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Startseite»Nachrichten»Fall Henry Nowak – Polizeifehler entfacht Rassismus-Debatte in Großbritannien
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Fall Henry Nowak – Polizeifehler entfacht Rassismus-Debatte in Großbritannien

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 2, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Neue Unruhen befürchtetPolizeifehler entfacht Rassismus-Debatte in Großbritannien

Wie in einem Bodycam-Video zu sehen ist, legen die Beamten dem sterbenden Mann Handschellen an, obwohl er mehrmals sagt, dass er niedergestochen wurde. (Foto: picture alliance / NurPhoto)

Ein junger Mann wird in Großbritannien nach einem Messerangriff schwer verletzt und stirbt – doch die Polizei hält ihn zunächst für den mutmaßlichen Täter und legt ihm Handschellen an. Der Fall sorgt für eine hitzige Debatte über Polizeiversagen und Rassismus.

Ein schwerwiegender Polizeifehler in Großbritannien hat zu einer Debatte über angeblichen umgekehrten Rassismus und rechte Stimmungsmache geführt. Hintergrund ist die Verurteilung eines 23-jährigen Mannes wegen Mordes in Southampton zu lebenslanger Haft. Der verurteilte Mann aus der Sikh-Gemeinschaft hatte im Dezember 2025 einen weißen 18-jährigen Studenten mit einem Messer tödlich verletzt, bevor er sich gegenüber der Polizei als Opfer eines rassistisch motivierten Angriffs darstellte. 

Wie in einem erschütternden Video einer Bodycam zu sehen ist, legen die Beamten dem sterbenden Mann Handschellen an, obwohl er mehrmals sagt, dass er niedergestochen worden sei und nicht atmen könne. Ihm wird aber kein Glauben geschenkt. Er stirbt noch am Tatort. Vonseiten rechter und konservativer Politiker wurden als Ursache für den krassen Fehler rasch die Bemühungen um Rassismusbekämpfung ausgemacht. Liberale und linke Politiker hingegen witterten rechte Stimmungsmache.

Nigel Farage, der rechtspopulistische Chef der Partei Reform UK, die derzeit die Umfragen in Großbritannien anführt, sieht einen umgekehrten George-Floyd-Moment gekommen. Der Fall des schwarzen Mannes, der in der US-Metropole Minneapolis durch Polizeigewalt zu Tode kam, war ein Schlüsselmoment in der Black-Lives-Matter-Bewegung.

Starmer: furchtbar und schockierend

In einem Videoaufruf auf der Plattform X prangerte Farage eine angebliche Zweiklassenkultur an, „in der die Rechte und Privilegien weißer Menschen weniger zählen als die ethnischer Minderheiten“. Der liberaldemokratische Abgeordnete Max Wilkinson warf Farage daraufhin vor, „eine Tragödie auszunutzen, um Gemeinschaften in Großbritannien auseinanderzubringen“. Das sei „spaltend, gefährlich und fundamental unbritisch“, so Wilkinson.

Premierminister Keir Starmer nannte den Fall „furchtbar und schockierend“ und begrüßte eine angekündigte Untersuchung durch die Aufsichtsstelle für Polizeiverhalten IOPC. Innenministerin Shabana Mahmood sagte bei einer Debatte im Unterhaus, die Untersuchung soll innerhalb von drei Monaten abgeschlossen werden. Sie warnte jedoch davor, „dass dieser Mord dazu führt, dass Gemeinschaften aufeinander losgehen“. Ähnlich hatte sich auch der Vater des Opfers vor Gericht geäußert, wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtete: „Wir wollen nicht, dass sein Tod dazu benutzt wird, noch mehr Spaltung, Hass oder Spannung zu schaffen.“

Rechtsextremist Tommy Robinson rief hingegen in einem wütenden Video-Appell zu einem Protest vor dem Polizeihauptquartier in Southampton auf. Er weckte damit Befürchtungen vor einem neuen Krawallsommer. Robinson hatte eine unrühmliche Rolle beim Anheizen rassistischer Ausschreitungen im Sommer 2024 gespielt. Damals wurden England und Nordirland wochenlang von gewaltsamen Ausschreitungen erschüttert. 

Laut Innenministerin Mahmood musste bereits ein Polizist mit seiner Familie umziehen, weil er Morddrohungen erhalten hatte, nachdem er fälschlicherweise mit dem Vorfall in Verbindung gebracht worden war.

Quelle: ntv.de, jki/dpa

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