DFB-Team ist „Heimat“
Woltemade schwärmt vom „talentierten Haufen“
Vom besten WM-Qualifikationstorschützen zum Bankdrücker: Nick Woltemade hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Für die Fußball-Weltmeisterschaft ist er dennoch sehr optimistisch.
Nick Woltemade gehört zum DFB-Team bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Doch einen Stammplatz hat der 1,98 Meter große Schlaks nicht. Im Gegenteil, der 24-Jährige ist Backup vom Backup, doch das hält ihn nicht von großer Vorfreude auf das Turnier (11. Juni bis 19. Juli) ab. „Die Mannschaft ist zu meiner Heimat geworden“, sagt er dem „Stern“ über das DFB-Team. „Da glauben die Leute an mich, da fühle ich mich verstanden.“
Im Juni 2025 gab er gegen Portugal sein Debüt in der Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann. Seitdem kommt er auf elf Einsätze, in denen er vier Tore schoss. Doch inzwischen kämpft er im Sturm einen vermutlich aussichtslosen Kampf um einen Platz in der Startelf. Kai Havertz ist gesetzt, im letzten WM-Test gegen die USA brauchte er keine zwei Minuten bis zum Tor – und das, obwohl er Teile des Trainings mit der Nationalmannschaft verpasst hatte. Der Arsenal-Profi war erst verspätet zum DFB-Team gereist, weil er mit seinem Klub noch das Finale der Champions League gegen Paris Saint-Germain gespielt hatte. Anlaufzeit brauchte er trotzdem nicht.
Nagelsmann setzt plötzlich auf Leipzig-Talent
Kritik an 90-Millionen-Deal
Auch sein ehemaliger Stuttgarter Teamkollege Deniz Undav dürfte Woltemade vorgezogen werden. Dieser hat in den vergangenen Monaten ein Auf und Ab hinter sich. Lange hielten sich im vergangenen Sommer die Gerüchte über einen Wechsel zum FC Bayern – ehe dieser doch platzte. Dann zahlte Newcastle United die von den Münchnern abgelehnten 90 Millionen Euro und Woltemade wechselte von Stuttgart nach England.
Kritiker unkten: zu viel Geld für den Überflieger. „Die Wucht der Kritik und die damit verbundene Unruhe um meine Person haben mich schon überrascht“, sagt er nun dem „Stern“. Er hatte einen vielversprechenden Start in der Premier League hingelegt. In seinen ersten fünf Spielen schoss er gleich vier Tore.
Dann wurde er zeitweise auf ungewohnte Positionen verschoben, auch ins defensive Mittelfeld. Trainer Eddie Howe fahre eine eigenwillige Personalpolitik, sagte Bundestrainer Nagelsmann, da dieser alle Stürmer nur unregelmäßig spielen lasse. Woltemade hadert daher rückblickend mit großer Kritik: „Trotzdem bin ich von manchen Experten weiterhin als Stürmer beurteilt worden. Dann hieß es: Warum schießt Nick so wenig Tore? Warum gibt er nicht mehr Vorlagen? Das waren die falschen Fragen, und ich fand sie nicht ganz fair.“
„Mit uns wird zu rechnen sein“
Im Jahr 2026 gelangen ihm nur noch zwei Treffer für seinen Klub, häufig saß er auf der Bank – nicht die beste Werbung für das DFB-Team. „Natürlich bin ich nicht zufrieden damit, wie die vergangenen Monate sportlich gelaufen sind – gerade, weil meine Anfangszeit in Newcastle so stark war. Das hat die Erwartungen in die Höhe getrieben, auch bei mir“, so Woltemade. „Wenn dann eine Weile nicht alles klappt, ist es umso bitterer.“
Und so hat ihm seine erste Saison in der englischen Liga vor allem eines gelehrt: Mit Negativerlebnissen umzugehen: „Ich lasse Dinge, die belastend sein können, nicht mehr so nah an mich heran.“ Schon seit seiner Zeit bei der SV Elversberg, wo er in der Saison 2022/23 spielte, arbeitet er mit einem Mentaltrainer zusammen. „Die Gespräche mit ihm tun mir gut.“
DFB bezieht Quartier – einer wartet schon im „Spukschloss“

Die neu gelernte Resilienz könnte ihm nun auch im DFB-Team weiterhelfen. Denn während er im Herbst vier Tore in der WM-Qualifikation schoss – niemand traf häufiger – und in sechs Partien in der Startelf stand – gab es wie bei Newcastle auch im DFB-Team den Bruch.
Bei der WM ist er daher dabei – aber eben nicht als Stammspieler. Die Mannschaft sei „ein talentierter Haufen, in dem niemand sein Ego in den Vordergrund stellt“, sagt Woltemade. „Ich glaube, die Welt unterschätzt uns gerade ein bisschen. Mit uns wird zu rechnen sein.“
Verwendete Quellen: ntv.de, ara
