Franken-„Tatort“ im SchnellcheckRachekrimi im „Gottesgarten“

Rosalie Thomass verstärkt das fränkische „Tatort“-Team und muss sich gleich bei ihrem ersten Einsatz mit einem komplexen Fall auseinandersetzen, bei dem wenig ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Star des Abends ist aber am Ende: die Landschaft.
Was passiert?
Nach dem Tod des jungen Travestiekünstlers Elias (Moritz Bock) vermuten die Nürnberger Kommissare Voss (Fabian Hinrichs) und seine neue Kollegin Rathgeber (Rosalie Thomass) zunächst eine Gewalttat im Rotlichtmilieu. Die Spurensicherung stößt im Zimmer auf DNA zahlloser früherer Freier, die sich kaum zuordnen lässt – eine Tatwaffe fehlt spurlos. Die Ermittlungen führen in den „Gottesgarten am Obermain“ zu Elias‘ Eltern, die ganz unterschiedlich mit dem Tod ihres Sohnes umgehen. Nach und nach wird aus dem vermeintlichen Mordfall die Frage nach dem Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit.
Worum geht es wirklich?
Um den Einstand von Rosalie Thomass als Kommissarin Emmy Rathgeber. Und um den kontrovers diskutierten Grundsatz, nach einem erstmaligen Freispruch bei späterem Auftauchen neuer Beweise nicht noch einmal vor Gericht gebracht werden zu dürfen. Aber auch um das Lösen von traditionellen Geschlechterdefinitionen und die Schwierigkeit in Teilen der Elterngeneration, damit umzugehen. Dieser „Tatort“ will uns eine Menge erzählen.
Wegzapp-Moment?
Leider sehr viele der Szenen, die den Zuschauern die fränkische Seele und Kultur näherbringen sollen: „Man soll Gott für alles danken, sogar für die (Ober)Franken“, scherzt die neue Kommissarin gleich zum Einstand. Und ja, das schaut sich genau so cringe, wie es sich liest.
Wow-Faktor?
Die Schönheit der Landschaft rettet zumindest teilweise die fränkische Ehre, Drehbuchautor Constantin Lieb hat mit großer Zielsicherheit die schönsten Drehorte im „Gottesgarten“ ausgewählt. Kein Wunder, denn „viele der Wege, die Emmy Rathgeber und Felix Voss in der Geschichte gehen, bin ich selbst als Kind und Jugendlicher gegangen“, sagt der selbst von dort stammende Lieb. „Durchs Obermaintal, von Ebensfeld zum Staffelberg, die Landstraßen und Flurbereinigungswege rund um Bad Staffelstein und Lichtenfels.“
Wie ist es?
6 von 10 Punkten. Tolle Bilder und eine im Grunde interessante und relevante Geschichte stehen scherenschnittartigen Figuren und streckenweise arg platten Dialogen gegenüber. Ob man „Gottesgarten“ genießen kann, hängt maßgeblich damit ab, wie gut man wiederholte Anfälle von Fremdscham aushält (oder geflissentlich übersieht).