zu einem deutlichen Sieg bei der Unterhauswahl. Danach wurde Johnson zum Krisen-Premier: Er musste Großbritannien durch die Corona-Pandemie führen. Zudem führte er das Land durch den formalen Austritt aus der EU Ende Januar 2020 und die Übergangsphase bis Anfang 2021. Johnson stolperte unter anderem über Verletzungen der Corona-Regeln durch Festivitäten in seinem Amtssitz. Er trat schließlich zurück.

September 2022 bis Oktober 2022: Liz Truss

Dass es noch deutlich chaotischer geht, bewies Johnsons konservative Nachfolgerin Liz Truss. Wenige Tage nach ihrem Amtsantritt stellte sie einen Wirtschaftsplan aus massiven und kreditfinanzierten Entlastungen und Steuersenkungen vor – und löste Panik an den Finanzmärkten aus. Die Konservativen entzogen ihr die Unterstützung. Truss trat nach nur 49 Tagen zurück – die kürzeste Amtszeit eines Premiers in der britischen Geschichte.

Oktober 2022 bis Juli 2024: Rishi Sunak

Truss‘ Nachfolger Rishi Sunak brachte ab Oktober 2022 etwas Stabilität in die Downing Street zurück. Die parteiinternen Kämpfe bei den Konservativen konnte der indischstämmige Premier aber nicht beenden. Seine Beliebtheitswerte waren bescheiden. Während der Amtszeit des vermögenden früheren Investmentbankers litten weite Teile der Bevölkerung unter massiv gestiegenen Energiepreisen, vielen galt Sunak als zu wenig volksnah. Bei den Parlamentswahlen im Juli 2024 waren die Konservativen mit Sunak als ihrem Spitzenkandidaten dann erstmals seit 14 Jahren unterlegen.

Seit Juli 2024: Keir Starmer

Die sozialdemokratische Labour-Partei errang bei der Wahl eine haushohe Mehrheit. Der neue Premier Keir Starmer versprach, das „Chaos“ mit den ständigen Regierungswechseln zu beenden. Doch stürzte seine Beliebtheit rasch ab. Pläne zur Streichung des Heizkostenzuschusses für ältere Bürger lösten einen Proteststurm aus, Starmer musste zurückrudern. Später schadete ihm der Skandal um den von ihm zum Botschafter in Washington ernannten Peter Mandelson, der enge Verbindungen zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein unterhalten hatte. Nach einem Debakel für Labour bei Kommunal- und Regionalwahlen im Mai und wachsendem innerparteilichem Druck sah sich Starmer zum Rücktritt gezwungen.

Möglicher Starmer Nachfolger ab Juli 2026: Andy Burnham

Kurz nach dem Rücktritt Starmers hatte Andy Burnham angekündigt, den scheidenden Premier beerben zu wollen. Er werde sich um den Vorsitz der sozialdemokratischen Labour-Partei-Partei bewerben, sagte der 56-jährige bisherige Bürgermeister von Greater Manchester, der in der nordenglischen Metropole sehr beliebt ist. Damit verknüpft ist automatisch auch das Amt des Premierministers. Inzwischen ist Starmers möglicher Nachfolger als Abgeordneter ins Unterhaus in London eingezogen. Burnham wurde im Parlament als Abgeordneter für den nordenglischen Wahlkreis Makerfield vereidigt.

Mit einem klaren Sieg bei der Nachwahl im nordwestenglischen Wahlkreis Makerfield am Donnerstag hatte sich Burnham den Sitz im Unterhaus gesichert. Das war die Voraussetzung für seine Kandidatur für die Nachfolge Starmers. Indes zog sich Ex-Gesundheitsminister Wes Streeting aus dem Rennen um den Labour-Vorsitz zurück. Er sicherte Burnham seine Unterstützung zu. Damit stehen nun alle Zeichen auf einen raschen Übergang zu Burnham als neuem Parteichef und Premierminister. Laut Starmer soll die Nominierungsphase für den Vorsitz der Labour-Partei am 9. Juli beginnen und bis zur Sommerpause des Parlamentes am 16. Juli abgeschlossen sein. Bis dahin bleibt er noch im Amt.

Quelle: ntv.de, gut/AFP/dpa

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