Dicke Überraschung
Nike fährt neues DFB-Trikot durch New York
Nach 77 Jahren endet in wenigen Monaten die Zusammenarbeit zwischen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und Adidas. Das DFB-Team wird künftig von Nike ausgerüstet – und der US-Gigant nutzt die WM, um ein gut gehütetes Geheimnis zu lüften. Wenigstens ein bisschen.
Der deutsche Fußball steht vor einer Zeitenwende: Ende des Jahres endet die jahrzehntelange Partnerschaft der deutschen Nationalmannschaft mit dem Ausrüster Adidas. Gemeinsam feierte man Weltmeistertitel, es entstanden ikonische Designs, DFB-Trikots wurden vom Fußballdress zum It-Piece. Doch ab dem 1. Januar wird das DFB-Team von Nike eingekleidet – und der US-Gigant scheint vorbereitet zu sein: Am Tag des deutschen Duells gegen Ecuador schippert zum Abschluss der WM-Vorrunde das kommende DFB-Trikot durch den Spielort New York. Oder wenigstens eine Idee davon.
Am Morgen (Ortszeit) vor dem Spiel des DFB-Teams (22 Uhr/ARD, MagentaTV und im Liveticker auf ntv.de) ließ Nike ein Boot mit einer gigantischen Werbetafel von Staten Island den Hudson River hinauf bis nach Manhattan fahren. Auf dem Plakat mit der Aufschrift „Hello New Jersey“ („Hallo neues Trikot“, New Jersey ist auch der Bundesstaat, in dem das MetLife-Stadion liegt) ist Nationalspieler Jamal Musiala zu sehen, der offensichtlich schon das Trikot trägt, in dem Deutschland ab dem nächsten Jahr die Fans begeistern soll. Gezeigt werden darf das neue Textil vor Vertragsbeginn natürlich noch nicht, Musiala ist halsabwärts verpixelt.
Erahnen lässt sich aber schon einiges: Auf einen spektakulären Erstaufschlag verzichtet Nike offensichtlich, auf weißem Grund heben sich nur der schwarze Kragen, das DFB-Wappen sowie der „Swoosh“, das Ikone Logo des Sportartikel-Giganten. Das Trikot wirkt wie eine Reminiszenz an das schlichte Design, in dem Franz Beckenbauer und Co. 1972 Europa- und zwei Jahre später Weltmeister geworden waren.
Legendäre Zusammenarbeit
Kurz vor der Heim-EM 2024 hatte der DFB überraschend verkündet, die Partnerschaft mit Adidas nach dann 77 Jahren zum Ende des Jahres 2026 zu beenden. Adidas-Gründer Adi Dassler war zunächst als Zeugwart fürs DFB-Team tätig, seit 1950 rüstete der Schuhmacher aus dem fränkischen Herzogenaurach Fritz Walter und Co. mit Schuhen aus. Legendär ist sein Beitrag zum „Wunder von Bern“, als die deutsche Mannschaft den haushohen Favoriten auf dem vom strömenden Regen durchweichten Rasen des Wankdorfstadions niederkämpfte. Dassler hatte die deutschen Spieler mit zum Untergrund passenden Schraubstollen versorgt.
Zur EM 2021 hatte Adidas auf seinem Firmengelände den „Home Ground“ errichtet, ein eigenes Dorf mit Sport- und Freizeitbereichen, wo sich das DFB-Team auf Turniere und Spiele vorbereitete und bei der Heim-EM 2024 zum zweiten Mal nach 2021 sein Turnierquartier aufgeschlagen hatte.
Mit der letzten WM-Kollektion ist Adidas offenbar noch einmal ein Coup gelungen: Drei Millionen Deutschland-Trikots werde man wohl verkaufen, sagte Adidas-Vorstandschef Björn Gulden bei einer Medienrunde in New York. Das wären dreimal so viele wie im Rahmen der WM in Katar vor vier Jahren.
Über viele Jahre hatte der Weltkonzern aus der Provinz das Werben von Nike um die deutsche Nationalmannschaft abwehren können, das jüngste Angebot konnte Adidas nicht mehr kontern: Nike soll dem DFB künftig 100 Millionen Euro pro Jahr zahlen – und damit doppelt so viel wie Adidas zuletzt. Der Vertrag mit Nike läuft bis 2034.
Verwendete Quellen: ntv.de, ter
