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Politik

Deutsche E-Auto-Förderung hilft stark chinesischen Herstellern

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 3, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Analyse

Stand: 03.07.2026 • 11:25 Uhr

Die deutsche Förderung klimafreundlicher Autos kommt auch chinesischen Autobauern zugute. Das sorgt für Kritik an der Bundesregierung – bringt aber auch die Energiewende voran.

Juri Sonnenholzner

„Anfangs wurden die Modelle von der stolzen deutschen Automobilindustrie belächelt. Dann eroberten sie den Markt aber rasch durch Zuverlässigkeit und Komplettausstattung.“ Das sagt der Sprecher in einem Fernsehbeitrag von 1977. Es war ein Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre, seitdem das erste japanische Auto in Deutschland verkauft worden war.

Der TV-Beitrag von damals könnte in zehn Jahren eine Retrospektive auf die Verkaufsentwicklung chinesischer Autos hierzulande vorwegnehmen. Damals hießen die neuen Anbieter Toyota, Datsun, Mazda; heute BYD, MG oder Baic. Verbunden mit diesen Namen: die Angst vor einer Welle chinesischer Autos, die deutsche Arbeitsplätze in der Automobilindustrie wegspült. Diese Angst gab es auch damals zur „Japan-Welle“ oder in den 1990er-Jahren mit der „Korea-Welle“, als der Singsang „Deawoo und Du“ in den Werbeblöcken deutscher Fernsehsender erklang.

„China will einen Markt besetzen“

Und doch gibt es einen entscheidenden Unterschied zur Expansion der chinesischen Autoindustrie heute. „Der Druck, unter dem die chinesischen Hersteller stehen, ist ein ganz anderer“, sagt Stefan Bratzel, Gründer und Direktor des Forschungsinstituts Center of Automotive Management (CAM). In China finde derzeit ein starker Verdrängungskampf zwischen den Autobauern statt, so Bratzel. „Insofern brauchen sie Europa und deswegen gehen sie in den europäischen Markt mit hohen Rabatten. Die wollen einen großen Markt besetzen.“

Dabei kommt ihnen Hilfe vom deutschen Staat gut zupass. Wer im vergangenen halben Jahr ein reines Elektro-, Brennstoffzellen-Auto, einen Plug-in-Hybrid oder ein E-Fahrzeug mit Reichweitenverlängerer, also Stromgenerator an Bord, auf sich zugelassen hat, kann sich eine staatliche E-Auto-Prämie sichern, wenn er bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreitet.

Kunden mit Prämien-Anspruch haben nicht unbedingt das Geld für die Karossen deutscher Premium-Hersteller. Wer günstige Autos baut, findet hier eine attraktive Schnittmenge. Genau da tummeln sich chinesische Autobauer. „Sie bieten eben doch deutlich mehr günstigere Elektrofahrzeuge an. Insofern profitieren sie überproportional von dieser Prämie“, so Bratzel.

Chinesische Hersteller profitieren überdurchschnittlich

Zwar beschwichtigt das Bundesumweltministerium in einer Mitteilung – bisher vorliegende Anträge zeigten, dass weniger als 15 Prozent der Anträge auf Fahrzeuge chinesischer Hersteller entfielen. „Aber das ist deutlich mehr als ihr früherer Marktanteil in Deutschland. Insofern profitieren sie offenbar überdurchschnittlich von der Elektro-Auto-Prämie“, stellt Bratzel dem entgegen.

Der Absatz jener chinesischen Autos sei zuletzt „geradezu explodiert“, sagte Burkhard Weller, Präsident des Verbandes der Automobilhändler (VAD), der Wirtschaftswoche. Laut einer Umfrage des Verbands unter seinen Mitgliedern profitieren vor allem Importmarken von der Kaufprämie für Elektroautos. Den größten Zuwachs an Bestellungen sehen die VAD-Mitglieder bei den chinesischen Automobilmarken, vor allem MG und BYD. Bei diesen beiden Marken liegt der durchschnittliche Zuwachs im Bestelleingang laut der Umfrage zwischen 50 und 75 Prozent.

