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Diskussion in Prenzlauer Berg: In diesem Keller bekommt Merz noch Applaus

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 15, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Diskussion in Prenzlauer BergIn diesem Keller bekommt Merz noch Applaus

15.09.2026, 20:43 Uhr Von Volker Petersen, Berlin
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Merz zeigte sich bei den Stipendiaten, Studenten und Auszubildenden auch als Gefühlsmensch. (Foto: picture alliance/dpa)

Der Bundeskanzler durchlebt die schwierigsten Tage seiner Amtszeit. Das Land diskutiert über ein vorzeitiges Aus. Doch am Dienstagabend ist alles anders. Bei einer Diskussion mit jungen Leuten bekommt er Applaus.

Für Friedrich Merz ist es nach eigenen Angaben ein guter Tag. Am Morgen habe er im Kanzleramt die Preisträger des Wettbewerbs Jugend forscht empfangen, erzählt er. An diesem Abend trifft er wieder junge Menschen, diesmal etwas ältere, die mit ihm über Politik diskutieren wollen. Es sind 170 junge Männer und Frauen, die die Konrad-Adenauer-Stiftung für diesen Diskussionsabend ausgesucht hat. Studenten, Stipendiaten, Auszubildende. Ein Dienstag als Verschnaufpause.

Schauplatz des Events am Abend ist ein Gewölbekeller im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, wo eigentlich die Grünen regieren. Aber davon ist zwei Etagen unter der Erde nichts zu spüren. Am Ende bedankt er sich ausgiebig: „Das motiviert mich auch, da gibt mir ein Stück Kraft, in Zeiten die verdammt nicht einfach sind.“

Das stimmt auf zweierlei Ebenen: Nicht einfach für das Land, aber auch nicht einfach für ihn. Das Land diskutiert gerade, ob und wie lange er noch im Amt bleiben kann. Dabei kommen die meisten Kritiker aus der CDU selbst. Dem Kanzler gehen die eigenen Anhänger flöten. In Berlin wird geunkt, nach den Landtagswahlen am Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern könnte es das gewesen für ihn. Er plant jedenfalls schon eine Art Vertrauensfrage für die eigenen Reihen.

Schafft Merz das, was Adenauer gelang?

In diesem Keller hat er aber noch einige Freunde. Er bekommt langen, warmen Applaus als er in sich auf seinen breiten Sessel niederlässt. Steht noch einmal auf, bedankt sich. Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) hat ihn eingeladen, um über Politik zu sprechen. Aber nicht über die Tagespolitik, wie die Moderatorin gleich zu Beginn sagt. Nein, es soll um Merz‘ Lieblingsthema Wettbewerbsfähigkeit gehen, auch über Generationengerechtigkeit und Verteidigung will man sprechen.

Anlass für die Diskussion mit 170 jungen Leuten ist Konrad Adenauer selbst, der in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden wäre und auf den Tag genau, am 15. September 1949 zum ersten Bundeskanzler gewählt wurde. Merz spricht über die Anfangsjahre der Republik, wie hart die Debatten damals waren. Dass Westbindung, Währungsunion und soziale Marktwirtschaft keineswegs selbstverständlich waren. Erwartungsgemäß schlägt er den Bogen zu heute: Auch jetzt seien die Debatten, zum Beispiel zur Ukraine, kontrovers. Und Merz bekennt sich dazu, das angegriffene Land zu verteidigen – denn es verteidige auch die Freiheit der Deutschen.

Ob Merz es schafft, die Debatten durchzustehen, so wie damals Adenauer und Ludwig Erhard, das ist offen. Doch davon lässt sich Merz wenig anmerken. Er sieht aus wie immer, davon, dass er nur noch seitlich mit einem Bein im Sattel hängt, wie es der Kommentator Albrecht von Lucke bei ntv gesagt hatte, ist nichts zu spüren. Es herrscht aber auch eine Wohlfühlatmosphäre. Das schummrige Licht lässt alles weich erscheinen, die kritischen Journalisten verschwinden im Halbdunkel. Die jungen Menschen haben sich fein gemacht und stellen ihre Fragen. Die KAS-Vorsitzende und frühere Merkel-Vertraute Annegret Kramp-Karrenbauer begrüßt den „lieben Friedrich“ und dankt ihm für sein Kommen. Dabei hatte er einst einen anderen Favoriten für die Spitze der Stiftung, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Aber das ist angesichts der aktuellen Lage wohl Schnee von gestern.

