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Dünger kostet 30 Prozent mehr: Bauern erleben eine Preiskrise – ihr Präsident hofft noch auf die WM

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 21, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Dünger kostet 30 Prozent mehrBauern erleben eine Preiskrise – ihr Präsident hofft noch auf die WM

Ein Landwirt bringt zur Düngung der Ackerflächen Gülle aus. (Foto: IMAGO/Bihlmayerfotografie)

Die Bauern in Deutschland stecken in einer Krise, obwohl die Preise für einige landwirtschaftliche Produkte für Endverbraucher gestiegen sind. Generell sinke der Anteil am Preis, der bei den Landwirten ankomme, kritisiert Bauernpräsident Rukwied und erklärt die Ursachen für die prekäre Lage.

Bei den Bauern drücken hohe Kosten und niedrigere Preise für viele wichtige Produkte hart auf das Geschäft. „Wenn wir keine Preiserholungen in unseren Märkten bekommen, dann wird die Landwirtschaft in eine echte Liquiditätskrise hineinlaufen“, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied der dpa. Von der Politik fordert der Verband Millionenhilfen für Schweinehalter – und hofft noch auf einen Fußball-Kick für die Nachfrage.

„Die Preissituation im Ackerbau ist für alle Getreidearten miserabel, bis auf Raps“, sagte Rukwied mit Blick auf die anstehende Ernte 2026. „Manche Landwirte haben schon die Düngung reduziert, einfach um Kosten zu sparen.“ Sie würden so möglicherweise keinen Qualitätsweizen mehr erreichen, sondern nur noch Futterweizen. Der Düngeeinsatz sei für diese Ernte weitgehend durch.

Düngemittel um 30 Prozent teurer

„Aber Ende August beginnt die Herbstbestellung für Raps, der ein Andüngen mit Stickstoff, Phosphorsäure und Kali braucht“, sagte der Bauernpräsident. Die Preise für Stickstoffdünger lägen aktuell um etwa 30 Prozent höher als vor einem Jahr. Zum Teil hätten sich Betriebe Mengen mit Vorverträgen gesichert. „Aber wir haben die realistische Einschätzung, dass das deutlich höhere Preisniveau noch länger anhält, weil die Versorgungslage knapp ist.“

Preisdruck und Dumpingpreise gebe es auch in anderen Sektoren. „Bei Schweinefleisch sind wir jetzt bei 1,50 Euro pro Kilogramm Schlachtgewicht“, sagte Rukwied. „Vor nicht langer Zeit waren es deutlich über 2 Euro.“ Nun lege jeder Schweinehalter letztendlich Geld drauf. Auch die Milchpreise seien nicht zufriedenstellend. Beim Obst- und Gemüseanbau komme der zu Jahresbeginn von 12,82 Euro auf 13,90 Euro pro Stunde gestiegene Mindestlohn dazu.

Noch keine Anzeichen für Erholung

„Die Gesamtlage ist kritisch“, sagte der Bauernpräsident kurz vor dem Ende des Wirtschaftsjahres der Branche, das jeweils bis Ende Juni läuft. In der ersten Hälfte habe es etwa beim Schweine- und Milchpreis noch ordentlich ausgesehen. „Aber in der zweiten Hälfte kam ein absoluter Absturz. Im Moment gibt es keine Anzeichen der Erholung, und das macht mir richtig Sorgen.“

Ein sommerliches Großereignis wie die laufende Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko konnte früher schon einmal gewisse Impulse für den Kauf von Grillfleisch und Co. setzen. „Eine WM-Belebung für die Nachfrage sehen wir bisher leider nicht“, sagte Rukwied. „Vielleicht kommt sie noch, wenn die deutsche Mannschaft ein starkes Turnier spielt und so eine grundsätzlich positivere Stimmung aufkommt. Wir hoffen das zumindest.“

Möglicherweise hänge es jetzt auch damit zusammen, dass viele Spiele erst spät am Abend anfangen. „Wenn man am nächsten Tag zur Arbeit geht, dann fängt man nicht um 21 Uhr an zu grillen, um sich bis Mitternacht dem Fußball zu widmen“, sagte Rukwied. Deshalb rufe er dazu auf, das Grillen vorzuziehen. Auch gezielte, kurzfristige Preis-Aktionen für Fleisch in Supermärkten kritisiere er nicht. Das sei durchaus sinnvoll, auch um Mengen aus dem Markt zu bringen.

Preise für Bauern hängen am Weltmarkt

Generell sinke der Anteil am Preis, der bei den Landwirten ankomme, jedoch ständig, monierte Rukwied. „Die Lebensmittelpreise sind über die vergangenen fünf Jahre deutlich gestiegen, unsere Preise aber nicht. Das passt nicht mehr, und das geht auf Dauer auch nicht gut.“ Andere Teile der Lebensmittelkette seien eher in der Lage, eigene höhere Kosten weiterzugeben. „Wir können das im Moment leider nicht, weil unsere Preise sich am Weltmarkt bilden.“

Zuletzt habe es weltweit gute Ernten gegeben, was auf die Preise drücke, erläuterte der Bauernpräsident. „Dazu kommt ein zurückhaltenderer Konsum, wenn die Menschen weniger Geld zur Verfügung haben. Nach der Inflation der vergangenen Jahre wird kostenorientierter eingekauft, teils auch weniger konsumiert. Da brauchen wir wieder ein neues Gleichgewicht.“

Bauernpräsident Rukwied fordert „frisches Geld“ für Sauenhalter. Erwartungen an Agrarminister Alois Rainer von der CSU, der zum Bauerntag in dieser Woche in Freiburg kommt, formuliert der Verband auch. „Wenn man die Schweinehaltung in Deutschland erhalten will, dann braucht es jetzt sofort mindestens 200 Millionen Euro für die Sauenhalter, um den Betrieben noch eine Perspektive zu schaffen“, forderte Rukwied. In einem Jahrzehnt seien 50 Prozent der schweinehaltenden Betriebe verloren gegangen. „Diese Entwicklung muss jetzt endlich gestoppt werden, und dazu braucht es frisches Geld.“ Woher es komme, sei die Aufgabe des Ministers. „Auf jeden Fall nicht über eine Umverteilung von Mitteln.“

Was wird aus Milliarden-Investitionen in Ställe?

Generell geht es eigentlich auch um eine gesicherte Finanzierung für einen Umbau der Tierhaltung hin zu höheren Standards. Damit Höfe nicht allein auf Investitionskosten sitzen bleiben, wird seit Jahren etwa über Preisaufschläge für Fleisch im Supermarkt diskutiert, denen Rainer aber eine Absage erteilte.

„Langfristig braucht es mehrere Milliarden Euro, wenn man die Tierhaltung in Deutschland insgesamt auch mit höheren Standards erhalten will“, sagte Rukwied. „Wenn man auf das Einkaufsverhalten und den Absatz schaut, kann ich nicht erkennen, dass es in naher Zukunft über den Markt funktionieren wird.“

Quelle: ntv.de, Sascha Meyer, dpa

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