Deal mit TeheranRevolutionsgarden könnten Milliarden kassieren
Der Iran-Krieg endet – doch wer kassiert? Während Washington und Teheran vorsichtig auf Frieden zusteuern, könnten ausgerechnet Irans Revolutionsgarden den größten Gewinn einstreichen. Für westliche Firmen wächst damit das Risiko.
Die USA und der Iran haben sich in einer vorläufigen Vereinbarung auf ein Kriegsende verständigt. Ein umfassender Vertrag für einen dauerhaften Frieden steht noch aus. Aber eine solche Übereinkunft dürfte Sanktionen gegen den Iran lockern, den Ölexport des Landes wieder ankurbeln und die iranische Wirtschaft für internationale Investitionen öffnen. Dabei zeichnet sich Insidern zufolge ab, dass ausgerechnet die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) zu den größten Profiteuren der Vereinbarung gehören dürften.
Die von den USA und ihren Verbündeten als Terrororganisation eingestufte Elitetruppe könne sich auf einen wahren Geldregen freuen, sagten vier hochrangige Vertreter des Iran der Nachrichtenagentur Reuters. Die Garden haben über Jahre hinweg im Schatten der Sanktionen ein riesiges Wirtschaftsimperium aufgebaut, das von der Ölindustrie über das Baugewerbe bis hin zu Schifffahrt, Telekommunikation und Häfen reicht. Die wirtschaftliche Macht der Garden ist dabei eng mit politischem Einfluss verwoben.
Seit Beginn des Krieges Ende Februar, bei dem der oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet wurde, haben die IRGC ihre Macht weiter ausgebaut. Sie halfen dabei, Chameneis Sohn Modschtaba Chamenei als neuen obersten Führer zu installieren. Nachdem sie das Überleben des islamischen Systems gesichert hätten, seien sie nun am besten aufgestellt, um aus einer Aufhebung der Sanktionen Gewinn zu schlagen, sagt einer der Insider. Die Garden seien die wahren Gewinner des Krieges.
Risiken für westliche Unternehmen
Sollte ein umfassendes Abkommen scheitern und die Sanktionen in Kraft bleiben, würden die Garden den Insidern zufolge dennoch profitieren. Sie könnten Ausnahmeregelungen für Ölexporte, die bereits in dem Interimsabkommen festgeschrieben wurden, nutzen und ihre Kontrolle über die Wirtschaft durch ihre Erfahrung bei der Umgehung von Sanktionen aufrechterhalten. Schließlich hätten die IRGC über Jahrzehnte hinweg Netzwerke aufgebaut, um Öl- und Handelsgeschäfte über Mittelsmänner und Tarnfirmen abzuwickeln. Die Revolutionsgarden lehnten eine Stellungnahme zu der Analyse ab, das US-Präsidialamt äußerte sich zunächst nicht.
Für westliche Unternehmen birgt die Verflechtung der Garden mit der Wirtschaft jedoch erhebliche Risiken. Das iranische Investitionsrecht schreibt vor, dass ausländische Firmen mit lokalen Partnern zusammenarbeiten müssen. Unzählige mit den Garden verbundenen Unternehmen wachen so über den Zugang zu den lukrativsten Sektoren des Landes.
Dies bedeutet, dass sich Firmen bei einer Rückkehr auf den iranischen Markt zwar darum bemühen können, direkte Geschäftsbeziehungen zu den IRGC zu vermeiden. Möglicherweise landen sie aber dennoch bei Kooperationspartnern, die mit der Gruppe verflochten sind. Dabei laufen sie Gefahr, gegen weiterhin bestehende Sanktionen zu verstoßen, die sich speziell gegen die Revolutionsgarden richten.