Rabatte für Verbrennermodelle

Die Branche reagiert darauf offenbar mit Rabatten auf Verbrenner-Modelle: Ihr Verkauf werde am deutschen Neuwagenmarkt wieder stärker gefördert als bei vergleichbaren E-Autos, geht aus der Marktstudie der privaten Forschungseinrichtung Center Automotive Research hervor. Demnach sei bei den 20 meistverkauften Elektrofahrzeugen der durchschnittlich gewährte Preisnachlass von 19,5 Prozent im Januar auf nun 17,8 Prozent des Listenpreises zurückgegangen, während bei Verbrennern im Schnitt 18,4 Prozent Preisnachlass drin waren.

Noch kurz bevor Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) am 19. Januar die Kriterien für die Prämie vorstellte, rätselten Hersteller und Händler darüber, ob ein Passus Bestand haben würde, wonach nur der Kauf von in Europa hergestellten E-Autos gefördert wird. Er kam nicht. Denn Deutschland ist an EU-Handelsregeln gebunden, die Benachteiligungen eines Marktteilnehmers verbieten. Abgesehen davon drohten auch Gegenreaktionen der chinesischen Regierung.

Geld aus Klimafonds

Finanziert wird die E-Auto-Prämie aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF). Er speist sich nicht aus Geld aus dem Bundeshaushalt und damit Steuergeld, sondern aus dem europäischen Emissionshandel sowie der CO2-Abgabe auf fossile Energieträger. Dieser Erlös soll Energiewende und Klimaschutz Vorschub leisten. Diesem Ziel ist es egal, ob dies durch europäische oder asiatische Hersteller erreicht wird.

„Eine stärkere Flottendurchdringung von E-Autos ist nicht nur aus Sicht des Klimaschutzes dringend geboten, sondern auch, um unabhängiger von fossilen Energieimporten zu werden“, sagt Julius Jöhrens vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu). Der Großteil der Förderung lande derzeit noch bei europäischen Herstellern. Der unerwünschte Nebeneffekt, dass China profitiere, sei also vergleichsweise gering. „Und das, obwohl industriepolitische Ziele der Förderung gegenüber klima- und sozialpolitischen Zielen zumindest in der offiziellen Kommunikation der Bundesregierung eine Nebenrolle spielten.“

Aus Sicht von Jöhrens liegt das Grundproblem bei den chinesischen Absatzzahlen darin, dass europäische und insbesondere deutsche Hersteller zu wenige kostengünstige Elektro-Fahrzeuge anbieten. „Damit folgten sie der veralteten Logik, Innovationen müssten grundsätzlich ‚von oben nach unten‘ in den Fahrzeugmarkt diffundieren. So war absehbar, dass sie unter Druck geraten, sobald breitere Bevölkerungsschichten Elektroautos anstreben.“

Iran-Krieg spielt auch eine Rolle

Außerdem ergaben sich in dem halben Jahr seit dem Wiederauferstehen der deutschen E-Auto-Prämie noch weitere positive Nebeneffekte für den chinesischen Absatz. Der Iran-Krieg erinnerte Interessenten an die schwankenden Preise fossiler Energieträger; viele treibt die Angst um, der Fördertopf könne leer sein, bevor ihr Auto auf des Händlers Hof steht. Gleichzeitig schwindet der Werterhalt gebrauchter E-Autos, weil dank Prämie das Neufahrzeug nur wenig teurer ist – was chinesische Hersteller weniger trifft, da sie mit früher weniger Marktanteil heute weniger Gebrauchtwagen auf Halde stehen haben.

Bei so vielen für chinesische Autobauer glücklichen Umständen könnte man fast abergläubisch werden: Gleichzeitig zur deutschen E-Auto-Prämie feiert die chinesische Astrologie das „Jahr des Feuer-Pferdes“. Was Auto-Enthusiasten an Sportwagen aus Stuttgart oder Maranello erinnert, ist laut Feng-Shui-Meistern von enormer Energie geprägt – mit rasantem Wachstum.

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Dr. Heinrich Krämer
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