Und dann kommt die Dame vom Ifo-Institut

Die Fragen der jungen Leute sind dann nicht so unkritisch wie man hätte meinen können. Eine Frau stellt sich als Ökonomin vom Ifo-Institut vor und befragt ihn zur massiven Schuldenaufnahme seiner Regierung. Sie fragt ihn, ob er die Rentenreform nun wirklich umsetzen möchte. „Meine Antwort ist: Ja, ich möchte diese Reformen durchsetzen.“ Ob das ein Versprechen sei, hakt die junge Dame nach. „Das ist ein Versprechen den ernsthaften Versuch zu unternehmen, das hinzubekommen“, entgegnet Merz und erntet Gelächter ob dieser Politikerantwort. Er habe nur eine Stimme von 630 im Bundestag, sagt er, und wenn der Gesetzentwurf das Kabinett verlassen habe, „befinden wir uns auf hoher See des Bundestages.“

Ein junger Mann aus Berlin möchte wissen, wie die Regierung ihre Kommunikation verbessern möchte, denn er erlebe ein „Gefühl der Unzufriedenheit“. „Sie haben recht mit dem, was Sie sagen“, gibt sich Merz selbstkritisch. „Wir haben die Herausforderung zu bestehen, dass große Teile der Bevölkerung kein großes Vertrauen in die Politik und in die Bundesregierung haben“, sagt er. Das sei aber eine gute Gelegenheit Grundsatzdebatten zu führen.

Merz zeigt sich auch als der Gefühlsmensch, der er ist, trotz Herkunft aus dem Sauerland. Er schwärmt vom Hape-Kerkeling-Film „Der Junge muss mal an die frische Luft“, der dessen Kindheit im Ruhrgebiet zeige, in beengten Verhältnissen. Das habe ihn auch an seine Kindheit im Sauerland erinnert. Schwelgt in Erinnerungen an seine Bundeswehrzeit, als er mit den fünf anderen Männern auf seiner Stube zusammengeschweißt war. Diese Zeit habe ihm gut getan und so etwas werde nun wieder gebraucht.

Elon Musk, John F. Kennedy

Er bemüht sich immer wieder, Begriffe wie Chancen, Zuversicht und Optimismus zu benutzen. Verweist auf den Tennis-Erfolg von Alexander Zverev und die Basketball-Frauen. Oder das bayerische Unternehmen Isar Aerospace, das bereits im zweiten Versuch eine Rakete in den Orbit gebracht und mehrere Satelliten ausgesetzt habe. „Elon Musk hat vier Versuche gebraucht.“

Aber es geht noch viel größer als Musk: „Frag nicht, was dein Land für dich tun kann, frag, was du für dein Land tun kannst“, zitiert er John F. Kennedy und heißt großen Applaus ein.

In diesem heimeligen Keller in Prenzlauer Berg kommt das alles gut an. Oben, wenige Kilometer entfernt, im Bundestag, steht allerdings die Umsetzung der großen Pläne an. Zum Beispiel Reformen zu Rente, Pflege, Gesundheit und Steuer in einem einzigen kurzen Herbst. Und die Frage, wie er das schaffen will. Wie er den kommenden Sonntag politisch überleben will. Einer der „Jugend forscht“-Preisträger habe sich mit den Vorgängen in einer Sanduhr beschäftigt, zeigt sich der CDU-Chef angetan. In der Tat ein interessantes Thema.

Während Merz spricht, bricht eine Eilmeldung über den Ticker. Der Kanzler sagt seine für die kommende Woche geplante Reise nach New York zur Generalversammlung der Vereinten Nationen ab. Seine Anwesenheit in Berlin sei erforderlich.

Quelle: ntv.de

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